Krankheit kommt näher: Überall Vorbereitungen auf den Ernstfall im Kreis Höxter
Coronavirus stoppt Schüleraustausch

Kreis Höxter (WB). Das Coronavirus zeigt seine ersten Konsequenzen im Kreis Höxter: Schüler des König-Wilhelm-Gymnasiums können ihren Italienaustausch Mitte März nicht antreten. „Die Fahrt ist nun von Seiten Italiens abgesagt worden“, sagt Schulleiterin Heike Edeler am Donnerstag auf Anfrage.

Freitag, 28.02.2020, 06:39 Uhr
Bei Philippe Potente, Inhaber der City-Apotheke in Bad Driburg und der Malteser-Apotheke in Höxter, gibt es noch Desinfektionsmittel. Das könne sich aber ändern. Für das Produkt gebe es derzeit Lieferengpässe. Foto: Frank Spiegel

Unternehmen und die Verwaltung des Kreises Höxter haben derweil konkrete Strategien und Maßnahmen entwickelt, in Apotheken sind Engpässe bei einigen Produkten zu verzeichnen. Und auch bei der Aschermittwochs-Veranstaltung bei der Verbund-Volksbank war das Coronavirus ein Thema.

Schulen

„Wir haben zum ersten Mal seit Langem wieder einen Italien-Austausch geplant“, sagt KWG-Schulleiterin Heike Edeler mit Bedauern. Einige Schüler müssen aufgrund der Corona-Infektionen in Italien auf eine geplante Fahrt verzichten. Weitere Fahrten nach Spanien, Polen, Tschechien oder Frankreich würden aber nach aktuellem Stand stattfinden.

„Wir gehen ohne Panik damit um“, sagt Edeler im Hinblick auf das Coronavirus. Alle Personen würden auf die Einhaltung der Hygienemaßnahmen hingewiesen. Außerdem sei – unabhängig vom Virus – mit dem Schulträger die Anschaffung von Desinfektionsspendern in Planung.

Das rät das Robert-Koch-Institut

Wie man sich vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus schützen kann, erklärt das Robert-Koch-Institut (RKI) auf seiner Internetseite. Dabei wird ein ähnliches Vorgehen empfohlen wie bei einer Influenza: Regelmäßiges und gründliches Händewaschen kann demnach eine Verbreitung der Erreger verhindern. Darüber hinaus sollte zu Erkrankten ein Abstand von mindestens einem Meter gehalten werden. Beim Husten und Niesen sollte zudem nicht die Hand genutzt werden, sondern stattdessen in ein Einwegtaschentuch oder in die Armbeuge. Das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes ist nach Auskunft des RKI für bereits erkrankte Personen sinnvoll, die sich in der Öffentlichkeit aufhalten, um eine Ansteckung anderer zu vermeiden. „Hingegen gibt es keine hinreichende Evidenz dafür, dass das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes das Risiko einer Ansteckung für eine gesunde Person, die ihn trägt, signifikant verringert“, heißt es auf der Internetseite.

...

Gegen die jährliche Grippewelle ist das Berufskolleg Kreis Höxter bereits seit Jahren vorbereitet, sagt Schulleiter Michael Urhahne. Das kommt der Schule nun zu Gute: „Wir haben in allen öffentlichen Bereichen und an allen Eingängen seit Jahren Spender mit Desinfektionsmittel.“ Im Hinblick auf das Coronavirus würden die Schüler nun noch einmal für die Hygiene sensibilisiert.

„Wir treffen aber keine zusätzlichen Maßnahmen. Auch Fahrten finden wie geplant statt“, sagt Urhahne. Geplant seien im Rahmen des Erasmus-Programms unter anderem Reisen nach Malta. Die Fahrten beginnen nach Auskunft von Urhahne ab März oder April. Die großen Klassenfahrten stünden im Sommer an. „Momentan läuft alles in ruhigen Bahnen.“

Auch an den Schulen der Brede in Brakel hat sich das Kollegium am Mittwoch über Hygienemaßnahmen informieren lassen, berichtet Schulleiter Matthias Koch. Schülern wird erklärt, dass beispielsweise Haltegriffe von Bussen Virenherde sein können. Zusätzlich warte man auf Desinfektionsflaschen, die neben den Waschbecken platziert werden sollen. Es werde „Prophylaxe“ betrieben, so Koch.

Apotheken

Auswirkungen des Coronavirus’ spüren am stärksten die Apotheken im Kreis Höxter. Eginhard Weyl, Inhaber von Wemmels Apotheke in Höxter, verzeichnet eine höhere Nachfrage nach Desinfektionsmitteln. Gesichtsmasken seien ausverkauft. „Viele Menschen informieren sich bei uns und fragen zum Beispiel nach Multivitamin-Tabletten“, erzählt Weyl.

Ein ähnliches Bild zeichnet Philippe Potente, Inhaber der Malteser-Apotheke in Höxter und der City-Apotheke in Bad Driburg. „Seit dem Ausbruch des Coronavirus steigt die Nachfrage nach Desinfektionsmitteln und Mundschutzen. Zurzeit gibt es aber Lieferengpässe.“ Am Donnerstag seien noch beide Artikel verfügbar gewesen, „das ist aber nur eine Momentaufnahme“, so Potente.

Kreisverwaltung

Der Gesundheitsdienst des Kreises Höxter sei auf eine mögliche Verbreitung von Infektionskrankheiten vorbereitet, teilt Silja Polzin, Pressesprecherin des Kreises Höxter, mit. „Hierfür gibt es mit den Krankenhäusern und dem Rettungsdienst des Kreises Höxter abgestimmte Maßnahmepläne, die jederzeit bedarfsgerecht an aktuelle Entwicklungen angepasst werden“, heißt es in einer Mitteilung.

Eine neu gebildete Arbeitsgruppe habe zudem die Entwicklungen im Blick und treffe „in Abstimmung mit den Akteuren des Gesundheitswesens Vorbereitungen“. Informationen zum Coronavirus stellt der Kreis auf seiner Internetseite zur Verfügung. Bei neuen Entwicklungen werden die Informationen aktualisiert.

Krankenhäuser im Kreis

„Unsere vier Krankenhäuser sind gut aufgestellt. Das Personal ist geschult und vorbereitet“, sagte der Geschäftsführer der Katholischen Hospitalvereinigung Christian Jostes beim Volksbank-Aschermittwoch. Man habe vier Intensivstationen. Es gebe Schleusen, Mundschutz und Schutzanzüge.

Auch ein Krisenstab könne eingerichtet werden, so der Geschäftsführer. In Sachen Corona dürfe man aber nicht in Panik verfallen, sondern müsse sich professionell vorbereiten. In den Kliniken der KHWE sei das Personal sensibilisiert worden, ein Ablaufplan für Viruskrankheiten liege bereit. Zudem gebe es Spender zum Desinfizieren der Hände in den Eingangsbereichen.

Unternehmen

Das Unternehmen Arntz-Optibelt hat einen Produktionsstandort in China und spürt deshalb unmittelbar die Konsequenzen des Coronavirus’. „Unsere Produktion in China konnte nach Chinese New Year verspätet, und dann auch nur mit geringerer Kapazität, hochfahren, da die Mitarbeiter aus den Regionen nicht anreisen konnten“, teilt Unternehmenssprecherin Viviane Geisler mit.

„Generell kontrollieren wir derzeit sehr eng unsere Lieferkette und unsere Vormateriallieferanten für alle Produktionsstätten. Durch die Ausweitung der Coronavirus-Fälle auf Europa und in Asien ist aus heutiger Sicht nicht abzusehen, ob es Einschränkungen auf Produktionsseite geben wird.“

Bis auf Weiteres würden deutsche Mitarbeiter, die sonst in China arbeiten, nicht dorthin zurückreisen. „Auch Besuche von Optibelt-Mitarbeitern vor Ort werden derzeit noch gestoppt.“

Auch die Virus-Fälle in Italien betreffen das Unternehmen. So sei die MECSPE, die internationale Messe für Spezialmechanik, verschoben worden. Darüber hinaus würden die Reisen der italienischen Vertriebsmitarbeiter außerhalb ihrer Region eingeschränkt werden.

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