Hausarzt Matthias Küßner testet vor dem normalen Praxisalltag auf das tückische Virus Großer Einsatz in Zeiten von Corona

Höxter  (WB). Es ist 7.30 Uhr am Dienstagmorgen: Matthias Küßner betritt seine Praxis in der Westerbachstraße 40 in Höxter. Für 7.50 Uhr hat der Hausarzt die erste Person zum Test einbestellt. Um 8 Uhr wird der Facharzt für Innere Medizin eine weitere Person testen. „In beiden Fällen ist der Verdacht auf Corona begründet“, sagt der Allgemeinmediziner.

Von Jürgen Drüke
Zum Test bereit: Hausarzt Matthias Küßner hat die Schutzkleidung angezogen und steht mit Wattestäbchen und Teströhrchen bereit. Vor der Praxisöffnung um 8 Uhr nimmt der Facharzt für Innere Medizin die Tests auf das Coronavirus vor.
Zum Test bereit: Hausarzt Matthias Küßner hat die Schutzkleidung angezogen und steht mit Wattestäbchen und Teströhrchen bereit. Vor der Praxisöffnung um 8 Uhr nimmt der Facharzt für Innere Medizin die Tests auf das Coronavirus vor. Foto: Jürgen Drüke

„An diesem Morgen sind es zwei Personen, die ich teste. Am Vortag waren es vier Kranke“, berichtet Küßner. Der Facharzt testet auf Covid 19 , so die exakte Bezeichnung des Virus, das die Welt in Atem hält. In der Höxteraner Praxis verläuft in Sachen Covid 19 alles nach einem exakt vorgegebenen Fahrplan und unter Einhaltung der Hygienevorschriften – der Schutz des Personals und der anderen Patienten steht dabei an erster Stelle.

Verdachtsfälle von regulären Patienten trennen

Es ist 7.35 Uhr: Matthias Küßner zieht zunächst die Schutzkleidung, bestehend aus Kittel, Maske Haube sowie zwei Paar Handschuhen an: „Das nimmt einige Minuten in Anspruch. Die Personen werden über den Hintereingang in die Praxis kommen. Hier ist eigens ein Untersuchungsraum eingerichtet worden. Das Zimmer, in welchem die Tests stattfinden, wird nach jeder Untersuchung desinfiziert.“

Oberstes Gebot für den Nasen- und Rachenabstrich sei es, dass die Verdachtsfälle vom normalen Publikums- und Patientenverkehr getrennt bleiben. Es gelte, jeden Kontakt auszuschließen.

Hausarzt Matthias Küßner weist darauf hin: „Bei Verdacht auf Corona muss zunächst angerufen werden.“ Foto: Jürgen Drüke

Die Praxis öffnet für den normalen Publikumsverkehr jeden Morgen um 8 Uhr. Um 8.10 Uhr hat Matthias Küßner die Tests abgeschlossen und kann sich um die bereits wartenden Patienten kümmern.

„Der normale Praxisalltag beginnt“, so Küßner. „Aktuell geht, wie in jedem Winter und Frühjahr, zusätzlich die ganze normale Grippe um. Zum Glück ist sie nicht so ausgeprägt wie vor zwei Jahren, sonst würden wir alle an unsere Grenzen stoßen.“

Ergebnisse werden abends mitgeteilt

Das Team, das sind die Arzthelferinnen und Küßners Ehefrau Annette als Krankenschwester und Hygiene-Fachkraft, hat die Abläufe exakt einstudiert. „Das Prozedere wird am Vortag mit den Personen, welche die Kriterien für den Test erfüllen, abgesprochen“, stellt der Hausarzt heraus. Noch abends teilt Matthias Küßner, sobald die Daten aus dem Labor vorliegen, den Getesteten das Ergebnis mit.

„Das ist zwischen 20 Uhr und 20.30 Uhr der Fall. Die Personen werden von mir unmittelbar angerufen“, so Küßner. Bisher habe er ausschließlich gute Nachrichten, was in der Medizinersprache negativ bedeutet, übermitteln können. Der Arbeitstag des Mediziners beträgt in Zeiten von Corona mehr als zwölf Stunden. Küßner und sein Team arbeiteten in der Ausnahme­situation zusätzlich mehr.

„Es gilt, die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Dabei tragen wir alle Verantwortung, um insbesondere die chronisch kranken und älteren Menschen zu schützen“, hebt der Hausarzt hervor.

Trockener Husten ist Symptom

7.50 Uhr am Dienstagmorgen, es klingelt: Krankenschwester Annette Küßner öffnet die Hintertür zur Praxis. Matthias Küßner steht mit Wattestäbchen und Teströhrchen bereit. „Der Test geht schnell. Die Vorbereitungen bedürfen wesentlich mehr Zeit“, sagt der Arzt. „Wer leichte Infektionsanzeichen verspürt, allerdings nicht aus einem der Risikogebiete kommt oder mit einer Person aus diesen Ländern engeren Kontakt hatte, muss zunächst keine Coronavirus-Infektion befürchten“, so Küßner.

Wer jedoch aus Italien oder Österreich aus dem Urlaub zurückgekommen sei und Kontakt mit einer infizierten Person gehabt habe, der müsse den Hausarzt oder das Gesundheitsamt zunächst telefonisch kontaktieren. Ein trockener Husten, Halsschmerzen, Fieber und Grippesymptome könnten Anzeichen sein.

Schutzmasken sind knapp

Leider sei es schwierig, in Deutschland aufgrund der großen Nachfrage Masken aufzutreiben. Der Hausarzt hat über den Freund seiner Tochter – der ist Schwede – Masken aus Skandinavien besorgt. Zudem habe ihn das heimische Handwerk Schutzmasken zukommen lassen.

„Corona hat die Welt fest im Griff. Jetzt müssen wir Vorschriften einhalten und Ausnahmegesetze befolgen.“ Die deutsche Regierung leiste einen guten Job. „Solidarität muss jetzt an erster Stelle stehen“, appelliert Matthias Küßner. In seiner Praxis klingelt das Telefon ununterbrochen. „Dabei geht es sehr oft um Corona“, stellt der Hausarzt heraus.

„Wir schaffen es nur gemeinsam“, betont der Facharzt für Innere Medizin. Die Corona-Tests werden in der Praxis von Matthias Küßner auch an diesem Mittwochmorgen Alltag sein.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7331750?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198395%2F2516020%2F