Bundesstraße 64/83: Naturschützer fordern abgespeckte Variante – Wirtschaft drängt auf schnellen Baubeginn Umweltverbände lehnen Trassenführung ab

Höxter (WB). Drei Naturschutzverbände lehnen die geplante Trassenführung der neuen Bundesstraße 64/83 entlang der Bahnstrecke Altenbeken-Höxter ab. Das haben Nabu, BUND und die Landesarbeitsgemeinschaft Naturschutz jetzt in einer Stellungnahme deutlich gemacht.

Von Marius Thöne

Aus ihrer Sicht rechtfertigt das Verkehrsaufkommen von „wenigen tausend Kraftfahrzeugen“ pro Tag keinen Komplettneubau der Bundesstraße. Die Verbände fordern daher, die Bundesstraße im Wesentlichen auf ihrer bisherigen Trasse zu belassen und schlagen einen Neubau nur kleinräumig für die Ortsumgehungen von Ottbergen und Godelheim vor.

Nach Angaben der Verbände seien zwischen Brakel und Ottbergen im Jahr 2015 6700 Fahrzeuge gezählt worden, zwischen Ottbergen und der B 83 7700 und zwischen Beverungen und Höxter 5800 Fahrzeuge pro Tag.

Die Verbände sehen vor allem die artenschutzrechtliche Prüfung als unzureichend an. Die jetzt geplante Straße führe durch die FFH-Gebiete „Grundlose Taubenborn“ und „Netheaue“. Der Straßenbau führe dort zu nicht ausgleichbaren Beeinträchtigungen. Die beiden betroffenen FFH-Gebiete seien Lebensräume von Schlingnatter und Zauneidechse.

Irene Büttner von der BUND-Kreisgruppe Höxter berichtete am Dienstag, dass die Obere Naturschutzbehörde beim Regierungspräsidium in Detmold die Bedenken der Naturschützer teile. Das sei bei einen nicht-öffentlichen Erörterungstermin in der vergangenen Woche in Godelheim deutlich geworden.

Bei den Unternehmern im Kreis Höxter stößt die Ablehnung der Trassenführung durch die Umweltverbände auf Kritik. Es sei bereits viel für den Naturschutz getan und Schlingnattern eigens umgesiedelt worden. „Wenn wir jetzt noch einmal neu planen müssten, werde ich nicht mehr erleben, dass die Straße gebaut wird“, sagt Klaus-Dieter Leßmann, Vorsitzender der CDU-Mittelstandsvereinigung (MIT) im Kreis Höxter. Er hat zusammen mit der Industrie- und Handelskammer eine Unterstützungskampagne für die Bundesstraße initiiert. Das Ergebnis: rund 1000 Unternehmer mit zusammen etwas weniger als 10.000 Beschäftigten aus den Kreisen Höxter und Holzminden wollen die Straße.

Gewinnung von Fachkräften

Gerade bei der Gewinnung von Fachkräften für ländlich strukturierte Regionen wie den Kreis Höxter sei eine gute Verkehrsanbindung unabdingbar. „Alle Unternehmer klagen über den Fachkräftemangel. Ich kenne einen Elektrobetrieb, der könnte sofort zehn neue Beschäftigte einstellen, so viel Arbeit gibt es“, berichtete Leßmann. Diesem Problem könne nur begegnet werden, wenn die neue B 64 möglichst schnell gebaut werde.

Planfeststellungsbeschluss abwarten

Leßmann, der auch Vorsitzender der Initiative „Pro B64/B83“ ist, geht davon aus, dass bis zu einem Planfeststellungsbeschluss noch rund drei Jahre vergehen könnten. „Wann dann tatsächlich die Bagger rollen, hängt davon ab, ob gegen die Planfeststellung noch geklagt wird“, erläuterte Leßmann. Sollte das so kommen, könnten nach seiner Einschätzung noch einmal mehrere Jahre ins Land gehen bis Rechtssicherheit herrsche.

Ob der Umweltverband BUND klagen wird, ist derzeit offen. „Dazu müssen wir erst einmal abwarten, wie der Planfeststellungsbeschluss am Ende aussieht“, sagte Irene Büttner am Dienstag.

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