Tag der Organspende am 1. Juni: Petra Kaiser wartet auf eine Niere
»Ich bin froh, dass ich lebe«

Höxter (WB). Wenn Petra und Klaus Kaiser an ihren bevorstehenden Urlaub in Scharbeutz denken, lächeln sie breit und schauen sich glücklich an. Dort können sie dem Alltag für einige Tage entfliehen, mit Hund Frodo am Strand spazieren gehen und Kraft tanken – für die Rückkehr nach Höxter.

Samstag, 01.06.2019, 10:22 Uhr aktualisiert: 01.06.2019, 14:18 Uhr
Eine Leber hat Petra Kaiser bereits transplantiert bekommen. Jetzt wartet die 53-jährige Höxteranerin auf eine Spender-Niere. Kraft geben ihr in ihrem Alltag ihr Ehemann Klaus (54) und ihr sechsjähriger Hund Frodo. Foto: Angelina Zander

Denn dort wartet die Dialyse im Ärztehaus in Höxter auf Petra Kaiser. Und dort steht die gepackte Reisetasche für den Fall, dass das Telefon klingelt. Die 53-Jährige wartet auf eine Spender-Niere. Ein vergleichsweise kleines Organ, das den Alltag der Höxteranerin voll im Griff hat. Umso größer ist die Freude auf den jährlichen Urlaub in Scharbeutz an der Ostsee. Dort werden die »Batterien aufgeladen«, wie ihr Ehemann Klaus (54) sagt.

Aber auch einige hundert Kilometer entfernt ist die Krankheit, an der Petra Kaiser leidet, präsent. Drei Mal in der Woche muss sie zur Dialyse. Eine Station sei in der Nähe, sagt Klaus Kaiser. »Um 6.15 Uhr werde ich abgeholt«, sagt Petra Kaiser. Dann dauere die Dialyse etwa viereinhalb Stunden, in den Ferien seien es auch schon einmal vier Stunden.

Zysten beeinträchtigen Nierenfunktion

Nach der Behandlung müsse sie sich hinlegen – sie ist eine starke körperliche Belastung. Kraft gibt ihr Frodo. Der sechsjährige Havaneser ist ein aufgeweckter Hund, mit dem sie nach der Dialyse auch mal auf dem Sofa kuschelt und sonst kleinere Spaziergänge unternimmt.

An ihrer Niere haben sich Zysten gebildet. Eine Krankheit, die sie von ihrer Mutter geerbt hat, die 2002 verstorben ist. Durch die Zysten ist die Nierenfunktion beeinträchtigt. Deshalb muss Petra Kaiser zur Dialyse und wartet auf ein Spender-Organ. Wie lange es dauern wird, bis das Telefon klingelt und die erlösende Nachricht kommt, weiß das Ehepaar Kaiser nicht. Auskunft über den Listenplatz oder die Wartezeit würden vom Krankenhaus nicht gegeben, so Klaus Kaiser.

Er selbst hatte bereits die Absicht, eine Niere an seine Frau zu spenden. Doch aus gesundheitlichen Gründen war dies bislang nicht möglich. Er nimmt zur Zeit Tabletten und hofft, irgendwann doch noch als Spender in Frage zu kommen. Für ein Gesetz, mit dem jeder Organspender wird, spricht sich das Ehepaar aber nicht aus. »Man kann niemanden dazu zwingen«, sind sie sich einig. »Ich würde mir wünschen, dass man sich damit auseinandersetzen würde«, sagt Klaus Kaiser.

»Freudentränen« beim Anruf

Für seine Frau Petra ist es nicht das erste Mal, dass sie auf ein Spenderorgan wartet. Der 53-jährigen Frührentnerin und gelernten Friseurin ist am 18. Dezember 2010 bereits eine Leber transplantiert worden. Auch hier hatten sich erblich bedingt Zysten gebildet. Wachsen diese, »verdrängen sie andere Organe im Bauchraum«, berichtet Klaus Kaiser. Den Anruf für die Organspende habe Petra Kaiser während des Umzugs in ihre erste gemeinsame Wohnung erhalten. »Ich hatte Freudentränen«, sagt die 53-Jährige. Kurz nach der Bestätigung, dass sie das Organ annehme, sei auch schon der Krankenwagen vorgefahren.

Die Genesung seiner Frau nach der ersten Transplantion hat Ehemann Klaus in guter Erinnerung: »Ich war erstaunt, wie schnell die Lebensgeister und die körperliche Fitness zurückkamen. Am dritten Tag lief sie schon wieder über den Flur.« Doch dann sei der Verdacht aufgekommen, »dass etwas nicht stimmt«, erinnert er sich. Kurz darauf wurde Petra Kaiser wieder in Vollnarkose gelegt, um den Verdacht zu überprüfen, der sich bestätigte. »Es hatte sich ein Blutgerinsel in der Leber-Arterie gebildet«, sagt der 54-Jährige. Noch vor dem neuen Jahr 2011 wurde seine Ehefrau ein drittes Mal operiert – und hat die zweite Spender-Leber bekommen. Das Organ wurde angenommen.

Damit sich das nicht ändert, nimmt Petra Kaiser am Tag zahlreiche Medikamente. Zusätzlich nimmt sie Tabletten für ihre Nierenerkrankung. Dass sie ein Spender-Organ hat, merke sie nicht. »Ich bin froh, dass ich lebe. Und wenn die Niere kommt, freue ich mich nochmal«, sagt Petra Kaiser. Die drei Operationen haben ihren Körper geschwächt. Vor allem die Nierenerkrankung belastet sie aber nun. Lange Spaziergänge oder Wäsche aus dem Keller holen, das ist ihr nicht möglich.

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