Kommentar zur Christusnachfolge in säkularem Umfeld Mitgestalten statt austreten

Von Sabine Robrecht

Formate wie die Lightroom-Gottesdienste im Pastoralverbund Corvey, zuletzt gefeiert in der Pfarrkirche St. Peter und Paul in Höxter (Foto), finden viel Resonanz.
Formate wie die Lightroom-Gottesdienste im Pastoralverbund Corvey, zuletzt gefeiert in der Pfarrkirche St. Peter und Paul in Höxter (Foto), finden viel Resonanz. Foto: Sabine Robrecht

Die Flamme der Christusnachfolge weiterzureichen, wird nicht leichter. Die Zeit der Volkskirchen ist in Deutschland vorbei. In beiden großen christlichen Konfessionen schwindet die kirchliche Bindung der Menschen.

Vor diesem Hintergrund beißen all jene, die ihre Mitmenschen für den Glauben und ihre Kirche gewinnen wollen, oft auf Granit. Gleichgültigkeit, aber auch schroffe Ablehnung schlägt ihnen entgegen. Neben dem gesellschaftlichen Trend hin zum Relativismus kommt bei der Katholischen Kirche die Glaubwürdigkeitskrise erschwerend hinzu. Viele Menschen kehren ihr den Rücken, bekennen sich aber trotzdem zum Gottesglauben, den sie meinen, auch privat – für sich allein und ohne die Kirche – pflegen zu können.

Kirche ist mehr als eine Institution

Ist diese Kirche, so fehlbar sie sich in ihren Machtstrukturen auch zeigt, denn wirklich verzichtbar? Auf keinen Fall. Glaube braucht Gemeinschaft. Und die Kirche bildet den Rahmen für diese Gemeinschaft. Kirche ist mehr als eine Institution. Sie ist ein Leib mit vielen Gliedern. Und diese Glieder sind wir alle.

Im Bewusstsein dessen kann von der Basis aus Kirche neu wachsen. Für diesen Neuanfang sind die Zeichen der Zeit günstig. Denn Krisen sind immer auch eine Chance. Daher ist es jetzt an der Zeit, mitzugestalten statt auszutreten. Und einen langen Atem zu haben, auch wenn so zentrale Anliegen wie die Geschlechtergerechtigkeit nicht von heute auf morgen umsetzbar sind. Gottes Mühlen mahlen langsam, heißt eine alte Redewendung. Kann das aber ein Grund sein, aufzugeben? Nein. Dafür gibt es zu viel Gutes in der Kirche und ihren Gemeinden. Und zu viel Veränderungspotenzial, das vor Ort auch kurzfristig umsetzbar ist und der gemeinsamen Sache dient. Den Laien, die mit der Taufe zur Verkündigung der frohen Botschaft berufen sind, eröffnen sich viele Gestaltungsspielräume.

Ansgar als Vorbild

Wie es gelingen kann, Menschen für Christus und die Kirche zu gewinnen, ist Thema der ökumenischen Ansgar-Vesper am 9. Februar in Corvey. Die Festansprache hält Schwester Ruth Stengel , die mit Leidenschaft, Esprit und Glaubenstiefe auf die Menschen zugeht und in Corvey Impulse geben wird.

In den Blick genommen wird der heilige Ansgar. Von Corvey aus zog er aus, um die Menschen für den christlichen Glauben zu gewinnen. Als erster Erzbischof von Hamburg und Missionsbischof für Skandinavien schrieb er Kirchengeschichte.

Missionieren durch Vorleben

Die Begleitumstände seines Wirkens waren widriger als heute. Ansgars Weg war steinig. Vor diesem Hintergrund sollten wir nicht kapitulieren, sondern am Ball bleiben. Das geht nicht mit direkter Ansprache, sondern dezenter – durch Vorleben. Wer aus dem Glauben heraus etwas für andere tut, erregt Aufmerksamkeit. Nicht unter den Scheffel stellen sollten wir unser Bekenntnis zu Christus. Klare Standpunkte erzeugen vielleicht Gegenwind, aber sie beeindrucken in Zeiten allgemeiner Gleichgültigkeit.

Ein ganz entscheidender Ort zur Weitergabe des Glaubens ist die Familie – die Keimzelle der Gesellschaft und des Gottesvolks. Kirche muss jungen Eltern für die Glaubenserziehung ihrer Kinder den Rücken stärken. Denn: Kinder, die im Glauben aufwachsen, haben einen inneren Kompass und sind gewappnet für ein bewusstes „Ja“ zu Christus, das sie zum Mittun aus innerer Überzeugung beflügelt.

Jugend ist die Zukunft

Die Kinder und Jugendlichen sind die Zukunft der Kirche. Sie möchten zeitgemäß abgeholt werden – auch in den Gottesdienstformen – und gemeinsame Erfahrungen auf der Suche nach Sinn und dem Weg des Glaubens machen. Gleichzeitig gilt es aber auch, die Älteren nicht aus dem Blick zu verlieren, die jahrzehntelang die Gemeinden geprägt und im Sinne Jesu viel Gutes für andere Menschen getan haben.

Die Herausforderungen sind immens. Und das alles in Zeiten des Priestermangels. Jegliche Mühe lohnt sich aber. Die friedensbringende Botschaft Christi ist alle Anstrengungen wert. Denn sie weckt Achtsamkeit und Mitmenschlichkeit und mithin Tugenden, die der Talfahrt des Gemeinwesens hin zur Ellenbogengesellschaft Einhalt gebieten.

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