Landkreis Holzminden kämpft gegen illegale Müllentsorgung
Altöl gefährdet Trinkwasser

Boffzen(WB). Der Landkreis Holzminden kämpft zurzeit offenbar massiv mit illegaler Müllentsorgung. „Wer einen Blick auf Straßenränder oder Parkplätze im Solling wirft, kann sich davon manchmal nur mit einem schnellen Seitenblick selbst ein Bild machen“, sagt Kreissprecher Peter Drews.

Donnerstag, 23.04.2020, 07:00 Uhr

Ein besonders krasser Fall ist jetzt im Rottmündetal an der Landestraße 549 zwischen Neuhaus und Boffzen entdeckt worden. Auf einem Parkplatz in der Nähe der alten Revierförsterei fanden Polizei und die Untere Wasserbehörde des Landkreises neben Elektrogeräten und sonstigem Restmüll auch etliche Kanister mit Altöl. Der Fundort ist weniger als 300 Meter von einer oberflächennahen Quelle entfernt, die auch das Trinkwassernetz von Boffzen speist.

Kein Kavaliersdelikt

Sven Henze von der Unteren Wasserbehörde ist entsetzt. „Eine Kontaminierung mit Altöl ist so ziemlich das Schlimmste, was passieren kann“, sagt er. Das Rottmündetal liege in einer besonderen Schutzzone, auf die auch deutlich hingewiesen wird. „Wir haben hier auf der Strecke mehrere Hinweisschilder aufgestellt, dass das Tal hier ein Wasserschutzgebiet ist“, betont Henze. Die auf dem Parkplatz illegal entsorgten zehn Kanister Altöl hätten ausgereicht, um neben der in unmittelbarer Nachbarschaft befindlichen Hainbuchenbuschquelle auch alle anderen Quellen des Tales so zu kontaminieren, dass die Trinkwasserversorgung Boffzens stark gefährdet gewesen wäre. „Wenn das ausgelaufen wäre“, so Henze, „hätten wir die Quellen schlimmstenfalls komplett aufgeben müssen.“

Ein Richter dürfte wohl kaum Milde walten lassen

Das Entsorgen von die Umwelt besonders stark belastenden Stoffen sei kein Einzelfall und auch kein Kavaliersdelikt. Schon die einfache illegale Entsorgung von Müll könne nach dem Strafgesetzbuch mit Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren geahndet werden. Im Fall von Gefahrstoffen, die sogar Gewässer nachhaltig verunreinigen, dürfte ein Richter deshalb wohl kaum Milde walten lassen. Zu Recht, wie Landrat Michael Schünemann findet. „Wer so etwas macht, verhält sich ohne Wenn und Aber falsch“, erklärt Schünemann. Häufig werde in solchen Fällen ohne Not und mit einem nicht nachvollziehbaren Aufwand etwas entsorgt, wofür Privatleute nicht einmal unbedingt etwas bezahlen müssten. Das lasse sich dann auch nicht mehr mit einem vermeintlich schlechten Service von Entsorgern rechtfertigen. Altöl wird vom Handel zurückgenommen, altölgetränkte Feststoffe können bei den Schadstoffsammelterminen der AWH abgegeben werden.

Kommentare

Leser  wrote: 23.04.2020 08:16
Wucherpreise
Richtig, Altöl kann man kostenlos entsorgen. Aber z.B. bei Autoreifen wird man inzwischen regelrecht abgezockt. Für 4 Reifen 30 €, wobei im Internet schon 1 Reifen für den Preis neu zu haben ist, sogar Testsieger.
So wundert es nicht das man inzwischen an Straßenrändern öfters mal Reifen liegen sieht. Bei der Umgehungsstraße bei Stahle z.B. sogar eine ganze Deponie bei einer Brückenauffahrt. Man könnte sagen, bei den Preisen wurde der Bogen einfach überspannt und die Leute zahlen nun gar nichts mehr.
Ich möchte das moralisch nicht bewerten, weder die Abzocker noch die Umwelt Sünder, es ist einfach nur die Realität.
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