Serie »Menschen 2019«: Jona Otte-Witte (18) läuft konsequent ohne Schuhe durch Höxter – mit Video
Immer barfuß: Wer ihn trifft, ist von den Socken

Höxter (WB). In Höxter ist Jona Otte-Witte eine kleine Berühmtheit. Der 18-jährige Abiturient fällt seit Jahren auf, weil er selbst bei Eis und Schnee in kurzen Hosen und barfuß unterwegs ist. Auch in die Schule geht er ohne Schuhe – mit Sondergenehmigung und Bescheinigung der Eltern.

Freitag, 07.06.2019, 22:45 Uhr aktualisiert: 08.06.2019, 00:00 Uhr

Jona Otte-Witte ist immer barfuß in Höxter unterwegs

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  • Jona Otte-Witte ist immer barfuß in Höxter unterwegs
Foto: Michael Robrecht
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Der bekennende Barfußläufer Jona gibt den Menschen zu denken. Provokation? Exzentriker? Echter Freigeist? Naturfreak oder einfach nur ein Junge, der anders ist als alle anderen? »Ich war durch die nackten Füße noch so gut wie nie krank. Ich fühle mich wohl, bin gerne im Wald und werde wegen Outfit und Angewohnheit so oft angesprochen, dass sich manch interessantes Gespräch ergibt«, berichtet der KWG-Schüler. Doch längst nicht alle Mitmenschen würden Kontakt suchen: Viele schauten verdutzt, wenn er barfuß an der Ampel stehe. »Ich kassiere nicht nur in der Schule dumme Sprüche, auch in der Stadt lästern einige und starren mich ungläubig an. Das macht mir aber nichts. Oft grinse ich nett zurück und laufe weiter«, schildert der Höxteraner.

Schuhe nur zum Tanzen

Dass das Barfußlaufen nicht jedermanns Sache ist, wisse er wohl. »Viele sind seit Jahren bei meinem Anblick von den Socken«, scherzt Jona. Er wolle auch nicht missionieren, sondern lediglich ein Bewusstsein dafür wecken, dass es auch ohne Schuhe geht: »Unten ohne ist sogar besser!« Nur beim Tanzen, Sport, Jobben im Supermarkt oder auf jeden Fall beim Abi-Ball in einigen Wochen trage er Schuhe. »Und da ich ab Januar als Zeitsoldat bei der Bundeswehr in Bückeburg bei den Jägern zur Grundausbildung einrücke, will ich üben, Stiefel zu tragen«, erzählt der junge Mann.

Orthopäden würden seit langem bekräftigen, dass Barfußlaufen die Muskulatur stärke und die Bewegungsabläufe beim Gehen verbessere: »Also, barfuß unterwegs zu sein ist gesund und ich kann mir das gar nicht mehr anders vorstellen«, meint Jona Otte-Witte, den viele aus dem Stadtbild kennen, wenn er cool mit seiner Posaune oder der Schultasche von der Grünen Mühle zum Gymnasium am Bielenberg unterwegs ist. Apropos Schule: Im KWG habe er sogar einen Lehrer, der auch jeden Tag barfuß in den Unterricht komme, sagt Jona. Der sei wie er.

Kellnerin lässt Bier fallen

Seine Eltern und die drei Geschwister tolerierten, dass er immer barfuß unterwegs sei. »Meine Mutter hat aber gesagt, dass der Spaß vorbei ist, wenn ich ständig krank würde. Dem war aber nicht so«, freut sich Jona Otte-Witte. Über die Reaktionen der Mitmenschen auf nackte Füße und kurze Hose – besonders im Winter – könnte man fast ein Buch schreiben: In einer Kneipe sei einer Kellnerin einmal vor Schreck das Biertablett herunter gefallen. Auch würde er angesprochen, ob er bedürftig sei und wo die nächste Kleiderkammer mit Schuhen sich befände. Einige wollten sogar spenden. Und auch Höxters Bürgermeister hat mit ihm besorgt schon ein paar Worte über das ungewöhnliche »Hobby« gewechselt.

»Ich falle immer auf«

Regelmäßigen Kontakt habe er mit der Polizei, die ihn auf seinem Roller gerne kontrolliere. »Ich bin wohl wirklich seit Jahren als ungewöhnlicher Zeitgenosse stadtbekannt«, grinst Barfußmann Jona schelmisch, und man sieht, dass ihn wenig belastet und vieles irgendwie auch amüsiert.

Nebenbei arbeitet Jona in einem Supermarkt: »Aber hier sind Schuhe schon aus hygienischen Gründen Pflicht«. Ob im Sommerurlaub in Südfrankreich oder auf Kursfahrt in Polen: »Ich falle immer auf und werde angesprochen, aber das gehört halt zu meinem Leben«, unterstreicht er.

Seinen Führerschein machte er in Sandalen. Er sei ein begeisterter Naturmensch auf nackten Sohlen: Mit Freunden übernachte er ab und zu im Wald, gerne genieße er den Godelheimer See oder wandere einfach mal barfuß los zum Weserskywalk bei Würgassen. »Ich träume von einer Blockhütte im Wald. Vielleicht miete ich später auch mal ein altes Forsthaus«, schwärmt der Barfüßler. Zuvor geht es aber zur Armee, zur Deutsch-Französischen Brigade nach Straßburg.

Jona Otte-Witte gehört keiner Barfuß-Bewegung an. Als Junge habe er Schweißfüße gehabt, gesteht er. Durch das Barfußlaufen habe er solche Probleme schon lange nicht mehr und habe sich daran gewöhnt. Übrigens gibt es im Internet Foren von Barfußläufern und reichlich Fuß-Gesundheitstipps: Barfußfan Jona liegt also voll im Trend – und ist natürlich unterwegs.

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