Höxteraner Autor untermauert seine Forderung nach Umbenennung des Walls – CDU will Hinweistafeln
Nicolai statt Hindenburg

Höxter (WB/thö). Der Höxteraner Buchautor Ernst Würzburger erneuert seine Forderung nach Umbenennung des Hindenburgwalls in Höxter. Er kritisiert, dass die Politik das Thema bislang nicht aufgegriffen hat. Weil er nicht länger warten will, hat sich Würzburger mit einer schriftlichen Anregung direkt an die Ratsmitglieder der Kreisstadt gewendet.

Freitag, 03.01.2020, 06:05 Uhr aktualisiert: 03.01.2020, 06:10 Uhr
Hindernis Hindenburgwall: Ernst Würzburger fordert vom Stadtrat die Umbenennung. Foto: M. Robrecht/WB-Archiv

Vor gut einem dreiviertel Jahr hatte sich Würzburger mit dem Thema befasst und in einem VHS-Vortrag deutlich gemacht, warum er eine nach Hindenburg benannte Straße für unpassend hält. Der zweite Reichspräsident der Weimarer Republik sei nicht nur der „Steigbügelhalter“ von Hitler gewesen, er habe ihm im Juli 1934 für 200-fachen politischen Mord („Röhmputsch“) sogar „tief empfundenen Dank und aufrichtige Anerkennung“ ausgesprochen.

Nur ein Haus

Würzburger schlägt die Umbenennung in Nicolaiwall vor. So habe der Abschnitt der ehemaligen Stadtbefestigung schon im 19. Jahrhundert geheißen und sie sei analog zum heute noch bestehenden Petriwall auch logisch und sinnvoll. Das einzige Haus am Hindenburgwall soll nach Würzburgers Vorstellung künftig in die Luisenstraße eingegliedert werden, weil es ohnehin seit mehr als zehn Jahren von dort erschlossen werde. Damit könne auch das blaue Straßenschild Hindenburgwall an der Stadthalle ersatzlos entfernt werden.

Weitere Umbenennungen gefordert

Zugleich fordert Ernst Würzburger die Umbennung der Hindenburgstraße in Ottbergen sowie neue Namen für die Agnes-Miegel-Straße in Höxter und die Löns-Straßen in Lüchtringen und Höxter. Kritik übt Würzburger daran, dass ein Beschluss des Höxteraner Ortsausschusses zur Umbenennung der Sohnrey-Straße von 2012 noch nicht umgesetzt wurde. Sohnrey sei „ideologischer Anhänger des Nationalsozialismus“ gewesen. In Boffzen sei die Sohnrey-Schule in Grundschule am Sollingtor umbenannt worden.

CDU will Hinweistafeln

Würzburgers Anregung wird voraussichtlich am 30. Januar im Stadtrat beraten – ebenso ein Antrag der CDU-Fraktion, der allerdings keine Umbennennung vorsieht. Die Christdemokraten möchten Hinweistafeln, die das Leben und Wirken Hindenburgs erläutern und so die Rolle Hindenburgs den Bürgern vor Augen führen. CDU-Fraktionsvize Karin Wittrock schlägt darüber hinaus einen QR-Code am Straßenschild vor. Auch solle in den Schulen Aufklärungsarbeit geleistet werden. Die Schilder abzunehmen, sei nicht der richtige Weg.

Kommentare

Gisela Reviol  wrote: 05.01.2020 16:53
ich kann dem Kommentar von Herrn Hoffmann voll und ganz zustimmen. Wenn ich nicht schon wüsste, was für die CDU der "richtige Weg" ist...... Ich danke Herrn Würzburger für sein Engagement
Herrmann Hoffmann  wrote: 03.01.2020 10:44
Straßenbenennung ist Wertschätzung
Man muss davon ausgehen, dass eine Straßenbenennung eine besondere Form der persönlichen Ehrung durch die Stadt ist, vielleicht sogar die höchste. Deshalb geht auch im Fall Hindenburg kein Weg an einer Umbenennung der Wallanlage vorbei. Oder will man weiter Hindenburgs Verdienste zur Etablierung des Nationalsozialismus würdigen, in dessen Folge Millionen Menschen umgebracht wurden? Macht sich auch nicht gut bei einer Landesgartenschau.

Ergänzende Schilder zur Geschichte der Straßen(um-)benennung kann man auch so ergänzend installieren.
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