Digitale Welt: Musikschule Höxter geht neue Wege in der Vermittlung von Wissen „Unterricht 2.0“ als Chance in der Krise

Höxter (WB). Es sind harte Zeiten – für alle Menschen. Nicht nur in der Arbeitswelt beherrscht die Corona-Krise die Abläufe und sorgt vielerorts für starke Einschränkungen wie Kurzarbeit. Auch der musische Bereich mit Theater, Kunst und Musik bleibt von der Bedrohung durch den Virus und ihren Auswirkungen nicht verschont. Aus der traditionellen Musikschule mit Einzel, Doppel- und auch Gruppenunterricht ist seit einigen Wochen die „Musikschule 2.0“ geworden.

Von Harald Iding
Schulleiter Martin Leins (Mitte) freut sich, dass trotz Corona der Unterricht wenigstens „online“ fortgesetzt wird. Andrea Broer (Querflöte) und Burkhard Meise (Gitarre) machen mit.
Schulleiter Martin Leins (Mitte) freut sich, dass trotz Corona der Unterricht wenigstens „online“ fortgesetzt wird. Andrea Broer (Querflöte) und Burkhard Meise (Gitarre) machen mit. Foto: Harald Iding

Die Welt der Töne und Griffe ist jetzt virtuell, aber nicht weniger wichtig. „Es ist für uns die einzige Möglichkeit, die Vollbremsung des Betriebes seit Mitte März abzufangen. Wir setzen auf individuelle Lösungen per Handy oder Laptop“, betont Martin Leins im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT. Dem engagierten Leiter der Bildungseinrichtung der Stadt Höxter, erfahrenen Hornisten und Dirigenten des Musikvereins Sommersell fehlt in diesen Tagen einfach auch der persönliche Kontakt und direkte Austausch unter Musikern – zum Beispiel bei gemeinsamen Proben in großer Runde. „Es dreht sich hier bei mir am Tag alles nur noch um Corona, die Vorgaben und Alltagslösungen.“

Seitdem die Musikschulen im März wegen der gesetzlichen Vorgaben zum Schutz vor Corona-Infektionen verdonnert wurden, ihre Türen für die Öffentlichkeit zu schließen, sind aus einigen Lehrern inzwischen schon echte Technik-Experten geworden.

Damit ist nicht etwa die Griff- und Atemtechnik gemeint, die beispielsweise für Blasinstrumente zu den wichtigsten Grundlagen zählen. Es geht hier um die Ausstattung von neuen Medien zur Kommunikation – um Live-Chat-Tools wie „Skype“ und „Zoom“.

„Dass einmal so etwas passiert und wir keinen Unterricht wie gewohnt anbieten dürfen – damit konnte keiner rechnen. Wir sind technisch nicht darauf vorbereitet gewesen, Unterricht nur per Internet zu geben“, betont Leins. Inzwischen habe man sich aber darauf eingestellt. Leins freue sich, dass viele Eltern das „Alternativprogramm mit vollem Service“ während der Krise mittragen und weiter die Schule und Lehrer mit monatlichen Beiträgen unterstützen.

25 Lehrer und 600 Schüler

Leins: „Wir haben 25 Lehrer – also 15 Honorarkräfte und zehn Angestellte.“ Andrea Broer (sie deckt Querflöte, Früherziehung, Musikpädagogik und musikalische Grundausbildung ab) und ihr Kollege Burkhard Meise (Gitarre) gehören zu den Angestellten.

„Die Stunden hier und in den Klassen mit den Kindern fehlen mir sehr. Aber wir blicken nach vorn und auch ich gebe digitalen Unterricht“, erklärt Broer. Man würde manchmal von den Datenleitungen ausgetrickst, zudem sei die Klangqualität oft mäßig. Vieles komme beim Gegenüber nur „zeitversetzt“ an. Ein gemeinsames Spiel sei dadurch unmöglich. „Es geht dann nur im Wechsel – einer nach dem anderen.“ Gitarrist Burkhard Meise hat die Erfahrung gemacht, dass man als Lehrer jetzt ganz genau auf den Bildschirm schaut, um auch jedes Detail des Schülers beim Greifen zum Beispiel der Akkorde zu sehen und Hilfestellungen zu geben.

600 Schüler hat die Musikschule Höxter, die meisten sind im jungen wie jugendlichen Alter – aber auch viele Erwachsene lassen sich die Chance nicht entgehen, als Hobby unter Anleitung ein Instrument zu lernen. „Und irgendwie gewinnt man aktuell den Eindruck, dass die Leute die freie Zeit noch mehr dazu nutzen, an ihrem Instrument besser zu werden. Das freut uns natürlich. Der Spaß in der digitalen Unterrichtsstunde bleibt dennoch – und manchmal habe ich den Eindruck, dass andere Familienmitglieder im Hintergrund mit dabei sind und interessiert zuhören!“ So ein Auditorium habe es bislang nicht gegeben, da lief die Vermittlung des musikalischen Wissens meist nur in den Räumen der Musikschule ab – als Interaktion von Schüler und Lehrer. Die Stunden, die in dieser Zeit ausfallen würden, kämen auf ein Stundenkonto und würden den Schülern gutgeschrieben.

Gitarrenlehrer Burkhard Meise aus Höxter gibt hier gerade Online-Unterricht für einen Schüler der Musikschule Höxter. Foto: Privat

„Wir bezahlen unsere Kräfte weiter nach ihrem üblichen Stundenkontingent. Wenn die Krise beendet sein wird und wir den normalen Betrieb wieder hochfahren, dann können ausgefallene Unterrichtseinheiten von den Lehrkräften nachgeholt werden“, sagt Leins. Auf diese Weise will man vermeiden, dass Kollegen in existenzielle Nöte geraten. „Alles hängt natürlich von der Zeit ab, wie lange die Auflagen noch gelten. Wir sind daher auf die Solidarität der Eltern als Beitragszahler angewiesen.“ Die Leitung stehe bei Fragen dazu natürlich gerne zur Verfügung. Leins: „Bis zum Sommer wird es zudem keine Konzerte und Vorspiele geben – frühestens im Herbst. Sicherheit geht vor!“ Das Team der Musikschule Höxter konzentriere sich jetzt auf die Kernkompetenz – das Vermitteln von Wissen durch Fachpersonal.

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