Bastian Bielendorfer tritt in Höxter auf
Echte Wahrheiten

Höxter (WB). Bastian Bielendorfer ist ein 35-Jähriger, der durch seinen Auftritt bei der Fernsehsendung »Wer wird Millionär« zu einer Comedy-Karriere gekommen ist. Am Samstag, 12. Oktober, ist er von 20 Uhr an in der Stadthalle in Höxter zu sehen – und spricht über alltägliche Situationen aus seinem Leben.

Montag, 07.10.2019, 09:54 Uhr aktualisiert: 07.10.2019, 10:02 Uhr
Bastian Bielendorfer tritt am Samstag, 12. Oktober, in der Stadthalle in Höxter auf. In seinem neuen Programm »Lustig, aber wahr« verspricht er Geschichten aus dem wahren Leben, nichts Ausgedachtes, nur Wahrheiten. Foto: Hajo Drees

Herr Bielendorfer, Sie kokettieren ziemlich stark mit dem Lehrerkind-Image. Aber was zeichnet ein Lehrerkind für Sie aus? Was sind die drei wesentlichen Charakterzüge?

Bastian Bielendorfer: Ich würde sagen, ich bin klugscheißerisch, sehr redebedürftig, aber auch fröhlich. Das kann für die Menschheit natürlich nicht verallgemeinert werden. Ich glaube aber, dass alle Lehrerkinder die Erfahrung teilen, wie es ist, morgens von seinen Eltern zur Schule gefahren zu werden – und die Eltern steigen dann mit aus.

 

Ist das ein Trauma?

Bielendorfer: Ein positives Trauma. Ich hab ja das Bestmögliche daraus gemacht und so meinen heutigen Job aufgebaut. Wobei man sagen muss, dass es im neuen Programm »Lustig, aber wahr« tatsächlich wenig um Lehrerkinder geht. Es ist natürlich ein Label, das mir früh auferlegt worden ist und das ich heute noch mit Stolz trage. Es ist immer gut, wenn die Leute irgendwas mit einem assoziieren.

 

In der Comedy-Szene auch nicht das Schlimmste, wenn man schon mal einen Stempel mitbringt.

Bielendorfer: Das stimmt, aber es schränkt einen natürlich manchmal thematisch auch ein bisschen ein. Ich merke aber je größer die Shows werden, dass ich mich immer freue, wenn die Leute kommen, um mich und nicht das Lehrerkind zu sehen.

 

Ihre neue Show heißt »Lustig, aber wahr«. An welche Geschichte müssen Sie denken, wenn Ihnen jemand sagt: »Lustig, aber wahr«.

Bielendorfer: Ich denke dann natürlich an mein eigenes Leben. In meinem Programm erzähle ich am Anfang auch, dass jede Geschichte wirklich passiert ist, und dass ich mir die nicht ausgedacht habe. Und da gibt es schon eine Menge Geschichten. Am Anfang berichte ich zum Beispiel, dass ich kürzlich einem älteren Ehepaar im Zug gegenüber saß. Die Frau schaute mich an und hatte mich plötzlich erkannt. Sie sagte: »Ich habe Sie im Fernsehen gesehen.« Und darauf habe ich geantwortet: »Ach, Sie waren das.« Und dann blickte mir die ältere Dame tief in die Augen und sagte: »Sie sehen aus wie unsere Enkelin.« Das ist wirklich passiert – und da musste ich sehr lachen, weil ich mir die ganze Zeit eine zwei Meter große, wikingerhafte Enkelin habe vorstellen müssen. Ich mag es nicht so gerne, wenn ich auf der Bühne jemanden sehe, von dem ich weiß, dass es nur eine Rolle spielt. Deswegen habe ich das Programm »Lustig, aber wahr« genannt. Ich sehe mich nicht als Darsteller. Ich stehe da als echte Person, die Geschichten aus ihrem echten Leben erzählt.

 

Wenn Ihnen Dinge im alltäglichen Leben passieren, haben Sie ein so gutes Gedächtnis, dass Sie das einfach behalten können und dann Zuhause oder bei Gelegenheit aufschreiben? Oder haben Sie immer einen Block und einen Stift oder ein Diktiergerät dabei?

Bielendorfer: Ich habe »Evernote« auf dem Handy. Und darüber kann man Gedanken sofort notieren. Das ist in meinem Job, in dem Gedanken doch sehr fließend sind, immer gut, sie sehr schnell aufschreiben zu können. Stift und Papier nehme ich heute nicht mehr, was schade ist. Aber mir ist einfach auch die Gefahr zu groß, dass ich zum Beispiel mein Notizbuch verliere. Und das wäre in meinem Fall, in dem ja geistiges Eigentum so ziemlich alles ist, was man als Künstler oder Unterhalter hat, echt blöd. Nicht auszudenken, wenn ein neues Programm in Form eines Notizbuches am Busbahnhof liegen bleibt.

 

Wie filtert man denn aus den Situationen, die man erlebt hat, heraus, was tatsächlich lustig ist? Muss man die Witze vorher testen?

Bielendorfer: Ich glaube es ist eine der Grundveranlagungen in unserem Job, dass man dafür ein Auge hat. Aber natürlich kann man dabei auch drastisch danebenliegen. Oft sind Dinge, die ich selber wahnsinnig lustig finde, die Sachen, die oft relativ früh aus meinem Programm rausfliegen, weil die anderen Leute sie nicht mögen. Humor ist doch etwas sehr Persönliches und deswegen testest man das, klar. Bevor ich mit einem neuen Programm auf Tour bin, mache ich Previews, in denen die Leute ganz bewusst wissen, dass ich gerade erst mal ausprobiere, was gut ist und was nicht. Das machen aber alle Kollegen so.

 

Wie haben Sie entdeckt, dass Sie das Potenzial haben, Leute zu unterhalten?

Bielendorfer: Zufall. Ehrlich gesagt. Purer Zufall. Ich meine, die Wer-wird-Millionär-Geschichte werde ich jetzt nicht noch mal runterbeten. Aber ich habe da gesessen, hab um die Million gespielt, hab erzählt, ich hätte ein lustiges Buch, was nie existierte, was ich mir ehrlich gesagt ausgedacht habe in dem Moment – und dann doch sehr in die Bedrängnis kam, als sie wirklich ein lustiges Buch von mir haben wollten. Dementsprechend habe ich daraus dann Lesungen gemacht und hab währenddessen schon gemerkt, dass ich irgendwie mehr frei spreche, als dass ich lese. Ich habe gemerkt: Irgendwie liegt mir das anscheinend. Ich habe es dann im Kleinen probiert und irgendwann wurde es größer. Aber jeder, der gerne Comedian werden will, kennt das: Es gibt viele offene Bühnen wie »Kunst gegen Bares«, bei denen man sich wirklich hinstellen und zehn Minuten ausprobieren kann. Würde ich auch jedem raten, der Lust darauf hat, weil man dann relativ schnell ein Gespür dafür bekommt, ob einen das wirklich begeistert oder nicht. Das, was man da auf der Bühne macht, ist schon sehr speziell. Die meisten Menschen halten ja kaum etwas für schlimmer, als vor vielen Leuten eine Rede zu halten.

 

War es bei Ihnen früher auch ein Problem, Referate oder Vorträge zu halten?

Bielendorfer: Nein, ich war immer ein Laberkopf. Ich durfte auch in der Schule schon immer das Referat halten. War auch immer der einzige, der es geil fand, ein Referat halten zu dürfen. Ist auch bis heute so geblieben. Ich hab keinerlei Schmerzempfinden bei solchen Dingen.

 

Das Lehrerkind-Image haben Sie ja noch aus Ihrer Anfangszeit. Haben Sie jetzt ein Attribut, das Sie besser beschreibt?

Bielendorfer: Ich bin einfach Komiker. Ich rede über alles. Ich bin immer unglücklich, wenn man Leute auf ein Attribut runterbricht. Das rechtfertigt sich nur in den allerseltensten Fällen. Meistens hat doch jeder mehrere Facetten. Jeder Mensch, der 100 Minuten Programm macht, erzählt über andere Themen. Aber natürlich möchten die Leute eine Vereinfachung haben. Und das ist auch in Ordnung.

 

Sie sind Mitte 30 und kinderloser Mopsbesitzer.

Bielendorfer: Das ist richtig. Der schläft gerade neben mir, Otto der Mops. Und über den rede ich auch im Programm.

 

Welche lustigen Sachen erleben Sie mit Otto?

Bielendorfer: Beispielsweise wurde ich mal auf der Wiese angesprochen, dass Otto der schönste und athletischste Mops wäre, den die Dame je gesehen habe und dass sie uns 500 Euro für jeden Deck-Akt geben würde. Sie hätte eine Mopszucht. Ich hatte sofort im Kopf: Otto verdient uns die Miete. Ich hab mich schon als so eine Art Mops-Zuhälter im Park gesehen mit einer Zebraweste, mit der ich da durchlaufe und den Otto vermiete. Daraus ist aber nichts geworden, weil meine Frau das nicht wollte.

 

Worauf müssen sich Besucher gefasst machen, wenn sie Ihr Programm in Höxter sehen?

Bielendorfer: Zwei Stunden Vollgas-Comedy. Also einfach zwei Stunden gute Unterhaltung, nach denen jeder am Ende mit einem Lachen im Gesicht aus dem Saal geht. Und das ist das Versprechen, das ich gebe. Es ist sehr selten, dass es jemandem nicht gefällt, und es kommen alle Altersgruppen zu mir – von Teenager bis Oma. Das, was ich mache, ist auf der einen Seite nicht sehr kantig, auf der anderen Seite doch sehr unterhaltsam – hoffe ich mal.

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