Jasper Schröder aus Höxter war mit Rotary in Australien – Corona-Pandemie setzt Austausch ein frühes Ende Überstürzte Rückreise aus Down Under

Höxter (WB). Deutschland beschließt den Lockdown, aus Italien gehen schockierende Bilder um die Welt, die EU-Außenminister beraten über Rückholaktionen von EU-Bürgern: Der 16-jährige Jasper Schröder aus Höxter verfolgte die zugespitzte Corona-Nachrichtenlage im März nicht zu Hause, sondern im fernen Australien.

Von Sabine Robrecht
Jasper Schröder mit der Flagge Australiens und der Mundschutzmaske, die ihn an die überstürzte Abreise erinnert. Mit den Freunden, die er in Down Under kennen gelernt hat, hält der 16-Jährige über die neuen Medien Kontakt.
Jasper Schröder mit der Flagge Australiens und der Mundschutzmaske, die ihn an die überstürzte Abreise erinnert. Mit den Freunden, die er in Down Under kennen gelernt hat, hält der 16-Jährige über die neuen Medien Kontakt. Foto: Sabine Robrecht

Und das mit wachsendem Unbehagen: „Ich fühlte mich an dem Ort, wo ich war, zwar sicher. Zumal es keine Coronafälle in der Kleinstadt gab. Trotzdem hatte ich Angst, dass ich festsitzen werde“, beschreibt der Schüler seine Gefühlslage.

Zum Glück trat diese Befürchtung nicht ein: Jasper ist wohlbehalten in die Heimat zurück gekehrt. Sein Vater Dr. Benjamin Schröder hatte nach langer Suche bei der Fluggesellschaft Katars eine Rückflugmöglichkeit ausfindig gemacht und seinen Sohn am 1. April auf dem Frankfurter Airport gesund in die Arme schließen können. Jasper hatte sich beim Auswärtigen Amt schon vorsichtshalber auf die Liste für die große Rückholaktion von Auslandsurlaubern schreiben lassen. „Den Platz habe ich aber dann streichen lassen, als mein Vater einen Flug gefunden hat, um ihn nicht unnötig zu blockieren.“

Die Erleichterung steht Jasper heute noch ins Gesicht geschrieben, wenn er von seiner abenteuerlichen und überstürzten Rückreise aus Down Under erzählt. Ein wenig Wehmut schwingt aber auch mit. Denn das hektische Kofferpacken angesichts der Corona-Pandemie setzte dem Austauschjahr, das er über den Rotary-Jugenddienst in der 5700-Einwohner-Stadt Biloela in Zentral-Queensland verbrachte, ein jähes Ende. „Ich musste mich von meinen Freunden verabschieden, von den so tollen Erfahrungen, die ich gemacht hatte, und von der Freiheit Australiens, wo alles gelassener ist als hier“, erzählt Jasper.

Fürsorge tat gut

Zwischen der Nachricht des Vaters, dass er einen Rückflug gefunden hat, und der Abreise lagen nur vier Tage. Freunde schenkten ihm als Andenken eine Flagge mit ihren Unterschriften. Der Betreuer des Rotary-Clubs Biloela, der dem Schüler aus Höxter seit Beginn seines Austausches im Juli 2019 zur Seite stand, gab ihm eigens von seiner Frau genähte Mundschutz-Masken mit Australien-Logo sowie ausreichend Desinfektionsmittel mit auf die Reise. Diese Fürsorge tat gut. Auch brachte er Jasper, weil alle Inlandsflüge schon gestrichen waren, mit dem Wagen ins sechs Autostunden entfernte Brisbane. Von dort ging der Flieger zunächst nach Doha.

Reisender half Jasper durch den Zoll

Am Flughafen von Brisbane schickte die Polizei den Betreuer sofort weg, weil sich nur noch Reisende dort aufhalten sollten. Da traf es sich gut, dass in der Reihe der Abflug-Passagiere ein Rotarier aus Bayern auf Jasper aufmerksam wurde. Weil der 16-Jährige das Sakko mit den Pins trug, das Austauschschüler von Rotary als solche ausweist, sprach der Mann ihn an und half ihm durch den Zoll. So endete ein Auslandsaufenthalt, der in diesen Mai-Tagen eigentlich mit einer dreiwöchigen Safari durch ganz Australien gekrönt worden wäre, überstürzt.

Schüler blickt dankbar zurück

Jasper blickt trotzdem dankbar auf die Zeit in Biloela zurück. Er besuchte dort die Schule, begegnete Rotary-Austauschschülern aus anderen Ländern, realisierte mit ihnen Hilfsprojekte unter anderem für Mädchen in Afrika, unternahm Ausflüge an die Traumstrände von Fraser Island, stellte als Jugendbotschafter Deutschlands sein Heimatland vor und erlebte Weihnachten im Hochsommer. An den australischen Akzent im Englischen gewöhnte sich der 16-Jährige binnen kurzer Zeit. Und lernte Land, Leute, Alltag und Kultur kennen. Sein Vater, der dem Rotary-Club Höxter angehört, hatte ihn über das Austauschprogramm informiert. Zwei Schüler aus Neuseeland und Brasilien waren 2019 im Rahmen dieses Programms bei der Familie Schröder zu Gast. Einen der Gastbrüder hat Jasper gar nicht kennen gelernt. Er war schon in Down Under, als der Neuseeländer zuhause einzog.

An seiner Schule, dem Berufskolleg Kreis Höxter in Brakel, wo er 2022 das Abitur mit Schwerpunkt Gesundheit ablegt, wird der 16-Jährige sicher bald über seine Zeit in Australien berichten können.

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