Nieheimer Stadtwald: Schäden sorgen für Minus in der Kasse „Aufforstung mit Augenmaß“

Nieheim (WB). Dem Wald geht es schlecht, sehr schlecht sogar. Und das hat gravierende Auswirkungen auch auf die Einnahmenseite der Kommunen, wie der Bericht von Matthias Berndt, dem neuen Fachgebietsleiter Privat- und Kommunalwald beim Regionalforstamt Hochstift und Nachfolger von Martin Wagemann, im Haupt- und Finanzausschuss Nieheim deutlich machte. Mit dem Wald ist kein Geld mehr zu machen. Die Kommune muss künftig mit Verlusten rechnen.

Von Heinz Wilfert
Symbolfoto.
Symbolfoto. Foto: dpa

Ausführlich beleuchtete Berndt die Hintergründe. Der Sturm „Friederike“ und der heiße Sommer 2018 haben dem Wald schwer zugesetzt, auch dem 384 Hektar großen Nieheimer Stadtwald.

Alleine im Hochstift wurden 600.000 Festmeter Holz, vor allem Fichte, umgelegt und riesige Flächen zerstört. Dazu führten aber nicht nur der Sturm und die Hitze gepaart mit extremer Trockenheit. Was Klimastress und Extremwetter nicht schafften, erledigte der Borkenkäfer, der sich rasant ausbreiten konnte. Der Förster: „90 Prozent haben infolge des milden Winters überlebt.“ Die Bilanz von 2018 und 2019 verzeichnet für den Stadtwald eine Holz-Kalamitätsmenge von 2200 Kubikmeter^n durch Sturmschäden und 12.200 Kubikmeter durch den Borkenkäfer. Der jüngste Waldschadensbericht bestätigt die dramatische Situation in Nordrhein-Westfalen. Nach dem Bericht sind nur noch 20 Prozent der Bäume vital und weisen eine gesunde Krone auf.

Nach dem vorläufigen Ergebnis des betrieblichen Geschehens führte das 2018 für Nieheim zu einem Verlust von 16.287 Euro.

Ein Jahr zuvor hatte es noch einen Gewinn von 78.500 Euro gegeben. Während die Fichte 2017 noch 95 Euro pro Festmeter einbrachte, waren 2019 nur noch Erlöse zwischen 45 und 55 Euro je Festmeter zu erzielen, für mindere D-Qualität sogar nur 35 Euro und für Fichtenindustrieholz 15 Euro. „Bei Erntekosten von 20 Euro je Festmeter bleibt kaum etwas übrig,“ so der düstere Ausblick von Berndt. Nur der Export von Holz nach China trage einigermaßen zur Stabilisierung des Marktes bei. Nach dem Ist-Ergebnis vom 11. November sei für 2019 ein geringerer Verlust zu erwarten, der aber ausschließlich den stark gestiegenen Holzverkäufen zu verdanken sei. Für den Fichtenbestand auf 120 Hektar (ungefähr ein Drittel der Fläche im Nieheimer Stadtwald) sieht Matthias Berndt aber keine Zukunft. „Er wird in wenigen Jahren verschwunden sein, was in diesem Tempo niemand erwartet hat.“ Das könnten schon in wenigen Jahren zu Engpässen beim Bauholz führen. Für die Politik bedeutet das: Sie muss Geld in die Hand nehmen und in ihren Wald und seine Zukunft investieren.

Kämmerer Dietmar Becker sprach sich für eine „Aufforstung mit Augenmaß“ aus, auf einen Mix aus Totholzflächen, die sich selbst aufforsten (schon jetzt 50 Hektar, weitere 40 Hektar sind teilweise schon befallen) und eine aktive Wiederaufforstung. Das soll aber eine Aufgabe für Generationen werden.

Revierförsterin Imke Lampe kündigte für die Forstplanung 2020 die Aufforstung auf 8,2 Hektar an: 8000 Stück Traubeneiche, 1500 Spitzahorn, 1500 Roteichen, 6000 Lärchen. Nach Abzug einer Förderung von 17.000 Euro wird die Aufforstung Restkosten von 36.700 Euro erforderlich machen.

Einstimmig angenommen wurde vom Haupt- und Finanzausschuss der Wirtschaftplan für 2020. Geplant ist danach ein Holzeinschlag von 3000 Festmetern. Es werden Einnahmen von 178.000 Euro und Ausgaben von 182.000 Euro erwartet. „Wir müssen uns an das Minus gewöhnen,“ so Bürgermeister Rainer Vidal, der davon ausgeht, dass der Nieheimer Stadtwald die Politik künftig intensiv beschäftigen wird.

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