Bei der KHWE ist ein Team für die Hygiene zuständig – auch das Coronavirus ist in Höxter Thema Viren-Vorbeugung im St.-Ansgar-Krankenhaus

Höxter (WB). Wer das St.-Ansgar-Krankenhaus betritt, kommt an dem gelb-pinken Banner mit der Aufschrift „Keine Keime“ in der Eingangshalle zur Zeit nicht vorbei. Und das ist auch gut so: Denn der Aufsteller ist schmückendes und informatives Beiwerk und soll eigentlich auf den daneben stehenden Desinfektionsmittelspender aufmerksam machen.

Von Angelina Zander
Hygienefachkraft Jochen Balke (links) und Krankenhaushygieniker Matthias Reimers machen es vor: Beim Betreten und Verlassen des Krankenhauses sollten sich Besucher und Patienten die Hände desinfizieren – zurzeit wird das Angebot stark genutzt.
Hygienefachkraft Jochen Balke (links) und Krankenhaushygieniker Matthias Reimers machen es vor: Beim Betreten und Verlassen des Krankenhauses sollten sich Besucher und Patienten die Hände desinfizieren – zurzeit wird das Angebot stark genutzt. Foto: Zander

In Zeiten von Coronavirus und Grippewelle wird der Spender in der Eingangshalle besonders häufiger angesteuert, berichten Hygienefachkraft Jochen Balke und Krankenhaushygieniker Matthias Reimers. Sie gehören zu einem Team der Katholischen Hospitalvereinigung (KHWE), das dafür sorgt, dass Viren und Bakterien sich in den vier Krankenhäusern erst gar nicht verbreiten.

Sensibilität steigt

„Der Verbrauch der Desinfektionsmittel ist merklich gestiegen. Die Mitarbeiter der Pforte berichten, dass kaum noch jemand an dem Spender vorbeigeht“, sagt Balke. Im Eingangsbereich des St.-Ansgar-Krankenhauses befindet sich ein Automatikspender. Nutzer müssen ihre Hände in eine Öffnung stecken. Der Spender dosiert das Desinfektionsmittel automatisch, im Fall der KHWE sind das 1,5 Milliliter. Vor den Zimmern, an den Behandlungswagen und in den Taschen des Personals befinden sich ebenfalls verschiedene Desinfektionsmittel-Behältnisse.

„Das Coronavirus ist ein behülltes Virus. Das ist leichter zu desinfizieren“, erklärt Balke. Der Alkohol greife die Hülle an und mache das Virus inaktiv. „Somit kann das Virus mit jedem Hand-, Haut- und Flächendesinfektionsmittel bekämpft werden.“ Bei unbehüllten Viren wie dem Norovirus sei die Desinfektion deutlich schwieriger – hier müssten spezielle Mittel verwendet werden.

Einen Lieferengpass habe die KHWE nicht zu befürchten, sagt Balke. Die zuständige Apotheke sei vorbereitet: Im Januar habe man dort begonnen, ein Lager mit entsprechenden Mitteln aufzubauen. „Für wochenlangen Nachschub ist gesorgt“, sagt Balke. Diebstahl sei zwar nicht auszuschließen, allerdings werde bei der KHWE das Desinfektionsmittel schon immer unter Verschluss gehalten.

Wenn das Virus kommt

14 Tage lang habe das Coronavirus die KHWE und das Gesundheitsamt des Kreises Höxter, die in einer Task Force zusammenarbeiten, nun intensiv beschäftigt. „Das Konzept steht. Die Grundarbeit ist getan“, sagt Balke. Aber was bedeutet das genau? Welche Prozesse werden losgetreten, sollte im Kreis Höxter ein Corona-Patient auftauchen?

Kontaktlos auf die Station

„Wenn in Bad Driburg ein begründeter Verdacht bei einem Patienten bestehen würde, dann würde es zunächst eine Telefonkonferenz der Steuergruppe geben, der auch Chefarzt Dr. Eckhard Sorges angehört. Dann wird entschieden, ob der Betroffene nach Höxter geschickt werden soll. Ist das der Fall, wird er mit einem Rettungswagen transportiert.“

In der Notfallambulanz gebe es einen Isolationsbereich, der bereits für Ebola-Erkrankte oder Personen mit Lassafieber genutzt worden ist. Mit einem Mundschutz ausgestattet, werde der Betroffene dann mit dem Aufzug zu Station 7.4 gebracht – einer Ausweichstation. Der Transport erfolge kontaktlos. „Corona wird nicht über die Schuhe übertragen“, macht Balke klar.

„Die Station ist noch nicht in Betrieb, weil es keinen begründeten Verdacht gibt.“ Acht Verdachtsfälle und sechs nachgewiesene Fälle könnten untergebracht werden. Sollten Corona-Fälle auftreten, gebe es ein extra geschultes Personal, das sich bewusst für diesen Einsatz entschieden habe.

Denn: „Wer einen Verdachtsfall pflegt, kann nicht auch die nachgewiesenen Fälle pflegen“, so Balke. Für bestätigte Corona-Patienten gibt es Isolierzimmer. „Das Personal geht morgens um 6 Uhr rein und kommt beispielsweise erst um 14 Uhr wieder raus.“

Auch in die Kantine dürfen die Mitarbeiter in dieser Zeit nicht gehen. Ausgestattet werden sie für ihren Einsatz unter anderem mit Einmalkitteln, speziellem Mundschutz und Schutzbrillen, die bei besonders engem Kontakt wie bei der Atemwegsuntersuchung zum Einsatz kommen.

Zweistündige Reinigung

Verlässt ein Patient das Isolierzimmer nach seiner Erkrankung, folgt eine zweistündige Reinigung. „Alle Wände werden bis auf eine Höhe von 1,60 Meter mit Desinfektionsmittel abgewaschen“, erklärt Balke beispielhaft die Schlussdesinfektion.

Bislang sei die große Hysterie in Höxter aufgrund des Coronavirus ausgeblieben, sagt Balke und freut sich darüber. „Zwei Patienten waren wegen Atembeschwerden in der Nacht zu uns gekommen.“ Die beiden hätten sich Sorgen gemacht, seien aber ebenfalls nicht in Panik ausgebrochen. „Jeden morgen frage ich zwischen 6 und 7 Uhr alle Krankenhäuser ab, ob ein Corona-Fall aufgetaucht ist“, erklärt er seine derzeitige Arbeitsroutine.

Zurück zum Tagesgeschäft

Bis es tatsächlich so weit ist, gehen die Hygienefachkräfte aber ihrem täglichen Geschäft nach. Dazu gehört unter anderem die Dokumentation der Desinfektionsmittelverbräuche für die Aktion „Saubere Hände“ und die Schulung der Mitarbeiter. Zusätzlich werde die Arbeit der Reinigungsdienste mit „unsichtbaren Zeichen“ überprüft.

An Türgriffen oder Toiletten werden Markierungen angebracht, deren Existenz nach 24 Stunden überprüft wird. Ist das Zeichen noch da, hat die Reinigungskraft nicht akkurat gearbeitet. In OP-Sälen komme eine andere Art der Untersuchung zum Einsatz, so Balke. Mit Abklatschproben wird dort die Sauberkeit geprüft.

„Mindestens einmal im Jahr begehen wir außerdem jede Station und jeden Bereich – in sensiblen Bereichen wie der Intensivstation auch mit dem Gesundheitsamt“, erklärt Matthias Reimers. Das nehme ebenfalls viel Zeit in Anspruch.

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