Kontrollen von Abfalltonnen im Kreis Höxter zeigen Wirkung Weniger Plastik im Biomüll

Höxter (WB). Mittwochmorgen, 8 Uhr in einem Wohngebiet in Höxter: Jörg Kraska und Helga Höfig gehen Streife. So früh morgens suchen sie keine Verbrecher – zumindest keine gewalttätigen. Sie sind auf der Suche nach Plastik und anderem Abfall, der nicht in die Biotonne gehört. Knapp 100 Tage sind sie schon im Kreis Höxter unterwegs. Als Strafzettel führen die Abfallkontrolleure gelbe und rote Karten mit sich – die Maßnahme wirkt.

Von Angelina Zander
Bei einer gelben Karte wird die Biotonne abgeholt, sie wirkt wie eine Verwarnung. Der Besitzer wird darauf hingewiesen, dass er in seiner Tonne beispielsweise Plastik oder Glas entsorgt hat. Ist die Karte rot, bleibt die Tonne stehen.
Bei einer gelben Karte wird die Biotonne abgeholt, sie wirkt wie eine Verwarnung. Der Besitzer wird darauf hingewiesen, dass er in seiner Tonne beispielsweise Plastik oder Glas entsorgt hat. Ist die Karte rot, bleibt die Tonne stehen. Foto: Angelina Zander

„Das ist der saubere Klassiker“, sagt Jörg Kraska, während er einen zufriedenen Blick in eine Biotonne am Straßenrand wirft. Hier hat ein Haushalt auf Papiertüten gesetzt. „Perfekt“, lautet das Urteil seiner Kollegin an der nächsten Tonne. Seit fünf Uhr morgens sind die beiden Kontrolleure unterwegs. „Bisher haben wir nur zwei gelbe Karten verteilt, einmal wegen einer Plastiktüte und einmal wegen einer Dose.“ Bis neun Uhr werden noch drei weitere Karten hinzukommen.

Währenddessen entdeckt Jörg Kraska eine Restmülltonne, deren Deckel umgeklappt ist. „So sahen die Biotonnen früher auch aus“, sagt er und deutet auf zahlreiche Plastiktüten. „Es sind Fortschritte erkennbar. Man merkt, dass auf Papiertüten umgestiegen wird.“ „Die Qualität des Mülls hat sich deutlich verbessert“, lautet das Fazit von Nicolas Witschorek, Abfallberater des Kreises Höxter.

Funde in App dokumentiert

Doch auch bei diesem Rundgang stoßen die Kontrolleure auf Plastiktüten, Medikamentenverpackungen, Textilien oder Glas in den Biotonnen. Jörg Kraska zückt sein Handy, öffnet eine App und fotografiert den Inhalt der Tonne sowie den Barcode. Gleichzeitig dokumentiert er, dass an dieser Tonne eine gelbe Karte angebracht worden ist. Die Karte wird zeitgleich von seiner Kollegin Helga Höfig beschrieben. Sie kreuzt das Feld „Plastikabfälle“ an, schreibt eine Uhrzeit und eine Bemerkung auf die Karte.

Jörg Kraska und Helga Höfig sind für die Kontrolle der Wertstoff- und Biotonnen im Kreis Höxter zuständig. Foto: Angelina Zander

Fällt diese Tonne bei einer weiteren Kontrolle negativ auf, wird das über die App erfasst und es gibt eine rote Karte. Ist anschließend immer noch keine Verbesserung zu sehen, werden die Betroffenen vom Kreis Höxter angeschrieben. Es sei aber nicht das Ziel, um jeden Preis rote Karten zu verteilen, betont Hubertus Abraham von der Abteilung Umweltschutz und Abfallwirtschaft des Kreises Höxter. Die Leute sollten nur sensibel werden für die korrekte Mülltrennung.

Private Kompostanlagen

Die gelben und roten Karten bringen die Abfallkontrolleure an Bio- und Wertstofftonnen im Kreis Höxter an. Dabei weisen sie Schwerpunktgebiete aus, in denen besonders intensiv kontrolliert wird. „Keine Straße wird vergessen.“ Auch die Papiertonnen sollen bald dazukommen, stellen laut Abraham aber kein großes Problem dar.

Insgesamt haben die Kontrolleure acht Stunden am Tag Zeit, um gelbe und grüne Tonnen unter die Lupe zu nehmen. Dabei müssen sie immer etwas schneller sein als der nahende Müllwagen.

Ein Drittel ihrer Zeit investieren sie aber in die Kontrolle privater Kompostanlagen. Besitzer, die sich von der Biomülltonne haben befreien lassen, werden angeschrieben und informiert, dass der Kreis Höxter ihre Anlage auf Ordnungsmäßigkeit überprüfen will. „Einige wollen dann schon direkt eine Biotonne bestellen. Dann wissen wir, dass sie in der Vergangenheit nicht wirklich kompostiert haben“, sagt Abraham. „Äste und Laub bilden noch keinen Komposthaufen“, ergänzt Witschorek.

Kontrollen laufen 2 Jahre

Die Kontrollen sind auf zwei Jahre angelegt, berichtet Abraham. Früher sei „ohne Ende Plastik“ in den Biotonnen zu finden gewesen. „In 100 Tagen Kontrolle haben wir 1500 Karten ausgegeben“, so Abraham. Acht Prozent der roten Karten entfielen auf Wertstofftonnen, 17 Prozent auf Biotonnen.

Nicolas Witschorek (links) und Hubertus Abraham vom Kreis Höxter können auf dem PC sehen, wo Karten ausgegeben wurden. Foto: Angelina Zander

Bei besonders schwerwiegenden Funden werde auch statt einer gelben sofort die rote Karte gezückt. „Früher wurden in diesem Bereich 15 Prozent Karten verteilt, jetzt sind es zwei Prozent“, sagt Abraham bezüglich eines Bereichs in Höxter.

Es sei ein Lerneffekt erkennbar, der auch vom Kompostwerk Nieheim bestätigt werde. Standortleiter Markus Gröne sagt auf Anfrage aber: „Wir sind trotzdem noch nicht da, wo wir hin wollen.“ Die Lkw-Ladungen aus dem Kreis Höxter werden im Kompostwerk ebenfalls in der App dokumentiert, die auch die Kontrolleure nutzen. So könne aufgezeigt werden, in welchem Bereich noch besonderer Optimierungsbedarf bestehe, erklärt er.

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