Leuchtturmprojekt »Smart Country Side«: Regierungspräsidentin in Ovenhausen und Wehrden
Dörfer brauchen digitale Kompetenz

Höxter/Ovenhausen/Wehrden (WB). Regierungspräsidentin Marianne Thomann-Stahl hat am Donnerstag Ovenhausen und Wehrden besucht, um sich über den Fortschritt des Projektes »Smart Country Side« zu informieren. Sie zeigte sich begeistert.

Freitag, 05.07.2019, 18:26 Uhr aktualisiert: 05.07.2019, 18:28 Uhr
Regierungspräsidentin Marianne Thomann-Stahl (vorne Mitte) hat sich am Donnerstag in Ovenhausen mit den Projektbeteiligten von »Smart Country Side« getroffen und beste Eindrücke vom Fortschritt der Initiative gewonnen. Foto: Ellen Waldeyer

In Ovenhausen und Wehrden haben die Verantwortlichen ihre Projektbausteine vorgestellt und erste Erfahrungen aus dem Vorhaben geschildert (Bericht folgt).

Die GfW, Projektträger des Projektes SCS, hatte bereits im Vorfeld zusammen mit Landrat Friedhelm Spieker ein erstes Fazit des dreijährigen Leuchtturmprojektes gezogen. »Smart Country Side (SCS) setzt als Kooperationsprojekt der beiden Kreise Höxter und Lippe bundesweit neue Maßstäbe«, betont Landrat Spieker. »Andere Bundesländer und Regionen schauen mit großem Interesse auf unseren Kreis, in dem sich 16 Dörfer zum Ziel gesetzt haben, ihre Heimat fit zu machen für die digital vernetzte Zukunft«, ergänzt er.

Sechs Golddörfer

Sechs Golddörfer aus dem Kreis Höxter erproben seit Jahresbeginn mit ihren Dorfgemeinschaften digitale Anwendungen, die auf Dorfkonferenzen im Herbst 2017 gemeinsam diskutiert und beschlossen wurden. Dazu gehören eine digitale Dorf-Plattform, ein neuartiger Dorf-Hilferuf, eine Neuorganisation der Nachbarschaftshilfe unter dem Stichwort »Sorgendes Dorf«, eine digitale Kirchen-Plattform sowie eine smarte Bürgerhalle. Parallel dazu stärken 120 sogenannte Dorf-Digital-Experten aus 16 Dörfern seit Februar 2018 ihre digitale Kompetenz bei VHS-Schulungen und Fachveranstaltungen. Dafür wurden die GfW und VHS im Dezember 2018 mit dem DIE-Innovationspreis ausgezeichnet.

Martina Werdehausen, Dorf-Digital-Expertin und Teamleiterin der Caritas Konferenz aus dem SCS-Modellort Ovenhausen, präsentierte bei einer Medienveranstaltung bei der GfW und auch vor Regierungspräsidentin Thomann-Stahl die neue und mit viel ehrenamtlicher Arbeit prall gefüllte Website mit den integrierten Plattformen »Kirche« und »Sorgendes Dorf«. »Vertreter unserer Vereine und der Kirche, Interessensgruppen, die Caritas, alle haben sich zusammengesetzt und gemeinsam überlegt, wie sich das Dorf nach außen als digitales Dorf präsentieren möchte. Das hat unser Miteinander im Dorf gestärkt«, unterstreicht sie. Der Projektleiter digitale Dörfer des Fraunhofer Instituts IESE, Steffen Hess, zeigte den Anwesenden daraufhin den neuen DorfFunk, eine Art Messenger und digitaler Marktplatz fürs Dorf, den bereits 1300 Bürger in Höxter und Lippe begeistert nutzen, um Neuigkeiten im Dorf auszutauschen, auf Veranstaltungen aufmerksam zu machen oder Hilfe anzubieten.

Besonders erfreut zeigte sich Landrat Spieker von dem ehrenamtlichen Engagement der Röse-becker Bürger, die im Rahmen von SCS als eines der ersten Dörfer weit und breit ihre sehr gut genutzte Bürgerhalle mit smarter Steuerungstechnik ausgestattet haben. Markus Ehle, Projektmanager Smarte Halle und Josef Peine, Vertreter der Dorfwerkstatt, betonten die zahlreichen Vorteile, die sich für das Dorf durch die mobile Steuerung ergäben. Vor der Installation leistete das Dorf allein über 800 Stunden ehrenamtliche Arbeit zur Vorrüstung und investierte selbst 12.000 Euro, um sich den lang gehegten Wunsch zu erfüllen. Der Clou: Rösebeck berät selbstorganisiert auch die SCS-Modellorte Wehrden und Merlsheim, die ebenfalls eine Smarte Bürgerhalle erhalten und stehen anderen interessierten Dörfern als Showroom mit Rat und Hilfe zur Verfügung.

»Wir sind sehr stolz auf das, was das Projekt SCS in knapp drei Jahren erreicht hat«, fasst Landrat Spieker zusammen. »Unser Bundespräsident hat sich beim Besuch der Internationalen Grünen Woche über das Projekt informiert, die Dorf-Digital-Experten wurden von MdB Christian Haase im Bundestag vorgestellt. Ovenhausen ist vom Deutschen Caritasverband als bundesweiter Referenzort ausgewählt worden. Dies alles verdanken wir dem vorbildlichen Engagement unserer Bürger, die ihre Zukunft selbst gestalten wollen, aber auch dem Einsatz der GfW als Projektträger und der VHS«, fügt er hinzu.

Michael Stolte, Geschäftsführer der GFW ergänzt: »Durch unsere strategische Kooperation mit dem Fraunhofer IESE sind wir Teil eines wachsenden Netzwerkes von über 100 digitalen Dörfern bundesweit. Schon jetzt sind wir bis nach Berlin bekannt als Kompetenzregion für die Digitalisierung im ländlichen Raum.« Auf diesem Erfolg wolle man aufbauen«, erläutert Heidrun Wuttke (SCS-Projektreferentin).

»Zusammen mit den Kommunen und der VHS denken wir über eine Verbreitung und Verstetigung nach Projektende nach, das heißt, wir wollen 30 Dörfern im Kreis Höxter die Möglichkeit anbieten, ebenfalls die digitale Dorf-Plattform sowie digitale Anwendung zu erproben, um die Daseinsvorsorge und Teilhabe sowie das Miteinander vor Ort zu stärken.«

Kooperation mit Lippe

Das Projekt Smart Country ist ein Kooperationsprojekt der beiden Kreise Lippe und Höxter. Es wird aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (Efre) gefördert und ist eines von zehn Digitalisierungsprojekten des »Handlungskonzeptes OWL 4.0«.

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