Massive Aufforstung im Stadtgebiet von Höxter vonnöten – Minus in den nächsten Jahren erwartet Stadtwald bekommt ein neues „Gesicht“

Höxter (WB). Das „Gesicht“ des Höxteraner Stadtwaldes wird sich in den kommenden Jahren verändern. Denn durch die enormen Schäden durch Stürme und Borkenkäferbefall muss massiv aufgeforstet werden.

Von Harald Iding
Der Höxteraner Stadtwald (hier bei Höxter-Ovenhausen) ist stark von den Sturmschäden und dem Borkenkäferbefall betroffen.
Der Höxteraner Stadtwald (hier bei Höxter-Ovenhausen) ist stark von den Sturmschäden und dem Borkenkäferbefall betroffen. Foto: Harald Iding

Im Höxteraner Fachausschuss sind jetzt die aktuellen Zahlen und Prognosen vorgestellt worden. Die Kommunalpolitiker mussten eine bittere Pille schlucken: Ein sattes Plus bei der Bilanz wird es wegen der hohen Investitionen und der fallenden Holzpreise vorerst nicht mehr geben.

Für das Regionalforstamt Hochstift stellte Matthias Berndt (35, aufgewachsen in Höxter-Bruchhausen, Studium der Forstwissenschaften an der Universität Göttingen) die Zahlen und Fakten vor. Er leitet seit Sommer dieses Jahren das Fachgebiet beim Regionalforstamt für die Betreuung des Privat- und Körperschaftswaldes und ist Nachfolger von Forstdirektor Martin Wagemann, der nach 35 Jahren im Forstdienst seit Ende 2018 im Ruhestand ist.

Sorgen bereiten den Fachleuten vor allem die enormen Schäden in der Fichte und den sich abzeichnenden Schäden bei der Buche. Gemeinsam mit dem Leiter des Forstamtes, Roland Schockemöhle, machte Matthias Berndt in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses der Stadt deutlich: „Wir Forstleute denken immer in Generationen – nicht in Jahren.“

Forstwirtschaftsplan 2020 vorgestellt

Auf die Waldbesitzer, Kommunen und Förster würden zukünftig große Aufgaben zukommen, die es zu meistern gilt. Man blicke trotzdem mit Optimismus nach vorn – und dazu würde auch die jetzt einstimmig beschlossene massive Aufforstung beitragen.

Für den Stadtwald Höxter mit einer Forstbetriebsfläche von rund 1380 Hektar wurde das betriebliche Geschehen 2018, der Stand 2019 und der Forstwirtschaftsplan für 2020 vorgestellt.

Folgende Sorten sind schwerpunktmäßig vertreten: Buche (45 Prozent), Fichte (21 Prozent), Kiefer (5 Prozent), Eiche (6 Prozent) und Douglasie (4 Prozent). Bei den sehr alten Baumbeständen (ab 140 Jahre) sei fast nur noch die Buche vorhanden – plus ein geringer Anteil an Eiche, Kiefer und Lärche.

Stürmschäden, Hitze und Dürre

Stürmschäden, Hitze und Dürre sowie der Käferbefall sorgen dafür, dass vorhandene Bestände gefährdet werden und auch das Holz nur noch eingeschränkt verwertet beziehungsweise verkauft werden kann. Und so sieht das Betriebsergebnis für 2018 aus: Die Einnahmen liegen bei ca. 1,082 Millionen Euro und die Ausgaben bei rund 720.243 Euro. Es ergeben sich Mehreinnahmen von knapp 361.000 Euro, von denen noch einmal Aufwendungen (zum Beispiel für Bauhof und EDV) in Höhe von 28.282 Euro und die Rückstellung für die Wiederbewaldung (180.000 Euro) abgezogen werden müssen. Das endgültige Ergebnis liegt demnach bei 153.561 Euro (bei 1263 ha Holzboden). Lag der geplante Einschlag in den Jahren 2014 bis 2018 noch bei 8000 bis 9000 Festmetern, so ist der Ist-Einschlag 2018 auf mehr als 20.500 Festmeter (plus 5000 Festmeter Trockenlager) in die Höhe geschnellt.

Harzabwehr der Fichten kommt zum Erliegen

Untersuchungen von „Wald und Holz NRW“ hätten zudem gezeigt, dass 90 Prozent der überwinternden Käfer überlebt hätten. Die Trockenzeit habe noch einmal die Abwehrkräfte der Bäume reduziert. Matthias Berndt: „Ab Angriffen von rund 200 Käfern kommt die Harzabwehr der Fichten zum Erliegen – mit fatalen Folgen.“

Erzielte man für Fichtenstammholz vor zwei Jahren noch rund 95 Euro pro Festmeter, so liegt derzeit der Verkaufspreis oft bei weniger als die Hälfte. Auch das Trockenlager der Stadt (bei einer Firma in Modexen) mit rund 5000 Festmetern Fichtenstammholz weise nur noch eine geringe Qualität auf (11 Prozent in B/C-Qualität und mehr als 84 Prozent nur in D-Holzqualität). Die bittere Bilanz der Katastrophe (2018 und 2019) macht sich an der Kalamitätsholzmenge fest: 30.000 Festmeter Sturmschäden und 30.000 Festmeter Borkenkäferbefall. Inzwischen liegt die Freifläche bei mehr als 150 Hektar (davon wurden rund zehn Hektar aufgeforstet).

Einige Fichtenbestände sind tot

Berndt: „An mehreren Orten befinden sich tote stehende Fichtenbestände!“ Jetzt sei eine massive Kulturbegründung (Pflanzung von Bäumen) vonnöten. Laut Plan für 2020 liegen die Erträge bei rund 725.000 Euro und die Summe der Aufwendungen bei rund 894.000 Euro. Damit fällt das geplante Wirtschaftsergebnis 2020 für den Höxteraner Stadtwald mit einem Minus von rund 165.000 Euro aus. Und diese Entwicklung dürfte sich in den nächsten Jahren fortsetzen.

20.000 Douglasien und 5000 Küstentannen

In Höxter gepflanzt werden etwa 55.000 Pflanzen (darunter sind 20.000 Douglasien, 5000 Küstentannen, 3000 Weißtannen, 6000 Buchen, 9000 Eichen und rund 10.000 weitere Sorten wie Kirsche, Bergahorn, Linde, Hainbuche und Lärche). Und man will versuchen, defizitäre Fichten-Tothölzern auch aus wirtschaftlichen Gründen einfach „stehen zu lassen“, vor allem bei schwierigen Hanglagen. Auch Insekten würden von solchen Flächen profitieren.

Forstamtsleiter Roland Schockemöhle: „Bei den ganzen Überlegungen sollte man nicht verkennen, dass der Wald ein wichtiger Erholungsraum ist – und eine Sozialfunktion hat. Die Aufforstung ist eine notwendige Investition, von der alle profitieren.“

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