Höxter: Kunststoffspezialist Wentus in Höxter setzt auf immer dünnere Folien Wie eine zweite Haut

Höxter (WB). Ein pfiffiger Gärtner aus Höxter hat vor 54 Jahren einen „Verpackungstrichter“ (Folienschlauch) in der Garage entworfen, um seine Blumen auf Märkten ansprechender zu präsentieren. Aus dem zarten unternehmerischen Pflänzchen und der ersten Folienherstellung in den 60er-Jahren per Extruder entstand das weltweit agierende Unternehmen Wentus.

Von Harald Iding
Unter strengen Auflagen werden in Höxter von der Firma Wentus im Blasfolienverfahren Verpackungslösungen hergestellt. Hochqualifizierte Mitarbeiter bedienen die Maschinen.
Unter strengen Auflagen werden in Höxter von der Firma Wentus im Blasfolienverfahren Verpackungslösungen hergestellt. Hochqualifizierte Mitarbeiter bedienen die Maschinen. Foto: Iding

Damals wollte der technikaffine Gärtner Hans-Jürgen Schrader, der sich schnell zum Verpackungsexperten mauserte und aufgrund des Erfolges im neuen Arbeitsfeld immer mehr Mitarbeiter einstellte, vor allem Blumen und Pflanzen schützen sowie haltbarer machen – aus ­Respekt vor der Natur.

Diese Wentus-typische DNA findet sich auch im 21. Jahrhundert in den Produktions- und Entwicklungsebenen wieder: zum Beispiel bei den biologisch abbaubaren Folien, mit dem sich Wentus bereits seit 1992 beschäftigt. Damals gehörten die Höxteraner zu den ersten Betrieben, die diesen ökologischen Ansatz verfolgten.

Melanie Zurmöhle von der Marketing-Abteilung: „Das Thema Nachhaltigkeit ist bei uns bereits in der Produktentwicklung von großer Bedeutung.“ Durch den Einsatz nachwachsender Rohstoffe bei den kompostierbaren Bio­folien bietet das Unternehmen eine Alternative zu den herkömmlichen Folien. Das Team in Höxter mit seinen 300 Mitarbeitern – darunter zwölf Auszubildende – liefert praktische Lösungen für Wurst, Fisch, Haushaltshelfer, Hygiene, Fleisch, Käse oder auch Cerealien. Wer heute in den Supermärkten der Region ins Regal greift, hat oft Folien „Made in Höxter“ in der Hand. Nach mehreren Expansionen und unterschiedlichen Standorten in der Weserstadt erfolgte 1982 der Umzug in die Eugen-Diesel-Straße – dem aktuellen Firmensitz. Seit 1996 ist Wentus ein Tochterunternehmen der Clondalkin Group mit Sitz in Utrecht, die einen Jahresumsatz von 310 Millionen Euro hat, in 45 Ländern operiert und mehr als 1000 Mitarbeiter beschäftigt. „Wir agieren hier in Höxter jedoch strategisch eigenständig und wirtschaftlich eigenverantwortlich. Ein Vorteil sind die kurzen Entscheidungswege“, so Vertriebsleiter Burkhard Meyer. Man habe zwar eine klare mittelständische Prägung, sei aber getragen von einer starken Gruppe. Wentus hat zuletzt die Außendienstmannschaft deutlich vergrößert und kann nun vor Ort Kunden – von Australien, Amerika bis China – beliefern. Die Firma stellt auf 36.000 Quadratmetern keine Transportverpackung her. Der Schwerpunkt liegt vielmehr bei Detaillösungen für den Konsum-Verbraucher.

Um mit den Anforderungen des internationalen Marktes Schritt halten zu können, müsse kontinuierlich in innovative Produktionstechnologien investiert werden. „Wir haben erst in diesem Jahr eine neue Maschine für mehr als drei Millionen Euro installiert“, betont Sprecherin Melanie Zurmöhle. Man müsse immer einen Schritt weiter sein, um schnell reagieren zu können.

Der neueste Trend sei die „zweite Haut“. Statt ein Stück Steak in eine viel zu große Kunststoffverpackung zu legen, nutzt man die Kooperation mit anderen Partnern und schafft es, auf ein Stück Pappe das Lebensmittel mittels einer sehr dünnen wie strapazierfähigen „zweiten Haut“ eng, flach und sicher zu umschließen.

Der Folienanteil sinke deutlich und der Transport werde erleichtert. Sortenreinheit beim Kunststoff sei ein weiterer Ansatz bei Wentus, um die Umwelt weniger zu belasten – und eine höhere Wertschöpfung beim Upcycling zu erreichen.

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