Der Paderborner Kabarettist sinniert in Ottbergen über Himmel, Hölle und das Leben dazwischen
Warmduscher-Weisheiten von Erwin Grosche

Höxter (WB). Seit mehr als 40 Jahren steht er auf der Bühne, und mit dem »Warmduscherreport Vol.3« hat der Kabarettist Erwin Grosche noch einmal die Glanzstücke und Lieblingsszenen der vergangenen Jahre vorgestellt. Das Publikum feierte den Altmeister des skurrilen, feinsinnigen Humors am Samstagabend im »KuStall« in Ottbergen.

Dienstag, 02.04.2019, 16:09 Uhr aktualisiert: 02.04.2019, 17:54 Uhr
Nur nicht vor Glück die Nerven verlieren: In Ottbergen haben die Warmduscher-Weisheiten von Erwin Grosche im »KuStall« viel Anklang gefunden. Er sinniert über Himmel, Hölle und das Leben dazwischen. Foto: Iris Spieker-Siebrecht

Grosche ist Paderborner – das wird jedem Zuschauer schnell klar. Das Leben im Schatten des Doms, zwischen Becker und Drewermann, Palavermarkt und Riemekeviertel spiegelt sich in seinen Anekdoten und Geschichten.

Mit großer Beobachtungsgabe und subtilen Humor skizziert er das Leben und die Menschen in seinem ostwestfälischen Umfeld. »Im Gesicht werden sechsundzwanzig verschiedene Muskeln aktiviert, wenn ein Mensch lacht. Außer bei einem Paderborner. Da sind es zwei«, kennt er den introvertierten Humor der Westfalen.

Wunder und Wahnsinn liegen nah beieinander

Grosche ist der »kleine Mann von nebenan«, der im Alltäglichen das Besondere findet. Wunder und Wahnsinn scheinen manchmal ganz nah beieinander zu liegen. Kann Kuchen gesund sein? Und schmeckt der dann? Widerspricht das »gesund sein« nicht dem Daseinszweck von Kuchen? Und wie kommt man auf die Idee, aus den fünf Buchstaben des Namens einer Creme immer wieder neue Wortkreationen und Sätze zu bilden, die dann in »Nichts ist verloren, es atmet« gipfeln?

Wenn die Hölle die rote Socke in der Waschmaschine mit Kochwäsche ist, ein Freibad ohne Toilettenanlage oder aber Grosches von hinten beleuchtete Ohren, was ist dann der Himmel?

Alltagsgeschehen entwickelt sich zu absurden Situationen

Geht er zum Bäcker, hat Grosche stets die »Peter-Sloterdijks-Entspannungstasche« dabei, und seine Vorführung, bei der die Tragegriffe der Stofftasche, in der sich mehrere Bücher mit »schwerer Kost« befinden, ihn nicht hören, nicht sehen, nicht sprechen und als letztes kaum atmen lassen, ist sicherlich einer der Höhepunkte des Abends.

Erwin Grosche symbolisiert einen ganz eigenen Typus des Kabarettisten. Da steht er auf der Bühne, mit seinem komischen Anzug und den großen rollenden Augen, begleitet seine Erzählungen mit verschiedenen Instrumenten und singt auch immer mal wieder ein paar Zeilen.

Sein Humor ist in den wenigsten Fällen plakativ und beginnt meist im harmlosen Alltagsgeschehen, das Grosche mit unschuldigem Ausdruck im Gesicht zu unwahrscheinlichen und absurden Situationen entwickelt.

Ein Auftritt ohne Reißerisches und Drastisches

Sein Auftreten mutet fast schon ein wenig nostalgisch an, ein Grosche hat nichts Reißerisches oder Drastisches, wie es bei vielen »Comedians« zu finden ist. Immer wieder überraschend sind die Gedankengänge und Spitzfindigkeiten, die sich dem Zuhörer erst im zweiten Moment eröffnen.

Drei Sätze, mit denen man laut Grosche einen Großteil unnützer Kommunikation vermeiden könne, lauten: »Das hört man ja gern«, »Da sag ich nicht nein« und »Man macht schon was mit« – und so kommentierte er, mit einem Augenzwinkern, auch den lang anhaltenden Applaus, mit dem er zur Zugabe zurück auf die Bühne gerufen wurde.

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