Theaterzeltcamp erweitert Rollenrepertoire von Jugendlichen
Maskenspiel mit Emotionen

Stahle (WB/gw). Zelten vor einem mittelalterlich anmutenden Turm, dem duftenden Stockbrot über dem Feuer die richtige Bräune verpassen und noch dazu erste Bühnenerfahrungen sammeln: Die elf Jugendlichen, die am Theater-Erlebnis-Camp an der Stahler Freilichtbühne teilgenommen haben, blicken auf eine erlebnisreiche Woche zurück.

Montag, 05.08.2019, 06:02 Uhr aktualisiert: 05.08.2019, 15:06 Uhr
Die Theaterpädagogen Canip Gündogdu und Katharina Böckmann (beide ohne Maske) strahlten bei der Premiere ihrer Schützlinge um die Wette: Die Jugendlichen hatten Kreativität und handwerkliches Geschick bewiesen. Foto: Greta Wiedemeier

»Eigentlich haben wir erst heute Morgen entschieden, welche Szenen wir gleich präsentieren«, verraten Lena (15) und Linnea (15) kurz vor ihrem finalen Auftritt. Die beiden jungen Mädchen waren extra aus Bielefeld zum Theatercamp nach Stahle gereist – einem Ort, von dem sie vorher noch nie gehört hatten. »Es ist eine super schöne Kulisse hier und toll, dass wir so selbstständig und intensiv arbeiten konnten«, resümiert Lena, die bereits vorher ein wenig Theatererfahrung hatte, die gemeinsame Woche.

Von Montag bis Mittwoch habe man zahlreiche Aufwärmübungen gemacht, sich gegenseitig kennengelernt und gesellige Abende verbracht, bevor dann jeder seine ganz individuelle Maske gestalten durfte. »Das erdet die Jugendlichen, regt ihre Kreativität an und stellt sie vor die Frage: Was bin ich und was darf ich sein?«, erklärt Theaterpädagoge Canip Gündogdu den Hintergrund des handwerklichen Teils des Projekts. Kunterbunt gefleckte oder einfarbige Masken, solche mit Ohren, einer spitzen Nase oder einem fiesen Lächeln: jeder durfte frei wählen, wie er später auf der Bühne aussehen möchte.

Eine der jüngsten Teilnehmerinnen hat sich etwa für den Charakter einer gebrechlichen alten Dame entschieden – »und genau das ist das Spannende«, sagt Gündogdu. Man habe die Jugendlichen gezielt ermuntert, fremde Rollen auszuprobieren, die sich vielleicht sogar gegenteilig zu ihrer gestalteten Maske verhalten. Auch die einzelnen Szenen wurden von den Teilnehmern selbst entwickelt.

»Gerade diejenigen, die eine Maske haben, die auch über ihren Mund geht, konnten ja nicht sprechen. Da lag der Fokus dann umso mehr auf ihrer Körpersprache«, erklärt Linnea, worauf es bei den Proben ankam. Und das gelang den Jugendlichen, die zum Teil zum ersten Mal auf einer Bühne standen, bei ihrer Premiere am Freitagnachmittag erstaunlich gut. Nach professionellen Aufwärmübungen für Jochbein, Stimmband und Wangenknochen schickte Katharina Böckmann, die zweite Theaterpädagogin vor Ort, ihre Schützlinge mit den Worten »Habt Spaß und genießt euren Auftritt« schließlich auf die Bühne. Dramatische Gesten, rasante Verfolgungsjagden über die verwunschenen Pfade der Naturbühne und schüchterne Verliebtheit vor der Felsenkanzel waren den Zuschauern trotz Masken ein Leichtes zu erkennen. Die Eltern und Freunde, die sich überwiegend auf den Holzbänken an der Freilichtbühne eingefunden hatten, wurden zudem humorvoll von der »Fashion-Polizei« begutachtet, wobei die Akteure Talent zum Improvisieren bewiesen und viel Applaus ernteten.

Bereits vor drei Jahren hatte Gündogdu gemeinsam mit dem Kultur-Förderverein Stahle ein sechsmonatiges Projekt mit Jugendlichen auf der Freilichtbühne initiiert, von denen einige sogar erneut teilnahmen. »Mir gefiel der Ort hier wahnsinnig gut« erinnert er sich zurück. Auch wenn man ein solch großes Projekt nicht noch einmal in Angriff nehmen konnte, sei er mit dem einwöchigen Sommercamp nun sehr glücklich gewesen. »Der Kulturverein ist meines Wissens nach auch offen für eine Wiederholung«, kündigt er an.

Organisiert wurde das Theaterzeltcamp im Rahmen eines theaterpädagogischen Projekts der Landesarbeitsgemeinschaft Spiel und Theater. Finanziell ermöglicht wurde den Theaterfreunden die kostenlose Teilnahme durch das NRW-Ministerium für Familie, durch die Verbundvolksbank und die Sparkasse Höxter.

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