Kirchenchor Lüchtringen gestaltet besondere Kreuzwegandacht
Gedichte und geistliche Musik

Höxter (sos). Ergreifend, berührend, zu Herzen gehend: Der Kreuzweg mit 14 Chorälen nach Gedichten von Ruth Schaumann vergegenwärtigt das Leiden und den Tod Jesu. Am Passionssonntag, 7. April, fächert der Kirchenchor St. Johannes Baptist Lüchtringen den Kreuzweg in Höxter mit diesem besonderen Werk auf.

Donnerstag, 04.04.2019, 06:55 Uhr aktualisiert: 04.04.2019, 07:01 Uhr
Der Kirchenchor Lüchtringen intoniert in Höxter die 14 Choräle nach Gedichten von Ruth Schaumann. Foto: Klaus Trowe

Die Pfarrkirche St. Peter und Paul in Höxter bildet den Rahmen für diese bewegende Kreuzwegandacht. Beginn ist um 17 Uhr. Das Angebot richtet sich an den gesamten Pastoralverbund Corvey.

Der Kirchenchor Lüchtringen hat diese vierstimmige musikalische Passion von Hermann Simon bereits in verschiedenen Kirchen und Aulen aufgeführt. Sie gehört zu den größten, wertvollsten und anspruchsvollsten Werken des choreigenen Repertoires.

»Ich bin immer wieder berührt, obwohl ich es so oft schon gesungen habe«, betont Kriemhild Beverungen, erste Vorsitzende des Chores. Sie gehört dem Ensemble seit 52 Jahren an und schätzt diesen Kreuzweg, weil jedes Lied seinen eigenen Charakter hat. Und: »Texte und Lieder passen gut zusammen. Sie gehen ineinander über.«

Musik und Texte klingen lange nach

Unter der Leitung von Chorleiter Wilhelm Gickler haben die Sängerinnen und Sänger für den kommenden Sonntag intensiv geprobt. Zum ersten Mal intonieren sie dieses besondere Werk in Höxter. Diakon Erwin Winkler trägt die Texte von Ruth Schaumann (1899 - 1975) vor.

Diese klingen – wie auch die Musik – in den Zuhörern lange nach. Ruth Schaumann lässt die Zuhörer mitempfinden – mit Christus, der das unermessliche Leid auf sich nimmt, und auch mit seiner Mutter, Maria. Ihr ist die vierte Station gewidmet. Sie nimmt das Unfassbare hin. Vor allem Mütter sind an dieser Stelle im Herzen bewegt.

Im nächsten Augenblick holt Ruth Schaumann die Zuhörer ins Geschehen hinein. Simon von Cyrene hilft Jesus, das Kreuz zu tragen. »Das ist die Stelle, wo wir uns einfügen können, und wo du zugibst, dass man auch uns, selbst mit Gewalt, unter dein Kreuz stellt, wie Simon von Cyrene, den man an dieses Stück Holz gespannt hat.«

Den Blick nach vorne richten

Am Ende, an der 14. Station, als Jesus in das Grab gelegt wird, lässt die Autorin die »nahende Osterherrlichkeit« aufblitzen. Diese »wetterleuchtet« an jenem stillen Ort aus dem »Frieden der Vollendung« heraus. »Nacht wird helle, und das Siegel fällt! Auf die Schwelle tritt der Held«: Die Dichterin, Malerin und Bildhauerin richtet den Blick nach vorne – auf Jesu Sieg über Leid und Tod.

Getragen von dieser Hoffnungsbotschaft machte sich Ruth Schaumann um die Christliche Kunst verdient. Aufgrund einer Scharlacherkrankung verlor sie mit sechs Jahren ihr Gehör, besuchte auf Anregung eines katholischen Priesters 1918 die Münchener Kunstgewerbeschule und konvertierte 1924 aus eigenem Antrieb zum katholischen Glauben.

Ihre Schaffenskraft wurde in der NS-Zeit ausgebremst, ihre Werke wurden als entartet eingestuft. Nach Kriegsende konnte sie sich wieder ihrer Kunst widmen. Die Künstlerin ist mit vielen Auszeichnungen gewürdigt worden, unter anderem mit dem päpstlichen Ehrenkreuz Pro Ecclesia et Pontifice (1974).

Vielfältige Eindrücke durch die Kraft der Musik

Auch Hermann Simon (1896 - 1948), der die 14 Choräle schuf, erlitt in seiner Kindheit viele Schicksalsschläge. Nach dem frühen Verlust der Mutter lag er nach einem schweren Sturz mehrere Monate im Koma. Er wurde im Staats- und Domchor in Berlin musikalisch ausgebildet und setzte seine Ausbildung an der Staatlichen Hochschule für Musik fort.

1937 vertonte er die 14 Stationen nach Ruth Schaumanns Gedichten. Wie auch die Dichterin versetzte er sich in die Situation des anonymen Betrachters des Kreuzwegs. Die vielfältigen Eindrücke der Texte bereicherte er durch die Kraft der Musik.

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