Museum im Adelshof in Höxter zeigt neue Ausstellung mit Werken von Jacob Pins
Stadt und Landschaft

Höxter (WB). Ein Künstler lässt sich immer wieder neu entdecken – und sei er auch noch so vertraut. Diesen Eindruck werden Jacob-Pins-Kenner aus der neuen Ausstellung in seiner Heimatstadt Höxter mitnehmen. Das ihm gewidmete Museum im Heisterman-von-Ziehlbergschen Adelshof präsentiert unter dem Titel »Stadt – Land – Wüste« eine Schaffenslinie, die zu betrachten aber auch all jene inspiriert, für die Jacob Pins und seine Kunst Neuland sind.

Montag, 03.06.2019, 06:38 Uhr aktualisiert: 03.06.2019, 06:50 Uhr
Fritz Ostkämper, Vorsitzender der Jacob-Pins-Gesellschaft, und Museumskuratorin Julia Diekmann haben die neue Ausstellung »Stadt – Land – Wüste« eröffnet. Die großformatigen Bilder mit Stadtansichten gehören zur Schau. Foto: Sabine Robrecht

Der Rundgang gerät zu einer spannenden Entdeckungsreise. Diese führt nicht nur in jene Landschaft in Palästina/Israel, die Jacob Pins (1917 bis 2005) nach seiner Flucht aus Nazi-Deutschland 1936 zur neuen Heimat wurde und die er während seiner gesamten Schaffenszeit immer wieder aufgreift, sondern auch in seine künstlerische Entwicklung.

Düstere Stimmung

Die Werkschau spannt einen Bogen über mehrere Jahrzehnte. Die Chronologie beginnt mit frühen kleinformatigen Werken von 1942. Die Holzstiche vermitteln eine eher düstere Stimmung. Sie nähern sich, so Museumskuratorin Julia Diekmann, an Pins’ Umgebung an. Die frühen Arbeiten seien beeinflusst von seinem Lehrer, dem aus Deutschland emigrierten jüdischen Expressionisten Jacob Steinhardt, und dessen Stil. Eines der größeren Werke von 1944 aus einer Reihe zum Thema Baum sei von altmeisterlichen Vorbildern wie Albrecht Dürer inspiriert.

Zwei in einer Vitrine direkt nebeneinander präsentierte Zeichnungen von 1942 und 1972 »zeigen dann sehr deutlich, wie er sich vom Naturalistischen löst«, erläutert die Museumskuratorin beim Rundgang durch die Schau. »Pins entwickelt neue Perspektiven.« Die asiatische Kunst, die er anfängt zu sammeln, sei neben dem Expressionismus der zweite große Einflusslinie bei Pins.

»Später beginnt er auch Landschaft in Gemälden festzuhalten«, beleuchtet Julia Diekmann die Zeit der 1960-er Jahre. »Eines der Hauptthemen dabei ist die Stadt Jerusalem beziehungsweise der Tempelberg mit der Kuppel des Felsendoms.« Die starke Farbigkeit fesselt den Blick. »Bewusst setzt Pins in diesen Bildern einen farblichen Kontrapunkt«, verweist Julia Diekmann auf ein Charakteristikum, das in einem der Werke der Schau in Gestalt dreier kleiner grüner Zedern rechts unten in dem großformatigen Bild mit seinen Rot- und Orangetönen ins Auge fällt. Die Experimentierfreude des Künstlers geht so weit, dass der Himmel über einer Stadtansicht auch schon mal grün ist.

Grüner Himmel

Schroffe, beklemmende Gebirgszüge umrahmen in einem Holzschnitt der neuen Ausstellung die Wüste. Hoffnungsvoller erscheint das Wüstenmotiv in einer großformatigen Kreidezeichnung Ende der 1980er Jahre.

Im Obergeschoss des Museums bleibt der Betrachter erneut vor der Silhouette mit Wahrzeichen Jerusalems stehen. »Ähnlich verfährt Pins mit der Stadt Akko«, verweist Julia Diekmann auf Arbeiten, die markante Bauten und den Hafen dieser bedeutenden Stadt im Norden Israels variantenreich in Szene setzen.

Der Holzschnitt »Akko ‘61« komprimiert die Wahrzeichen wie die Kuppel und das Minarett der Al-Jazzar Moschee und das Boot für den Hafen vor gelbem Himmel. Eine andere Zeichnung bringt die Fernsicht auf die Bucht zur Entfaltung.

Direkt unter der Zeichnung zeigt das Museum im gleichen Rahmen zwei Drucke dieses Motivs. Diese unterscheiden sich schon allein in der Farbe vonein­ander. Julia Diekmann: »Pins hat den selben Druck noch mal verändert.« Jedes Blatt sei mithin ein Unikat.

Unikate

In den Motiven dieser neuen Ausstellung spiegeln sich, wie die Museumskuratorin zusammenfassend konstatiert, die Auseinandersetzung des Malers und Holzschneiders mit den Städten und Landschaften sowie der Prozess des Ankommens in seiner neuen Heimat wider. Gleichzeitig lassen sich künstlerische Veränderungen nachvollziehen– etwa das Loslassen von seinem Lehrer Steinhardt. »Es ist auch für uns immer wieder erstaunlich, welche Bezüge und neuen Entdeckungen sich ergeben, wenn man eine Ausstellung zusammenstellt«, resümiert Julia Diekmann.

Die Schau im Jacob-Pins-Forum ist bis zum 29. September zu sehen. Öffnungszeiten: täglich von 10 bis 17 Uhr (außer montags).

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