Mehrgenerationenwohnen: Gruppe will Verein gründen und sucht Grundstück
In der Gemeinschaft liegt die Zukunft

Höxter (WB). Der Verein steht kurz vor der Gründung, parallel sucht die Gruppe ein innenstadtnahes Grundstück und einen potenziellen Investor: Das vor eineinhalb Jahren initiierte Mehrgenerationenhaus-Projekt in Höxter nimmt konkretere Formen an.

Donnerstag, 03.10.2019, 14:20 Uhr aktualisiert: 03.10.2019, 15:00 Uhr
Das Wohnprojekt konkretisiert sich. Immobilienberater Hubertus Scheid von der Sparkasse (3. von links) stand der Gruppe um Bea Brüning (hinten, 2. von rechts) und Gitta Blume (neben ihr) bei einem der Treffen beratend zur Seite. Foto: Sabine Robrecht

Der Name des künftigen Vereins – »Die Ringelblumen« – ist Programm. Denn das leuchtende Orange oder Gelb der Blüten strahlt Freude und Zuversicht aus. Dieses gute Gefühl eint die 15 Mitglieder der Gruppe. Die Heilkraft der Pflanze weckt Assoziationen zur Grundidee dieses Wohnmodells: Jeder ist für den anderen da. Dieser Zusammenhalt wirkt wohltuend wie die Ringelblume, die demnächst im Garten des Hauses sicher eines der Beete ziert.

Bis dahin ist der Weg allerdings noch lang. Das ist der Gruppe um Initiatorin Bea Brüning klar. Die 61-Jährige möchte bewusst nicht – wie Bremens ehemaliger Bürgermeister Henning Scherf – zur Galionsfigur dieses Wohnprojekts werden. »Ich bin eine von Vielen.«

Auch junge Leute mit Kindern willkommen

Und es dürfen auch noch mehr werden, signalisiert die Gruppe, deren Mitglieder zwischen 30 und 68 Jahre alt sind. Interessierte – »auch weitere junge Menschen, sehr gerne mit Kindern« – können sich anschließen und zu den regelmäßigen Zusammenkünften an jedem letzten Donnerstag im Monat kommen. Treffpunkt ist der kleine Speisesaal des Konrad-Beckhaus-Heims jeweils um 18.30 Uhr.

Innerhalb der Gruppe haben sich inzwischen einzelne Arbeitskreise gebildet. Einer kümmert sich um die Gesellschaftsform, ein anderer um die Vereinssatzung. Die dritte Untergruppe hält nach Grundstücken Ausschau und die vierte plant Aktionen und Öffentlichkeitsarbeit. Bei den monatlichen Vollversammlungen erzählt dann jeder Arbeitskreis, was es Neues gibt.

Wohnungen auf Mietbasis gesucht

Auch laden die »Ringelblumen« oft Experten ein – so wie kürzlich den Immobilienberater und Sachverständigen Hubertus Scheid von der Sparkasse Höxter. Im Gespräch mit ihm signalisierten die Mitglieder, dass sie ihre künftigen Wohnungen auf Mietbasis beziehen möchten und daher einen Investor suchen. Hubertus Scheid riet ihnen, mit einem konkreten Wohnkonzept in mögliche Verhandlungen zu gehen: Wie groß sollen die Wohnungen, die Gemeinschaftsräume und der Garten sein?

Wie hoch muss der Mietpreis sein, um einem Investor eine verträgliche Rendite anbieten zu können? Fragen wie diese gelte es im Vorfeld zu klären. Inklusive Außenanlagen sei mit reinen Baukosten zwischen 2200 und 2400 Euro pro Quadratmeter zu rechnen. Scheid riet auch dazu, eine Gemeinschaftsrücklage anzulegen. »Ein Genossenschaftsmodell wäre uns am liebsten«, so die Gruppe. Sie strebt die Gründung eines gemeinnützigen Vereins an und möchte öffentliche Anlaufpunkte etwa für Alleinerziehende schaffen.

»Wir könnten auch dem Behindertenbeirat einen Raum für Beratungen oder Treffen anbieten«, nennt Bea Brüning eine weitere Idee. »Wir haben als Gruppe viel gearbeitet«, resümiert sie. Jetzt gelte es, sich auf die Rechtsform und die Grundstücks- und Investorsuche zu konzentrieren.

Jüngste Mitglieder sehen viele Vorteile

Hier bleibt die Gruppe am Ball. Denn sie hat eine Vision. »Das Konzept, dass jede Generation allein in einer Immobilie lebt, gehört der Vergangenheit an«, ist Bea Brüning überzeugt. »Für mich ist es wichtig, dass man im Alter nicht einsam wird. Ich möchte fit bleiben und anderen helfen«, begründet Gitta Blume (66), warum sie miteinziehen will in das Mehrgenerationenhaus.

Mareile Wellert und Felix Graf (beide 30), die Jüngsten in der Gruppe, sind von dieser Wohnform ebenfalls überzeugt: »Wir sind aus unseren Familien heraus direkt in eine WG gezogen. Das gefällt uns so gut, dass wir auch künftig nicht allein in einer Wohnung leben wollen. Die Nachbarschaft hat einen großen Mehrwert – zumal wir von außerhalb kommen und unsere Familien weit weg sind.«

Grundstückseigentümer, Investoren und Mitstreiter können sich an Johannes Mellwig, der die Idee zu dem Vereinsnamen hatte, Telefon 0151/40076924, wenden oder eine E-Mail an die Adresse woprohx2@outlook.de schreiben.

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