Vier Künstlerinnen stellen im künftigen Niedringhaus-Forum in Höxter aus
Zwischen den Räumen

Höxter (WB). Ein Haus – vier Künstlerinnen, das ist die Ausstellung »Zwischen-Raum« im Tilly-Haus in der Westerbachstraße in Höxter.

Dienstag, 08.10.2019, 03:28 Uhr aktualisiert: 08.10.2019, 03:30 Uhr
Die Künstlerin (von links) Maria Föcking und die Vorsitzende des FAN, Christine Longère, führten in die Ausstellung ein. Bürgermeister Alexander Fischer an der Eröffnung teil. Dorit Croissier, Renate Ortner, Anja Kracht und Elisabeth Brügger stellen im »Zwischen-Raum« aus. Foto: Astrid E. Hoffmann

Das Haus ist derzeit eine Baustelle und soll demnächst das Forum Anja Niedringhaus (FAN) beherbergen. Bis es soweit ist, bietet genau dieser »Zwischenraum« den Künstlerinnen Elisabeth Brügger aus Godelheim, Dorit Croissier aus Warburg, Anja Kracht aus Lemgo und Renate Ortner aus Dringenberg den perfekten Ort für ihre Werke, die aus dem Inneren des Hauses entstanden sind.

Die Vorsitzende des FAN, Christine Longère, begrüßte die mehr als einhundert Besucher und erinnerte zunächst an den General Tilly und seinen Bezug zur Kreisstadt. Vom Dreißigjährigen Krieg, dessen Feldherr Tilly war, schlug die Vorsitzende den Bogen zur Fotografin Anja Niedringhaus (1965 – 2014), die in Höxter geboren und im Krieg in Afghanistan ihre Leben verlor. »Das Haus soll ein lebendiger Ort der Begegnung und des Austausches werden«, berichtete Longère über die Zukunft des Tillyhauses. Dann werden 250 Quadratmeter Fläche für Fotografien und Malerei, so der Ansatz, zur Verfügung stehen.

Eine etwas andere Ausstellung

Die Höxteraner Künstlerin Elisabeth Brügger war im vergangenen Jahr beim Tag des offenen Denkmals im Gebäude gewesen und hatte sofort gedacht, das wäre perfekt für eine etwas andere Ausstellung. Mit der Unterstützung der Architektin Cornelia Lange, die für die Renovierungsmaßnahmen verantwortlich ist, dem Verein Forum Anja Niedringhaus, in Kooperation mit dem Forum Jacob Pins so wie dem Beistand durch die Stadt Höxter und der Hilfe von Sponsoren und Handwerkern (die für Licht und Sicherheit sorgten), wurde die Idee nun Wirklichkeit.

Maria Föcking, selbst Künstlerin, hatte vor der Vernissage in Ruhe alles auf sich wirken lassen und stellte die Künstlerinnen und ihre Werke dem interessierten Publikum, vor.

Brügger, Croissier und Ortner hatten in 2018 mit einer weiteren Künstlerin die Ausstellung »Der Osten vom Westen« in Bielefeld gemeinsam gestaltet. In Höxter kam nun statt Petra Fleckenstein-Pfeifer die Lemgoerin Anja Kracht dazu. Die Kunstschaffenden hatten sich von den Räumen inspirieren lassen, was durchaus zu ihren Stärken und Gewohnheiten gehört. Es war ihnen erlaubt, Dinge aus dem Haus mitzunehmen, um diese im eigenen Atelier zu bearbeiten, zu verwandeln.

Räume schaffen

»Es kommt nicht darauf an, was etwas ist, sondern darauf, wie es mit allem anderen zusammenhängt«, sagt Elisabeth Brügger und erschafft eine fiktive Frau Tilly. Aus den gefundenen Exponaten aus dem Haus entsteht ein Tisch, der gerade erst verlassen wurde, Teetasse und Tageszeitung inklusive. Schon wirkt der Raum wieder belebt. Bronzen und Druckgrafik gehören zum Repertoire von Elisabeth Brügger, die in Godelheim ein eigenes Atelier betreibt. »Inzwischen nutze ich Dinge, die schon da sind zur Gestaltung«, sagt Elisabeth Brügger, die gemeinsam mit Anja Kracht einen Raum im Hause bespielt. Anja Kracht lebt und arbeitet in Lemgo und nahm sich des Wortes Raum mit seinen Variationen wie Freiraum, Eisraum, Raumklima oder Zeitraum an und schaffte so selbst Räume. Geht der Besucher über die Holztreppe in den ersten Stock findet er an den Wänden Anja Krachts Frottagen, die schwarz auf weiß, das Innenleben des Gebäudes freilegen.

Hinterlassenschaften bekommen zweite Chance

»Renate Ortner gibt den Hinterlassenschaften der früheren Bewohnern einen zweite Chance«, sagte Maria Föcking. Ortner schaffte eine Skulptur aus alten Lampenschirmen, setzt das Bildnis Tillys in Eisenringe oder schafft aus einem alten Spiegel und Fotos von Müll und Abriss einen edel anmutenden Einrichtungsgegenstand. »Die anonymen Hinterlassenschaften haben jetzt eine neues Leben und das passt in meine Arbeitsreihe second life«, erklärt die Dringenbergerin Renate Ortner.

Die Warburger Keramikerin Dorit Croissier blieb sich auch im Tillyhaus ihrer Herangehensweise treu. Sie geht an die Substanz des Hauses, entnimmt Holzbalken, kleine Fensterlaibungen, Ziegelstein und Lehm. »Der Lehm aus diesem Haus ist von ganz besonderer Qualität, der ließ sich nicht einfach bei üblichen Temperatur im Ofen brennen«, berichtet Dorit Croissier. Was letztlich aus dem Lehm wurde ist ein Kunstwerk für sich. Ein anderes, der zersägte Eichenbalken, der mit Keramik wieder zu einem neuen Stück im alten Haus wurde.

Die Ausstellung ist bis zum 27. Oktober jeweils samstags und sonntags von 14 Uhr bis 17 Uhr geöffnet, und die Künstlerinnen sind abwechselnd vor Ort.

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