Reisebüros haben derzeit einen besonders schweren Stand
„Die Nerven behalten“

Warburg (WB). Tina Bierhoff gehört zu den Warburger Geschäftsleuten, die von der Corona-Pandemie mit am stärksten betroffen sind. Die Reisebranche liegt am Boden. Und die Inhaberin von Reisebüros in Warburg und Bad Arolsen, Chefin von sechs Mitarbeiterinnen, blickt in eine ungewisse Zukunft. Ihre Devise: „Die Nerven behalten.“

Dienstag, 07.04.2020, 07:29 Uhr
Tina Bierhoff, Inhaberin von Reisebüros in Warburg und Bad Arolsen, hat für die Kunden kleine Tüten mit Sonnenblumenkernen aufgehängt. „Vielleicht ist ja, wenn sie blühen, auch das Reisen wieder erlaubt“, hofft die Tourismus-Expertin aus Warburg. Foto: Jürgen Vahle

Für ihre Kunden hat sie am Wochenende kleine Tüten mit Sonnenblumenkernen an die Tür ihrer Büros geklebt. „Wenn wir derzeit auch keine Urlaubsträume erfüllen können, entsteht aus den Samen vielleicht nach dem Einpflanzen eine Sonnenblume, die an uns erinnert.“

Telefone und Maileingänge stehen nicht still

Kundenpflege ist das A und O, denn wann die Reisebüros tatsächlich wieder Sonnenträume erfüllen können, steht in den Sternen. Januar und Februar waren in den Reisebüros Boom-Monate. Ein Großteil der Urlaubsreisen für Ostern, Pfingsten sowie für den Sommer werden in diesen Zeitraum gebucht.

„Auch wir haben Überstunden ohne Ende gemacht“, berichtet Tina Bierhoff. Doch das war alles für die Katz. Durch die Reiseverbote der Bundesregierung fallen sämtliche Buchungen zunächst über Ostern flach und müssen rückabgewickelt werden. „Wir haben unsere Büros zwar nicht geöffnet, aber die Telefone und Maileingänge stehen nicht still“, berichtet sie.

Hinter verschlossener Bürotür werden die abgesagten Reisen bearbeitet. „Wir Reisebüros kämpfen derzeit mit viel Herzblut, dass die Reisen tatsächlich aus den Buchungssystemen der Veranstalter storniert werden und unsere Kunden keinen finanziellen Verlust erleiden. Und wir pochen darauf, dass bereits bezahltes Geld so schnell wie möglich erstattet werden muss.“ Doch das sei nicht immer einfach, denn die Veranstalter hätten zum Teil ihre Telefone abgeschaltet. „Sie sind auch für uns nicht erreichbar und lassen uns ganz mies hängen.“

Die Rechtslage ist eindeutig

Die Rechtslage und damit die Erstattung des Geldes an die Kunden sei klar geregelt. Die Reisebüros selbst gehen hingegen leer aus. „Unsere Provision wird in den meisten Fällen erst dann fällig, wenn die Kunden die Reise angetreten haben.“ Nach der Thomas-Cook-Pleite, bei der viele Reisebüros draufgelegt hätten, sei die Pandemie der zweite große Schlag. Und der werde womöglich noch einige Zeit andauern, befürchtet Tina Bierhoff.

Auch sie hat jetzt für einen Teil ihres Teams schweren Herzens Kurzarbeit beantragt. Für alle, die über Pfingsten oder im Sommer gebucht haben, hat sie einen Tipp: „Ruhe bewahren und abwarten!“ Sollte das Reiseverbot noch monatelang aufrechterhalten werden, habe der Kunde ein Anrecht auf die Rückabwicklung der Anzahlung. Mit der Schlussrate solle man daher so lange wie möglich warten. Man müsse schauen, wie sich die Pandemie entwickelt und wann Reisen wieder möglich sind. Einige Veranstalter böten jetzt schon an, Reisen über Pfingsten auf einen späteren Zeitpunkt umzubuchen. „Sogar eine Verlegung ins Jahr 2021 ist bei manchen Anbietern möglich“, berichtet Tina Bierhoff.

Reisebüros kämpfen für ihre Kunden

Sie und ihre Berufskollegen hoffen, dass es am Ende der Krise einen gewissen Nachholbedarf in Sachen Reisen gibt. Aber mit Gewissheit sagen, könne das niemand. Den Büros bleibe lediglich die Möglichkeit, weiterzumachen und für das schon gezahlte Geld der Kunden zu kämpfen. Aber vielleicht, wenn die ersten Sonnenblumen im Sommer bei den Kunden aufgegangen sind, zieht auch die Reisebranche wieder an, hofft Tina Bierhoff. Wie gesagt: Man müsse eben „die Nerven behalten“.

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