Kinderorchester NRW gastiert mit »eXperience« in Marienmünster Zwischen Computer und Kontrabass

Marienmünster (thö). In ihren dunklen Kleidern und Anzügen wirken sie auf den ersten Blick wie ganz Große. Lediglich am Kontrabass fällt ob des Größenverhältnisses zwischen Instrument und Musiker auf, dass die 80 Musikerinnen und Musiker auf der Bühne des Schafstalls in Marienmünster zum vielversprechenden Nachwuchs gehören. Zwischen zehn und 14 Jahre alt sind die Mitglieder des Landeskinderorchesters NRW.

Eva Pöpplein (41) spielte live zum Orchester mit zerstückelten, verzerrten und provozierenden Klangeffekten. Mehr als 80 Musikerinnen und Musiker saßen auf der Bühne.
Eva Pöpplein (41) spielte live zum Orchester mit zerstückelten, verzerrten und provozierenden Klangeffekten. Mehr als 80 Musikerinnen und Musiker saßen auf der Bühne. Foto: Marius Thöne

Es hat auf seiner Tournee am Samstagnachmittag Station an der Abtei gemacht. Die Kinder, die Werke von Bach, Mozart, Rossini, Bizet, Tschaikowsky und Sibelius aufführten, hatten einen besonderen Gast und damit auch eine ganz besondere Form der Musik mitgebracht. Eva Pöpplein, Tonmeisterin beim Deutschlandfunk, Computermusikerin und DJane, ließ in einem Live-Remix die aufgeführten Werke klassischer Meister neu erklingen und schaffte so spannende Übergänge zwischen akustischer und elektronischer Musik. Für Pöpplein ist das Experiment Teil von Musik. Derzeit arbeitet sie beispielsweise daran, die Bilder des Malers Sean Scully in Klänge zu übersetzen. Aus den Stadtgeräuschen von Venedig komponierte die 41-Jährige elektronische Musik.

Ihre Art war für den ein oder anderen Zuhörer sicherlich ungewohnt, verfehlte ihre überraschende Wirkung aber nicht. Orchester und Remixerin nahmen Rücksicht aufeinander, hörten einander zu. Wenn Pöpplein zuvor von Streichern und Bläsern Dargebotenes verfremdet und unterlegt mit Knistern, Knackern oder Rauschen wiedergab, pausierte das Orchester unter Leitung von Andreas Fellner, allerdings hochkonzentriert und ohne den Faden zu verlieren. Ein meist furioses Finale der jungen Musikerinnen und Musiker schloss sich an. Pöpplein gelang es, die Musik nicht zu ergänzen, sondern sie aufzubrechen, teilweise zu erneuern und umzugestalten. Ihre Herangehensweise musste nicht jedem gefallen, zeigte aber, dass auch klassische Musik lebt, sich im zeitlichen Kontext weiterentwickeln kann – eine spannende Interpretation.

Dass so viele auf der Bühne des Schafstalls sitzen, kam bislang eher selten vor. Der Konzertsaal an sich trug die Musik akustisch gut zu den etwa 150 Zuhörern im Raum, die meisten von ihnen Großeltern und Eltern der jungen Orchestermusiker. »Fanclub« nannte sie Hans-Hermann Jansen von der Kulturstiftung Marienmünster. Er hatte sie in der Abtei willkommen geheißen und seine Freude darüber zum Ausdruck gebracht, dass viele Rheinländer die Reise ins östliche Westfalen auf sich genommen haben. Die Konzertreise unter dem Motto »Experience« hatte Mitte November in Kleve begonnen und führte das Kinderorchestern gestern noch nach Düren.

Hans-Hermann Jansen kündigte an, dass im kommenden Jahr das Landesjugendorchester aus Anlass seines 50-jährigen Bestehens in Marienmünster gastieren wird. Termin ist der 1. Mai. Im Mittelpunkt stehen vier Solisten am Horn, allesamt ehemalige Mitglieder des Orchesters.

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