Gaststätten dürfen am 11. Mai öffnen – verhaltener Jubel – erste Betriebsaufgabe Flexibel und kreativ agieren

Höxter (WB). Endlich! Es geht wieder los: Wann ist das Buffet eröffnet? In welchem Biergarten lässt man sich ein kühles Weizenbier schmecken, und welcher Marktplatz lädt ein zum Pläuschchen bei Kaffee und Kuchen?

Von Bettina Schulz
Versuchen sich ein Bild zu machen, wie viele Tische auf Grundlage des Abstandsgebotes demnächst noch positioniert werden können: Christian Potthast und Barbara Potthast-Menne.
Versuchen sich ein Bild zu machen, wie viele Tische auf Grundlage des Abstandsgebotes demnächst noch positioniert werden können: Christian Potthast und Barbara Potthast-Menne. Foto: Bettina Schulz

Eröffnungen wohl erst Mittwoch

Vom 11. Mai an ist Speisegaststätten der Betrieb wieder erlaubt – natürlich unter Einhaltung des Abstandsgebotes und nur mit Infektionsschutz- und Hygienekonzept. Und genau da hakt es gerade. Am Tag nach der Vorstellung der Lockerungen, die eben auch, für viele überraschend, Gaststätten und Hotels vorsah, herrscht bei vielen Befragten noch große Unklarheit und Irritation. Barbara Potthast-Menne, Vorsitzende des Dehoga-Kreisverbandes Höxter: „Der Jubel über diese Entscheidung ist verhalten. Natürlich sind wir froh darüber, dass es wieder weiter geht. Wir haben aber noch keine konkreten Hinweise, wie wir das vor Ort umsetzen sollen. Freitag erwarten wir weitere Hilfen.“ Um sich auf einen vorschriftsmäßigen und dennoch auch den Kunden ansprechenden Auftritt vorbereiten zu können, werden sowohl das „Wirtshaus Strullenkrug“ als auch das „Schmeck-Werk“ voraussichtlich erst am Mittwoch nächster Woche öffnen.

Neustart wird sehr schwer

„Dieser Neustart wird sehr schwer“, gibt die etablierte Wirtin Potthast-Menne zu bedenken. „Für viele kommt der Termin vielleicht auch zu früh.“ Das kann Ursula Löseke vom gleichnamigen Restaurant in Brakel nur bestätigen. „Da werden nicht viele Gäste kommen, da lohnt es sich kaum aufzumachen.“ Ihre Familie betreibt zudem den „Kornboden“ auf dem Gut in Holzhausen. Hier dominieren Familienfeiern und Hochzeiten das Geschehen. Zudem tritt das Restaurant als Caterer für besondere Veranstaltungen wie „Voices“ in Erscheinung. „Alles noch nicht erlaubt oder abgesagt“, gibt es für Familie Löseke im Moment deshalb keinen Handlungsbedarf.

Zeit zum Handeln allerdings war für Aslan Ünal aus Brakel gekommen. Vor gut zwei Jahren hatte er das alt eingesessene Gasthaus Tegetmeier am Hanekamp übernommen. In dieser Woche gab er bekannt: Es ist vorbei. Am Mittwoch wurde der Aufhebungsvertrag unterzeichnet. Das Brakeler Gasthaus ist, laut Dehoga-Vorsitzender Potthast-Menne, somit das erste gastronomische Corona-Opfer. „Wunderbar“ heißt nur noch sein zweites und jetzt einziges Geschäft, ebenfalls am Hanekamp. Wunderbar war in den vergangenen Wochen für den engagierten Kleinunternehmer Ünal rein gar nichts mehr. „Die 9000 Euro Unterstützung waren zu Beginn der Corona-Krise ein Tropfen auf dem heißen Stein und schnell wieder ausgegeben. Es war einfach finanziell nicht mehr zu stemmen. Für mich kommt dieser Öffnungstermin aber auch nicht zu spät. Ich hätte einfach auch nicht mehr die Kraft für den Neustart gehabt“, sagt er schon sehr frustriert und fühlt sich vom Staat im Stich gelassen. Neuen Anlauf will er mit dem „Wunderbar“ nehmen. Aber auch das Lokal öffnet zunächst nicht am 11. Mai. Aslan Ünal informiert: „Gut zwei Wochen werden die Renovierungsarbeiten dauern. Und dann mal schauen, was so passiert.“ Bei den Abstandsregeln läuft das auf 50 Prozent Besetzung raus. „Da kann ich eigentlich auch gleich zulassen“, sagt er.

Reservierungen für die kommende Woche

Ganz so pessimistisch sieht es Wilhelm Driehorst vom Gasthaus in Godelheim nicht. „Natürlich wird es schwierig“, sagt er und freut sich dennoch über die verspätete Spargelsaison auf seiner Speisekarte, die am Mittwoch nächster Woche (Montag ist Ruhetag, Dienstag wird vorbereitet) an den Start geht. Die Stammgäste hätten schon reagiert. Driehorst: „Wir haben Reservierungen für nächste Woche. Das ist ein gutes Zeichen.“ Abstandsregeln kann Driehorst problemlos einhalten, er nutzt seine zur Zeit nicht benötigten Event-Räumlichkeiten zur weiteren Bestuhlung.

„Restaurants mit kleiner Fläche haben es da schon schwerer“, räumt Barbara Potthast-Menne ein. Ihre Rechnung für den großzügigen Biergarten des „Strullenkruges“ geht mit Abstandsbestuhlung noch ganz gut auf. Im Restaurant verbleiben bei eigentlich 52 Plätzen am Ende nur 14, um den nötigen Abstand herzustellen. Auch die 90 Sitzplätze beim „Schmeck-Werk“ auf dem Höxteraner Marktplatz schrumpfen, wenn Inhaber Stephan Menne den Zollstock anlegt und an jedem Tisch nur zwei Personen Platz nehmen dürfen, ganz schnell auf 30. Bei all diesen ernüchternden Zahlenspielen ist die Vorsitzende der Dehoga dennoch zuversichtlich: „Da ist in den nächsten Wochen die Kreativität der Gastronomen gefragt. Und was wir in den Jahrzehnten in unserem Beruf gelernt haben, ist zudem Flexibilität. Die können wir jetzt gut gebrauchen und einsetzen.“

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