Neuer Prozess um Drogenplantage im Horrorhaus: Besitzer muss ein halbes Jahr weniger in Haft Hausverlust verkürzt Knastaufenthalt

Höxter-Bosseborn/Paderborn (WB/upf). Der Verlust eines Grundstücks kann für einen Straftäter positive Folgen haben. Das hört sich zwar etwas unlogisch an, ist aber von Justizia durchaus gewollt. Dachdecker Dave M. muss nun für die Drogenplantage in seinem Haus in Bosseborn ein halbes Jahr kürzer im Gefängnis schmoren – weil das Gericht das Anwesen einzieht.

Im HorrorhausDie Polizei hat im September 2017 eine Drogenplantage mit 1000 Cannabispflanzen im entdeckt.
Im HorrorhausDie Polizei hat im September 2017 eine Drogenplantage mit 1000 Cannabispflanzen im entdeckt. Foto: Timo Gemmeke

Sechs Monate Knast für 2000 Euro – eigentlich kein schlechter Deal für den Dachdecker, der vor zwei Jahren das so genannte Horrorhaus für diesen Preis gekauft hatte – und dann als »Hausherr« mitsamt einer Drogenbande aufflog, die dort im großen Stil Marihuana anbaute.

Haus für Drogenplantage zur Verfügung gestellt

Ein kurzer Blick zurück: Im vergangenen April verurteilte das Landgericht Paderborn den jetzt 52 Jahre alten Schotten zu sieben Jahren und zehn Monaten Haft, weil er das Haus für die Drogenplantage zur Verfügung gestellt und sich eine zehnprozentige Beteiligung am Erlös erhofft hatte. Ein paar hundert Gramm Marihuana zum Eigenkonsum und ein Mal 5000 Euro waren nach Worten des Schotten das Einzige, was er aus dem großen Geschäft an Vorteil gezogen hatte. Der Bundesgerichtshof hatte an dem Schuldspruch selbst nichts zu bemängeln: Dave M. sei Mitglied der Bande gewesen. Allerdings verwies das oberste deutsche Strafgericht die Sache doch zurück nach Paderborn: Die gerichtliche Einziehung des Grundstückes samt Bebauung müsse als wirtschaftlicher Nachteil des Angeklagten im Strafmaß seinen Niederschlag finden.

Gutachter gehen von 2000 Euro Marktwert des Hauses aus

Das tat es gestern. Die 2. Große Strafkammer beschäftigte sich deshalb unter anderem mit dem Wert des Anwesens im Saatweg 6. Gutachter hatten akribisch die Bausubstanz, deren Zustand und ihren Marktwert untersucht – mit interessantem Ergebnis. Das 1955 erbaute Wohnhaus befinde sich ebenso wie die weiteren, später errichteten Nebengebäude in einem schlechten Zustand, sei massiv renovierungsbedürftig. Zudem sei die Nachfrage auf dem Land preismindernd. Letztlich kam bei dem Gutachten ein reiner Wert des Anwesens von etwa 14.000 Euro heraus – jedoch bringt die Geschichte des Hauses eine weitere Wertminderung. Nach den Gewalttaten des »Folterpaares« Angelika und Wilfried W. gehen die Gutachter von einem Marktwert von etwa 2000 Euro aus. Das ist exakt der Preis, den Dave M. nach eigenem Bekunden im Januar 2017 den Eigentümern bezahlt hatte.

Ex-Dachdecker muss sich Langzeittherapie unterziehen

Die Strafkammer berücksichtigte dies in ihrem Urteil mit einer um sechs Monate auf sieben Jahre und vier Monate verkürzten Haftstrafe. Immerhin sei in dem Haus unter Mitwirken von Dave M. eine »hochprofessionelle Plantage« betrieben worden, »mit der große Mengen an Marihuana auf den Markt geworfen wurden.« Der Ex-Dachdecker muss sich zudem einer Langzeittherapie gegen seine Alkohol- und Drogensucht unterziehen. Das Urteil will er annehmen.

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