Widerstand gegen Judenmord und Kritik an Goebbels: Vor 75 Jahren verstarb Gandulf Korte Lüchtringer Pater ein Opfer der Nazis

Lüchtringen (WB). Sie sind die Märtyrer des 20. Jahrhunderts und haben den Widerstand gegen das Hitler-Regime oft nicht überlebt: Menschen wie Pater Dr. Gandulf Korte aus Lüchtringen. Der Franziskaner starb an diesem Montag vor 75 Jahren. Einige Lüchtringer halten den Bauernsohn immer noch in Ehren.

Von Michael Robrecht
Bei den Priestergräbern auf dem Friedhof in Lüchtringen liegt die Ruhestätte von Pater Gandulf Korte (Foto). Er wurde aus seinem ersten Grab – 50 Meter entfernt – in diese Ehrengrabstätte umgebettet. Die Lüchtringer hatten ihn 1944 aus Bochum geholt.
Bei den Priestergräbern auf dem Friedhof in Lüchtringen liegt die Ruhestätte von Pater Gandulf Korte (Foto). Er wurde aus seinem ersten Grab – 50 Meter entfernt – in diese Ehrengrabstätte umgebettet. Die Lüchtringer hatten ihn 1944 aus Bochum geholt. Foto: WB

Diakon Erwin Winkler hat sich mit dem Leben des 1897 im Weserort geborenen Gandulf Korte beschäftigt und mit Familienangehörigen wie dem im August 2019 verstorbenen Prof. Guido Korte gesprochen. »Pater Gandulfs Grab liegt am Kreuz bei den Priestergräbern auf dem Lüchtringer Friedhof. Viele kennen seine ereignisreiche Lebensgeschichte jedoch heute nicht mehr«, sagt der Ortsheimatpfleger, der den Jahrestag nutzen möchte, um an einen fast vergessenen Gegner des Nationalsozialismus zu erinnern. In den 1950er Jahren kamen am Todestag des Paters oft bis zu 40 Franziskanermönche nach Lüchtringen, schildert Winkler. Zuletzt gab es aktuelle Ausstellungen über Korte in Bochum.

Erwin Winkler berichtet, dass Gandulf Korte gegen den Willen des Vaters Priester geworden sei. Der Hoferbe wollte aber, wie sein Bruder Josef, in einen geistlichen Beruf. Als er einmal ein falsches Kleefeld umpflügte, gaben die Eltern es auf, aus Gandulf einen Landwirt machen zu wollen. Aus einem Kolleg (St. Ludwig in Holland) musste er 1916 in den Ersten Weltkrieg. Schwer verwundet kehrte er heim, legte 1921 in Werl das Abitur ab und begann sein Noviziat in Warendorf bei den Franziskanern. 1928 wurde er im Paderborner Dom zum Priester geweiht. Die Ordensoberen schickten ihn danach zum Germanistikstudium nach Münster. Er promovierte, legte die Lehramtsprüfung ab und übernahm im Franziskanerkloster Paderborn das Lekto-rart für Katechetik.

Dann musste Korte als Soldat in den Zweiten Weltkrieg, kam aber schon 1942 zurück und übernahm eine Seelsorgestelle im Franziskanerkloster mit Kirche in Bochum, das 1941 geschlossen worden war. Seit Dezember 1941 arbeitete er als 1. Vikar an der Christ-König-Kirche neben dem Ex-Kloster. Korte wurde Mitinitiator der Vincenz-Konferenz in Paderborn. Die Gestapo zerschlug die Gruppe und nahm viele Mitglieder in Haft. Unter den Häftlingen befand sich später – nachdem er nach einer Predigt zu Johanni 1944 in Lüchtringen zwischen den Zeilen erneut Kritik an den Nazis geäußert hatte – auch Pater Gandulf Korte. Er kam in das Gerichtsgefängnis Bochum, wo er am 4. November 1944 mit nur 47 Jahren in den Trümmern während eines Bombenangriffs verstarb.

Korte sollte eigentlich nach Berlin gebracht werden, weil der Franziskaner sich gut vernehmbar auch gegen eine Rede von Propagandaminister Joseph Goebbels gewandt hatte, die Vernachlässigung des Religionsunterrichtes kritisierte und die Judenverfolgung als brutalen Mord verurteilte. Er sollte vor Roland Freislers Volksgerichtshof erscheinen.

Der Pater trat mutig auf und lebte immer mit dem Risiko, verhaftet zu werden. Korte wandte sich gegen die Unterdrückung der katholischen Kirche durch die Nazis: Entkonfessionalisierung der Schulen, Okkupation von Pfarrheimen, Beschränkungen im katholischen Pressewesen, Beschlagnahme des Vermögens und der Vereinsheime, Überführung der Caritas in staatliche Wohlfahrtspflege, Verhinderung pastoraler Betreuung von Kranken und Sterbenden in Spitälern. Er sah sich im Widerstand des kirchlichen Bereiches gegen Hitler. »Wir haben hier in Lüchtringen einen wirklichen Märtyrer«, ordnet Diakon Winkler Pater Gandulf ein.

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