Österreicher lebt 40 Jahre in Höxter: Ziegenzüchter Norbert Guggenbichler holt ein Stück Tirol nach Lütmarsen
Deutschlands nördlichster Almauftrieb

Höxter/Lütmarsen (WB). Großer Bahnhof für die Lütmarser Ziegen. Die Frischluftsaison mit Almauftrieb beginnt am Samstag, 27. April. Die ostwestfälische »Alpsaison« soll erstmals mit einem öffentlichen Event gestartet werden. Hier darf gemeckert werden.

Samstag, 06.04.2019, 10:33 Uhr aktualisiert: 06.04.2019, 10:39 Uhr
Die Ziegen sind los in Lütmarsen: In diesem Frühling ist meckern erlaubt. Norbert Guggenbichlers Ziegenherde gilt als eine muntere Truppe. Am Samstag, 27. April, geht es bei »Deutschlands nördlichstem Almauftrieb« auf den Heiligenberg. Foto: Michael Robrecht

Ziegen in Höxter: Nördlichster Almauftrieb in Deutschland

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Als Almauftrieb, Alpaufzug oder Alpauffahrt wird der Marsch von Weidevieh auf Bergweiden, oft Almen genannt, bezeichnet. Nun sind die Wiesen am Heiligenberg zwischen Lütmarsen und Ovenhausen keine Almen und dort oben wohnen auch keine glockenbehangenen braunweißen Kühe oder gar Heidi, Peter und der grimmige Alm-Öhi. Dennoch war dem gebürtigen Österreicher Norbert Guggenbichler danach, ein bisschen heimatliche Alpenatmosphäre nach OWL zu exportieren. »Ich wohne schon 40 Jahre in Lütmarsen und möchte mit dem Almauftrieb etwas zum Thema Heimat beitragen«, sagt der 70-Jährige, der vor der Rente bei Getränke Waldhoff in Höxter als Fahrer gearbeitet hat. Und da es in Dalhausen bereits seit Jahrzehnten den bekannten Almabtrieb für bunt geschmückte Ziegen im Herbst gebe, wolle er in Lütmarsen erstmals einen Almauftrieb im Frühling mit weiteren Züchtern anbieten. »Schaun wir mal, ob ein paar Leute kommen, um unsere Ziegen beim Marsch vom Dorf zur Sommerweide unterhalb der Heiligenbergkapelle mit zu erleben. Wir bereiten die Premiere in diesen Wochen vor«, kündigt Guggenbichler an.

Ziegenweide auf Heiligenberg

Am 27. April um 14 Uhr soll am Westfriedhof Lütmarsen Abmarsch zum »nördlichsten Almauftrieb in Deutschland« sein. Wenn die Dalhausener mit dem »nördlichsten Almabtrieb« werben, dann muss Lütmarsen wohl der am weitesten im Norden gelegene Berg-Auftrieb sein.

Bei der Ziegen-Wanderung geht es den steilen Heiligenberg-Weg hinauf: am Wasserhäuschen, an der Kapelle mit den großen Bäumen und an der Jakobs-Weg-Hütte vorbei in Richtung Bergkuppe und Kapelle. Etwas Schmuck sollen die Ziegen und die dazugehörigen Böcke bekommen. Er selbst besitze 15 Tiere, weitere Lütmarser hätten ebenfalls Ziegen, die über den Winter in Stallungen im Ort lebten, schildert Norbert Guggenbichler. Seine Herde grase in den Sommermonaten immer auf der gut zehn Hektar großen Heiligenberg-Weide. Zu den steilen Hängen seien sie bisher leider immer unbemerkt emporgestiegen, meint Norbert Guggenbichler, dessen Tiroler Mundart auch nach vier Jahrzehnten in Höxter nicht zu überhören ist. Der Heiligenberg und die ihn umgebenen Täler seien ein Paradies für die Tiere und erinnere ihn immer ein bisschen an das Alpenland – nur das Glockengebimmel fehle noch.

Überhaupt existiert in Lütmarser in der Straße Große Breite ein Stück Tirol mitten im Corveyer Land. Zaun, Stallanbau, Ziegenstall im Garten und die bäuerliche Einrichtung mit viel Holz versetzen den Besucher ein wenig in Guggenbichlers Heimat Kaprun bei Zell am See in Österreich. »Meine Ziegen sind eine altösterreichische Bergziegenrasse, die sehr genügsam und widerstandsfähig ist«, erzählt der Züchter. Beim Nachwuchs freut sich Guggenbichler immer mal wieder über Zwillinge oder einmal sogar über Drillinge. »Hausvorstand« im Ziegenstall ist Bock Anton. Der kräftige Naturbursche, der von der Statur her eigentlich auch als Maskottchen für die Höxteraner Kaserne eine sehr gute Figur abgeben würde, lebt zumeist in einem Séparée, damit die überwiegend weiblichen Tiere der Herde Ruhe vor den stürmischen Dauer-Frühlingsgefühlen des Chefs haben. Wenn Bock »Anton aus Tirol« dürfte wie er wollte, dann wäre die Herde schon um einige Köpfe größer, scherzt der Lütmarser Ziegenzüchter.

Norbert Guggenbichler liebt seine Ziegenherde: Anton, Maja, Karlchen, Sissi: Alle haben einen Namen. Das Nesthäkchen ist der Mini-Bock Peter – der »Schwarze Peter« wegen seines dunklen Fells. Die Tiere sind überaus neugierig: Jeder Besucher wird genau begutachtet und beschnüffelt, an Hose und Jacke wird gezwickt.

Den Lütmarser Ziegenzüchtern, die ihr Vieh auf Sommerwieden unterbringen, liegt stets die Gesundheit der Tiere am Herzen. »Ein geälptes Vieh hat eine höhere Lebensleistung als ein nicht geälptes«, sagen Experten aus Österreich. Die Tiere kämen nach dem Sommer robuster vom Berg. Herz und Kreislauf, Muskulatur und Knochenbau würden durch den langen Aufenthalt im Freien gestärkt. Auch brauche der Züchter eigentlich nur für Wasser sorgen – und im Notfall etwas zufüttern.

»Kuh des kleinen Mannes«

Ziegen (»die Kuh des kleinen Mannes«) zählten in früheren Zeiten zum alltäglichen Bild in den Orten im Kreis Höxter. Jeden Morgen wurden in manchem Dorf mehr als 100 Ziegen, die man als Milchziegen hielt, von einem Hirten abgeholt, kamen jedoch in Dalhausen abends sogar allein von den Berghängen zurück ins Dorf. Jede Geiß wusste genau, in welchen Stall sie gehörte. Und daran erinnert der jährliche Almabtrieb der Erzeugergemeinschaft Bergwiesen. Stets erwartet den Besucher ein lustiges Spektakel, wenn Dutzende der meckernden Vierbeiner geschmückt durch den Ort geführt werden. Beim anschließenden gemütlichen Beisammensein kann jeder sich dann davon überzeugen, wie gut Fleisch und Wurst von der Ziege schmecken. In Höxter erinnert der »Ziegenberg«, oberhalb der Hochschule, an frühere Ziegenherden.

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