EU-Kommission zieht Abschaffung in Betracht – eine Umfrage Cent-Stücke – Fluch oder Segen?

Höxter (WB). Ein Brötchen für 34 Cent, eine Tüte Gummibärchen für 99 Cent oder ein Kaffee für 1,49 Euro: Mit krummen Preisen wie diesen könnte bald Schluss sein. Die EU-Kommission hatte Anfang der Woche die Abschaffung der Ein- und Zwei-Cent-Stücke in Erwägung gezogen, wie aus einem Arbeitspapier hervorging.

Von Lisa-Marie Gobrecht, Vivien Ortmann und Angelina Zander
Für manche wäre es eine Erleichterung für den Geldbeutel, für andere der Anfang vom Ende für die Bargeld-Ära: Die EU-Kommission will die Nutzung von Ein- und Zwei-Cent-Münzen auf den Prüfstand stellen – und eventuell Rundungsregeln einführen.
Für manche wäre es eine Erleichterung für den Geldbeutel, für andere der Anfang vom Ende für die Bargeld-Ära: Die EU-Kommission will die Nutzung von Ein- und Zwei-Cent-Münzen auf den Prüfstand stellen – und eventuell Rundungsregeln einführen. Foto: dpa

Mitte der Woche hatte sie ihre Position hingegen geändert: „In der am Mittwoch veröffentlichten Endfassung ist nur noch die Rede von einer ‚Evaluation der Nutzung von Ein- und Zwei-Cent-Münzen‘ mit der ‚Möglichkeit, gemeinsame Rundungsregeln einzuführen‘, heißt es in einem Bericht der Deutschen Presseagentur.

Bei Politikern und Bürgern sorgen Nachrichten wie diese für geteilte Meinungen. Bundesfinanzminister Scholz stellte sich ebenso auf die Seite der kleinen Münzen wie CSU-Generalsekretär Markus Blume. Auch in Höxter gibt es zwei Lager.

Händler haben täglich mit den Cent-Stücken zu tun

Zu den Befürwortern der geplanten Rundungsregeln und einer damit verbundenen möglichen Abschaffung der kleinen Cent-Münzen gehört Marktbeschicker Tilo Sauter (35). Der selbstständige Fischverkäufer aus Detmold ist auf dem Höxteraner Wochenmarkt anzutreffen und hat regelmäßig mit dem Kleingeld zu tun. Für ihn seien die Münzen eine große Last, erklärt er: „Das ganze Kleingeld ist einfach nur noch nervig.“ Zudem seien seiner Meinung nach die Wechselgebühren bei der Bank zu hoch. ,,Da sind die Gebühren höher als das Geld wert ist.“

Auch Bäcker haben täglich mit Cent-Beträgen zu tun. Manuela Beckmann, Bäckereifachverkäuferin bei Westbomke, sagt: „Ich denke, dass die Abschaffung sinnvoll ist, sie dennoch wahrscheinlich nicht in Kraft treten wird.“ Dies führe sie vor allem darauf zurück, dass gerade Ältere lieber mit Kleingeld bezahlten. Aus ihrer Erfahrung weiß sie jedoch, dass entweder mit großen Scheinen oder aber mit Karte gezahlt werde. Die Summe der Ein- und Zwei-Cent-Münzen belaufe sich am Ende des Tages auf 50 Cent bis ein Euro – ein großer Zähl-Aufwand.

Im Naturkostladen „Ebby Christoph“ in der Grubestraße wird nach Auskunft von Inhaber Benjamin Christoph Wert darauf gelegt, dass nicht mit Karte bezahlt werde. Auch er hält eine Abschaffung der Cent-Münzen für sinnvoll. ,,Das Fach mit den Ein- bis Fünf-Cent-Münzen läuft über“, sagt er. Die Kunden zahlten auch hier weniger mit Kleingeld, sondern eher mit Scheinen.

Regelung zur Rundung der Preise

Doch unter den Händlern regt sich auch Widerstand gegen die Pläne der EU-Kommission. Für Willi Brüggemann (58), Fischfeinkosthändler aus Uslar kommt eine Abschaffung der kleinen Münzen eigentlich nicht in Frage. Er räumt jedoch ein: „Einerseits sind die kleinen Stücke manchmal gut zu gebrauchen, andererseits ist es manchmal nervig und das Portemonnaie füllt sich nur mit Kleingeld“.

Noch ist die Entscheidung für oder gegen die Münzen nicht getroffen. Mit einer Abschaffung wäre auch eine Regelung zur Rundung verbunden, die einheitlich gestaltet werden müsse, sagte Kommissionsvize Maros Sefcovic in Brüssel.

Deutschland wäre nicht das erste Land, das sich von den Münzen trennt. In Finnland, Belgien und den Niederlanden gibt es bereits Rundungsregeln.

Umfrageergebnisse

Aber nicht nur die Händler wären von einer Abschaffung der kleinen Münzen betroffen. Auch in den Portemonnaies vieler Einkäufer würde sich etwas ändern. Vivien Ortmann und Lisa-Marie Gobrecht, Praktikantinnen in der Lokalredaktion Höxter des WESTFALEN-BLATTES, haben sich deshalb in der Fußgängerzone in Höxter umgehört und gefragt: „Finden Sie, dass die erwägte Abschaffung der Ein- und Zwei-Cent-Münzen sinnvoll ist?“

Elisabeth Hagedorn (68), Rentnerin aus Marienmünster: „Ohne das ganze Kleingeld wäre das Portemonnaie viel leichter. Zudem gäbe es runde Preise, was meiner Meinung nach ein Vorteil wäre.“

Christoph Heger (38), Lehrer aus Bosseborn: „Man sollte die Preise so anpassen, so dass man die Centstücke nicht mehr bräuchte. Außerdem zahlen jetzt schon mehr Leute mit der Kreditkarte. Also wäre ich für eine Abschaffung.“

Sofia Koulouris (15), Schülerin aus Höxter: „Da die Münzen zu teuer in der Herstellung und zu umständlich in der Handhabung sind, bin ich für die Abschaffung Ein- und Zwei-Cent-Münzen.“

Horst Kluge (80), ehemaliger Diplomingenieur aus Höxter: „Es wäre katastrophal, da es den Anfang der Bargeldabschaffung einleiten würde.“

Angelika Spilker (66), Altenpflegerin aus Höxter: „Kleingeld nimmt Platz im Portemonnaie weg und macht es schwerer. Deswegen finde ich die Abschaffung der kupferfarbenen Münzen gut.“

Ole Meier (16), Schüler aus Brenkhausen: „Eigentlich ist mir die Abschaffung der Ein- und Zwei-Cent-Münzen egal. Was dafür spricht, ist, dass das Portemonnaie mehr Volumen hätte.“

Bärbel Gobrecht (70), Rentnerin aus Höxter: „Meine Meinung dazu ist da sehr konservativ. Zwar gibt es in einigen Länder der EU kein Klein- oder Bargeld mehr, aber ich finde, dass das in Deutschland nicht angebracht wäre.“

Bernd Schackers (55) Landschaftsarchitekt aus Höxter: „Vermissen würde ich die Cent-Münzen auf jeden Fall nicht. Einerseits hätte man mehr Platz im Portemonnaie und es wäre auch besser mit dem Wechselgeld. Wenn es zu einer Erhöhung der Preise kommen würde, wäre ich auch bereit, mehr zu zahlen.“

Erika Nienhaus (69), Rentnerin aus Holzminden: „Meiner Meinung nach würden Geschäftsführer diese Situation ausnutzen und die Preise erhöhen. Dennoch könnte ich auf das Kleingeld verzichten.“

Dr. Jürgen Nienhaus (68), Rentner aus Holzminden: „Ich könnte auf die Centstücke verzichten. Zwar müssten die Preise angepasst werden, aber es gäbe nicht mehr so viel Wechselgeld.“

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