Ellen Waldeyer berichtet vom Jahreswechsel in Sydney – Auslandsjahr mit Yvonne Potthast in Australien
Mutters Geschenk wochenlang im Rucksack mitgetragen

Sydney/Höxter/Frohnhausen (WB). Immer mehr Jugendliche beschließen, nach dem Abitur ein Auslandsjahr einzulegen, bevor sie mit einer Ausbildung oder dem Studium in das Arbeitsleben starten. Ob ein „Au-Pair“-Aufenthalt, eine Sprachreise, Studieren im Ausland oder „Work and Travel“: Es gibt zahlreiche Möglichkeiten für junge Menschen, die Welt zu bereisen. WESTFALEN-BLATT-Mitarbeiterin Ellen Waldeyer aus Frohnhausen ist seit dem Frühherbst in Australien unterwegs. Zum Jahreswechsel schreibt die Brakeler Brede-Abiturientin, wie sie die Weihnachtstage verbracht hat und wie sie Silvester feiert.

Dienstag, 31.12.2019, 09:50 Uhr aktualisiert: 31.12.2019, 11:18 Uhr
Ellen Waldeyer (links) und Yvonne Potthast vor dem weltbekannten Opernhaus von Sydney. Dort gibt es bei warmen Temperaturen in der Silvesternacht ein großes Feuerwerk. 1959 bis 1973 dauerte der Bau des Gebäudes, das der dänische Architekt Jørn Utzon entworfen hat.

„Work and Travel“

Meine Freundin Yvonne Potthast (19) und ich (18) entschlossen uns auch zu solch einem Auslandsaufenthalt, um unsere Sprachkenntnisse zu verbessern, Erfahrungen zu gewinnen und einen ganz anderen Teil der Welt zu erkunden. „Work and Travel“ schien ein passendes Programm für uns zu sein, da man sich seine eigene Reise durch Arbeiten im Zielland finanzieren kann.

Uns beide zog es im Oktober in das 16.000 Kilometer entfernte Australien. Etwa 24 Flugstunden ist der rote Kontinent von Deutschland entfernt, so dass es Geld- und Zeitverschwendung wäre, den Auslandsaufenthalt für das Weihnachtsfest mit der eigenen Familie zu unterbrechen.

Weihnachten bei 40 Grad

Wir mussten uns also etwas überlegen, wie wir Weihnachten verbringen wollten und uns darauf einstellen, dass dieses Weihnachtsfest nicht mit den vorherigen vergleichbar sein würde. Dabei kam in den vergangenen Wochen keinerlei Weihnachtsstimmung auf.

Als wir noch zwei Monate in Melbourne als Kellnerinnen arbeiteten, hörten wir zwar häufig Weihnachtslieder und kochten uns mit anderen Backpackern unseren eigenen Glühwein, doch bei nahezu 40 Grad Celsius hatten diese Dinge nicht die selbe Wirkung wie zu Hause. Wir besuchten auch Weihnachtsmärkte in Melbourne und Sydney, die allerdings nicht ansatzweise mit deutschen vergleichbar waren. Glühwein gab es in Australien nicht und Weihnachtsplätzchen schienen die Australier auch nicht so zu lieben wie wir Deutschen.

Immerhin bot die Fünf-Millionen-Stadt Stadt Sydney ein kostenloses Freiluftkino am Darling Harbour an, wo man Weihnachtsfilme schauen und gratis Popcorn genießen konnte. Solches „Public Viewing“ kennen wir aus Deutschland eher für die Fußballweltmeisterschaft und nicht für Filme wie „Eine Weihnachtsgeschichte“ von Charles Dickens. Das war der erste Moment, in dem man sich Weihnachten etwas näher fühlte.

In unserem Hostel in Melbourne lernten wir drei Deutsche aus Oldenburg und Stuttgart kennen und entschieden, zusammen ein AirBnB – das sind Unterkünfte, die Privatpersonen gehören, die sie kurzzeitig vermieten – zu buchen und Weihnachten in einer etwas privateren Atmosphäre als in einer riesigen Jugendherberge (Hostel) zu feiern.

Wir freuten uns sehr, endlich in ein Appartement einzuziehen und unsere Freunde, die zuvor einen Roadtrip von Melbourne nach Sydney unternommen hatten, wiederzusehen. Immerhin waren wir mittlerweile nur noch Stockbetten, teilweise dreckige Küchen und Gemeinschaftsbäder gewohnt.

Da wir alle Deutsche sind, feierten wir unser Weihnachtsfest am 24. Dezember statt am 25., wie es australische Tradition ist. Unser eigentlicher Plan war, den Nachmittag an einem australischen Strand zu verbringen und es uns abends gemütlich zu machen. Aufgrund des Regens blieben wir doch den gesamten Tag in der Wohnung, backten Plätzchen, sangen (ein Freund hatte glücklicherweise eine Gitarre in Australien gekauft) und kochten uns ein leckeres Abendessen.

Messe in Kathedrale

Im Anschluss an das Essen überreichten wir uns Wichtelgeschenke, die wir unter einem Kaktus verstauten, den wir mit einer Lichterkette und Papierkugeln verzierten. Yvonne und ich hatten sogar ein Präsent aus Deutschland dabei: Ihre Mutter hatte uns bereits im Oktober vor dem Abflug ein Geschenk mitgegeben, das meine Freundin auf dem ganzen Weg durch Australien immer im Rucksack trug.

Ich selbst erhielt eine Videobotschaft, in der mir Freunde und Verwandte ein frohes Fest wünschten. Wir schauten Heiligabend einen Weihnachtsfilm und besuchten um 24 Uhr die Christmette in der Kathedrale in Sydney. Ein unvergessliches Weihnachtsfest in der Fremde.

Happy New Year aus Sydney

An Silvester in Sydney zu übernachten, ist nahezu unbezahlbar, weil Hostels und Hotels oft den fünffachen Preis verlangen. Ellen Waldeyer und ihre Freunde leben über den Jahreswechsel bei einer entfernten Verwandten von Ellen und fahren mit dem Zug die 50 Kilometer in die Stadt, um Silvester das gigantische Feuerwerk an der Oper in Sydney zu erleben und um – nach Neuseeland – als erster Kontinent in die zwanziger Jahre zu starten. „Um das Feuerwerk zu sehen, muss man allerdings viel Geduld mitbringen. Häufig kostet gute Sicht Eintritt, und besonders die kostenlosen Parks sind überfüllt“, berichtet Ellen Waldeyer. „Morgens ab acht oder neun Uhr öffnen die Parks, und um diese Zeit sollte man sich bereits seinen Platz für das Feuerwerk um Mitternacht sichern.“

In Australien sind private Feuerwerke verboten, weshalb sich umso mehr Menschen in der Stadt tummeln, um das weltberühmte Feuerwerk über der Harbour Bridge und dem Opera House anzusehen. „Auf unserer zweimonatigen Reise haben wir schon so viele Menschen kennengelernt, die uns ans Herz wuchsen, dass wir Silvester zwar nicht auf teuren Partys oder den exklusivsten Plätzen, dafür aber mit wundervollen Leuten verbringen können“, berichtet Ellen Waldeyer.

Im April 2020 wird sie wieder in die Heimat fliegen: „Wir wollen bis dahin noch für einige Wochen auf einer Farm außerhalb der großen Städte arbeiten, falls das trotz der Buschfeuer möglich ist. Ab Mitte Februar werden wir die australische Ostküste bereisen. Bisher haben wir die Zeit in Melbourne und Sydney verbracht. Da wir ohne Auto unterwegs sind, konnten wir nur die nähere Umgebung wie die Great Ocean Road, eine der längsten Küstenstraßen der Welt, Victoria oder den Bondi Beach bei Sydney sehen“, berichtet die 18-Jährige. Auf dem Plan bis April stehen noch per Busreise einige Nationalparks, die längsten Strände der Welt sowie die Städte Brisbane, Cairns und das Tauchen am Great Barrier Reef.

„Allen Lesererinnen und Lesern, Freunden, Bekannten und Familien in der Heimat wünschen wir „Happy New Year aus Australien“.

Feuerwerk trotz der Buschbrände

Die verheerenden Buschbrände in Australien haben sich seit Weihnachten ausgeweitet, die Brandgefahr soll bei enorm heißem Wetter um den Jahreswechsel 2019/20 weiter steigen. Ungeachtet dessen hat die Stadtverwaltung der australischen Millionenstadt Sydney erneut ihre Entscheidung bekräftigt, auch 2020 mit einem riesigen Feuerwerk einzuläuten. Zehntausende Besucher hätten bereits Flüge und Hotels gebucht, um den Jahreswechsel in Sydney zu verbringen. Die Vorbereitungen für das Feuerwerk hätten bereits vor 15 Monaten begonnen, das Geld dafür sei ausgegeben und eine Absage würde „schweren Schaden“ zufügen, so die Stadt.

 

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