Leiter des Höxteraner Gesundheitsamtes zeigt Gefahren durch das Virus auf Neue „Arbeitsgruppe Corona“ beim Kreis

Höxter (WB). Die Mitglieder des Kreisausschusses für Familie, Gesundheit und Soziales hatten in der jüngsten Sitzung viele wichtige Themen wie das Modellprojekt „Rehapro“ und die Vorstellung des Seniorennetzwerkes im Kreis auf der Agenda – doch richtig spannend und mucksmäuschenstill wurde es, als zum ersten Mal der Fachbereichsleiter Dr. med. Ronald Woltering vom Gesundheitsamt über den aktuellen Stand in Sachen „Coronavirus“ informierte.

Von Harald Iding
Eine Krankenschwester steckt eine Probe eines Patienten, der auf das neuartige Coronavirus getestet wird, in einen Behälter.
Eine Krankenschwester steckt eine Probe eines Patienten, der auf das neuartige Coronavirus getestet wird, in einen Behälter. Foto: dpa

Dieses Thema bewegt alle, auch die Mitarbeiter der Kreisverwaltung. „Wir ziehen hier im Hause an einem Strang, bündeln die Kräfte und haben inzwischen eine ‚Arbeitsgruppe Corona‘ eingerichtet.“ Sie wird von Gerhard Handermann (Kreiskämmerer) geleitet, der schon Erfahrungen mit Krisenstäben habe. Bislang gäbe es im Kreis noch keinen Corona-Fall – und auch keinen Verdachtsfall.

Aber dass sei nur eine Frage der Zeit. „Fast jede Stunde gibt es neue Zahlen und Entwicklungen. So dynamisch die Situation auch derzeit ist, so schwer es ist zu sagen, wann wohl der erste Fall im Kreis Höxter auftreten wird. Eines ist klar: Innerhalb der nächsten ein bis zwei Jahren werden 50 bis 70 Prozent der Menschheit mit dem Virus Kontakt haben. Also mehr als jeder zweite Bürger.“

Genauso wenig, wie man einen Tsunami mit der Hand aufhalten könne, sei man in der Lage, die Epidemie aufzuhalten. „Was wir aber tun können ist, sie zu verzögern.“ Fast schon minütlich würden Neuigkeiten an Dr. Woltering und das Team vom Gesundheitsamt herangetragen. „Diese enorme Flut an Informationen müssen wir aufnehmen, verarbeiten und zeitnah weitergeben. Das hat inzwischen dazu geführt, dass wir praktisch alle Routinetätigkeiten ausgesetzt und sogar Leute aus Praktika zurückgeholt haben.“

Fachbereichsleiter Dr. med. Ronald Woltering (Kreis Höxter) hat über den aktuellen Stand in Sachen „COVID-19“ informiert. Foto: Harald Iding

Den Politikern konnte er am Donnerstagabend aber mitteilen: „Wir haben im Moment keine Verdachts- oder Erkrankungsfälle.“ Die Corona-Fälle würden deutschlandweit jedoch steigen. „Fast alle Fälle haben einen milden Verlauf. In Deutschland haben wir bislang noch keinen Todesfall. Auch Kinder sind nicht besonders betroffen. Auf der anderen Seite gibt es ältere Menschen und Personen mit chronischen Krankheiten, die mit hoher Wahrscheinlichkeit stärker betroffen sein werden. Der Virus ist eine ganz nahe Gefahr für diesen Personenkreis.“ Was viele wohl nicht wissen: „Der ganz banale Schnupfen wird in vielen Fällen durch einen Coronavirus ausgelöst – natürlich durch einen anderen als den neuen Virus.“

Überwachung der Lage

Die Inkubationszeit – also die Zeit zwischen dem Kontakt mit dem Virus und dem Ausbruch der Erkrankung – liegt bei ungefähr 14 Tagen. Im Mittel allerdings bei vier bis fünf Tagen. Deswegen müssten die Betroffenen 14 Tage lang in der häuslichen Isolierung verbleiben. Unklar sei, wann die Menschen infektiös werden. Das bereite Schwierigkeiten bei der Bekämpfung der Erkrankung. „Werde ich infektiös, bevor ich es überhaupt bemerke und Symptome habe? Dann gebe ich den Krankheitserreger bereits weiter.“

Wie bereitet sich der Kreis Höxter jetzt darauf vor? Dazu der Mediziner Woltering: „Es gibt ein Monitoring (Überwachung) der aktuellen nationalen und regionalen Lage. Ständig wird eine Aktualisierung vorgenommen von Verfahrensweisungen – sie werden weitergegeben an Krankenhäuser, Rettungsdienste, Seniorenheime und Gemeinschaftseinrichtungen. Diese Einrichtungen und auch Arztpraxen sowie Bürger werden beraten. Gleichzeitig wird eine Eindämmungsstrategie vorbereitet und es ist die ‚Arbeitsgruppe Corona‘ eingerichtet worden.“

Epidemiebekämpfung

Zur Strategie der Epidemiebekämpfung zählen drei Eckpfeiler: Die Eindämmung, um Zeit zu gewinnen – um derweil den Erreger zu erforschen, Medikamente zu erproben und Impfstoffe vorzubereiten. Der Schutz von empfindlichen Personen als weitere Maßnahme. Und am Ende setzen Woltering und der Kreis darauf, die Funktion der Infrastruktur zu erhalten. „Diese Erkrankung wird Auswirkung auf Betriebe, Krankenhäuser, Pflegeheime, Produktion, Transport und Verkehr haben. Aber es ist klar: Es muss dann weitergehen und wir müssen versuchen, die Versorgung sicherzustellen.“ Woltering: „Wir warten nun auf den ersten Corona-Fall hier bei uns im Kreis Höxter. Es ist nicht die Frage des ‚Ob‘, sondern eine Frage des ‚Wann‘!“

Kommentare

Stimmt stimmt nicht

Eine Pandemie kann man, wenn überhaupt nur unmittelbar am Ort und zum Zeitpunkt des ersten Auftretens aufhalten. Danach nicht mehr.
Da empfehle ich einen Blick in die Pandemiepläne der Who oder des rki.

Aber wenn sie bessere Evidenz als das „Internet“ haben, korrigiere ich mich gerne.

Zu den Zahlen in den USA würde ich mal im Internet recherchieren. Am Anfang hat die USA überhaupt nicht getestet, dann war der Test nicht funktionsfähig.

So war das nicht!

Natürlich hätte man die Epidemie aufhalten können. EU Grenzen und Flughäfen Einreise nur mit 2 Wochen Quarantäne. Aber wenn man nicht will dann kommt es eben so wie es jetzt kommt.
Die USA hatten den Flugverkehr nach China frühzeitig komplett eingestellt, während in Europa die Einreise möglich war, wir sehn das Ergebnis! Und es ist nicht so das im Internet sich nicht schon frühzeitig sehr, sehr viele Leute über diese totale Ignoranz der EU und unserer Regierung beschwert haben.

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