Fulminante Eröffnung des Kunstfestes Via Nova in Corvey: Jürgen Holtz liest aus dem Heliand
Auf den Spuren eines Kulturtransfers

Höxter (WB). So wie die frohe Botschaft selbst des Menschen Geist und Seele berührt, so kann auch der Heliand – die älteste deutsche Bibeldichtung über das Leben Jesu – Intellekt und Herz gleichermaßen durchdringen. Beim Auftakt des Kunstfestes Via Nova in Corvey hat sich diese Wirkmächtigkeit in ihrer Spiritualität und in der Zeitlosigkeit ihres Wertekanons fulminant entfalten können.

Sonntag, 01.09.2019, 21:00 Uhr
Die Performance von Nezaket Ekici im Kreuzgang der ehemaligen Reichsabtei Corvey hat das Publikum nachhaltig beeindruckt. Foto: Sabine Robrecht

Kunstfest Via Nova in Corvey fulminant eröffnet

1/61
  • Kunstfest Via Nova in Corvey fulminant eröffnet
Foto: Sabine Robrecht
  • Foto: Sabine Robrecht
  • Foto: Sabine Robrecht
  • Foto: Sabine Robrecht
  • Foto: Sabine Robrecht
  • Foto: Sabine Robrecht
  • Foto: Sabine Robrecht
  • Foto: Sabine Robrecht
  • Foto: Sabine Robrecht
  • Foto: Sabine Robrecht
  • Foto: Sabine Robrecht
  • Foto: Sabine Robrecht
  • Foto: Sabine Robrecht
  • Foto: Sabine Robrecht
  • Foto: Sabine Robrecht
  • Foto: Sabine Robrecht
  • Foto: Sabine Robrecht
  • Foto: Sabine Robrecht
  • Foto: Sabine Robrecht
  • Foto: Sabine Robrecht
  • Foto: Sabine Robrecht
  • Foto: Sabine Robrecht
  • Foto: Sabine Robrecht
  • Foto: Sabine Robrecht
  • Foto: Sabine Robrecht
  • Foto: Sabine Robrecht
  • Foto: Sabine Robrecht
  • Foto: Sabine Robrecht
  • Foto: Sabine Robrecht
  • Foto: Sabine Robrecht
  • Foto: Sabine Robrecht
  • Foto: Sabine Robrecht
  • Foto: Sabine Robrecht
  • Foto: Sabine Robrecht
  • Foto: Sabine Robrecht
  • Foto: Sabine Robrecht
  • Foto: Sabine Robrecht
  • Foto: Sabine Robrecht
  • Foto: Sabine Robrecht
  • Foto: Sabine Robrecht
  • Foto: Sabine Robrecht
  • Foto: Sabine Robrecht
  • Foto: Sabine Robrecht
  • Foto: Sabine Robrecht
  • Foto: Sabine Robrecht
  • Foto: Sabine Robrecht
  • Foto: Sabine Robrecht
  • Foto: Sabine Robrecht
  • Foto: Sabine Robrecht
  • Foto: Sabine Robrecht
  • Foto: Sabine Robrecht
  • Foto: Sabine Robrecht
  • Foto: Sabine Robrecht
  • Foto: Sabine Robrecht
  • Foto: Sabine Robrecht
  • Foto: Sabine Robrecht
  • Foto: Sabine Robrecht
  • Foto: Sabine Robrecht
  • Foto: Sabine Robrecht
  • Foto: Dagmar Korth
  • Foto: Dagmar Korth

Der Heliand erblühte geradezu. Und das an einem Ort, von dem aus er 850 verbreitet wurde: Mönche der 822 gegründeten Benediktinerabtei im Weserbogen kopierten im Skriptorium ihres Klosters in karolingischen Minuskeln – den Vorläufern der heutigen Kleinbuchstaben – das Epos mit seinen 6000 stabreimenden Langzeilen. Ein unbekannter gelehrter Dichter hatte die Erzählung der Bibelgeschichte 830 wahrscheinlich im Auftrag von Ludwig dem Frommen geschrieben, um den zwangsgetauften Sachsen die Ideen des Christentums verständlich zu machen.

»Der Heliand war eine der größten literarischen und kulturellen Leistungen jener Zeit«, sagt Dr. Brigitte Labs-Ehlert, künstlerische Leiterin des Festivals Via Nova. Ihn am Ort seiner Verbreitung wie einen Schatz zu heben, unterstreicht die universelle Bedeutung der heutigen Welterbestätte für die Geschichte der Menschheit glanzvoll. Corveys Alleinstellungsmerkmal erschließt sich einem großen Publikum mit diesem hochkarätigen Fest über die Schriften aus dem Skriptorium und eine sinnlich vielfältige Rezeption.

Gesamtschüler aus Brakel präsentieren Ausstellung

Für den Heliand hat Brigitte Labs-Ehlert zum Kunstfest junge Menschen ins Boot geholt. In der Gesamtschule Brakel beschäftigten sich Schülerinnen und Schüler vor den Ferien in einem viertägigen Workshop zusammen mit den Künstlern Uta Ackermann, Jan Gottschalk und Rohullah Kazimi intensiv mit der altdeutschen Bibeldichtung und setzten ihre Eindrücke unterschiedlich in Szene. Die Ergebnisse sind seit der Eröffnung des Kunstfestes am Samstag im Orgelgang zu sehen. »Wir durften unserer Kreativität freien Lauf lassen und uns unsere eigenen Gedanken darüber machen, wie der Heliand auf uns wirkt. Jetzt mit anderen großen Künstlern dabei zu sein und unsere Arbeiten zu zeigen, beeindruckt uns sehr«, resümieren Eileen Isaak (16) und Celina Horn (17).

Als der Ausnahmeschauspieler Jürgen Holtz (87) am Nachmittag im Kaisersaal aus dem Heliand las und dessen zuversichtliche Grundstimmung einerseits und die in ihrer Wortgewalt beklemmenden, apokalyptischen Szenarien des herannahenden jüngsten Tages andererseits eindrücklich zur Entfaltung brachte, saßen die Schüler im Publikum. »Wir haben Passagen wiedererkannt«, sagen Eileen und Celina unter dem nachhaltigen Eindruck, einen so großen, bedeutenden Schauspieler live erlebt zu haben.

Studierende lassen Baum wachsen

Dank seiner großen Kunst vermochte Jürgen Holtz den Heliand und seine Werte, die den Menschen heute wahrlich nicht so fremd sind wie damals den Sachsen, auch in seiner missionarischen Intention zu vergegenwärtigen. Diese Lesung klingt nach. Die ambitionierten Gesamtschüler haben das Epos und seine Botschaften in ihre heutige Lebenswirklichkeit geholt – so wie es auch sieben Studierende der Technischen Hochschule OWL in Lemgo (Fachbereich Medienproduktion) im Seminar von Professor Peter Kaboth getan haben. Im Zentrum ihrer Ton-Licht-Bild-Installation steht ein Baum. Er ist dem Wandel der Zeit ausgeliefert, erscheint in diffusem Licht und macht aber trotzdem den Eindruck, dass er Veränderungen Stand hält – »so wie die Natur sich alles zurückholt«, erläutert eine der Studierenden, Shanna Duscha (22).

Die filigranen Äste und Zweige ziehen sich hoch in die Galerie des Ausstellungsraumes. Der Aufbau dieses Baumes muss abenteuerlich gewesen sein. In der Galerie dann holen die Studierenden den Heliand und seine Denkanstöße mit Collagen und Porträts ins Heute.

Teils Überredung, teils Gewalt

Das Eröffnungspublikum hat sich nach der Lesung mit Jürgen Holtz und dem aufschlussreichen Vortrag des profilierten Historikers Prof. Matthias Becher über die Missionierung der Sachsen (»teils Überredung, teils Gewalt«) mit Wissen und Anregungen gewappnet auf eine Entdeckungsreise begeben – durch die beiden Ausstellungen und hinunter in den Kreuzgang. Dort eröffnete die Künstlerin Nezaket Ekici mit ihrer Performance Zugänge zum Heliand und seiner Strahlkraft. In zehn Erdhügeln waren Glasdosen, die an Zeitkapseln erinnerten, mit auf Leinwand geschriebenen Passagen aus dem Heliand verborgen.

Mit einem Schwingstab (vergleichbar mit der Wünschelrute), der Assoziationen zu einem archaischen Naturglauben weckte, spürte sie die Glasrollen auf und holte die Texte wie einen Schatz ans Licht. Der Kirchenchor Falkenhagen und Solist Hans Hermann Jansen begleiteten die Künstlerin auf ihrem Rutengang, in dem sie vollends versank. Von der ersten bis zur zehnten Station schuf Nezaket Ekici eine dichte, spirituelle Atmosphäre – und vermittelte einen Eindruck davon, dass der Weg vom Vielgötterglauben und wehrhaften Verständnis zur kulturell fremden Ethik der Feindesliebe für die Sachsen kein leichter war. Die Erdhügel mit den Texten bleiben bis zum 12. September.

Das Festival geht am 14. und 15. sowie am 28. und 29. September unter anderem mit den Schauspielerinnen Hannelore Hoger und Corinna Harfouch weiter.

 

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6893499?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198395%2F2516020%2F
Krisenstab mietet Wohnsiedlung für positiv getestete Tönnies-Mitarbeiter an
Symbolbild. Foto: dpa
Nachrichten-Ticker