Gartenschau gGmbH: neuer Informationsmarkt für Bürger in Höxter
LGS: Wettbewerb für Realisierung läuft an

Höxter (WB/rob). Der Aufsichtsrat der Landesgartenschau gGmbH hat bei der jüngsten Sitzung in Höxter einstimmig der Vorbereitung des Realisierungswettbewerbs für die LGS 2023 zugestimmt. Zudem will die gGmbH die Bürger regelmäßig aus erster Hand über den Fortgang der Planungen informieren.

Samstag, 02.03.2019, 12:36 Uhr aktualisiert: 02.03.2019, 12:40 Uhr
Die Höxteraner wollen die Begeisterung in der Bürgerschaft, so wie hier beim Besuch der Landeskommission, erhalten. Positive Stimmung muss über vier Jahre bis 2023 tragen. Foto: Besim Mazhiqi

gGmbH-Geschäftsführerin und Baudezernentin Claudia Koch gab zur Arbeit der Gesellschaft eine detaillierte Erklärung ab: »Am 25. Oktober 2018 wurde die Landesgartenschau Höxter 2023 gGmbH beim Amtsgericht Paderborn ins Handelsregister eingetragen. Seitdem ist die Geschäftsfähigkeit hergestellt und einiges in Gang gesetzt worden, um das Großprojekt von Beginn an auf einem guten und stabilen Fundament zu gründen.«

Bei der Durchführung von Großprojekten gelte immer wieder die gleiche Regel: »Eine gute Vorbereitung ist die halbe Miete und gut investierte Zeit. Wir versuchen von Anfang an, das Projekt im Detail durchzudenken. Hierzu gehört zum Beispiel eine umfassende Beteiligung und Abstimmung mit den zuständigen Fachbehörden und Beteiligten. Es wurden Gespräche mit der Boden-, der Garten- und der Baudenkmalpflege in Münster, der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung in Hannover und Hannoversch Münden, der Bezirksregierung in Detmold, den Wasser- und Landschaftsbehörden beim Kreis, in Detmold und Minden, Vertretern aus Landwirtschaft und Naturschutz, der Flotte Weser, Anliegern und Bewohnern aus Höxter geführt, um hier nur eine kleine Auswahl zu nennen.«

Koch sagte weiter: »Alle Informationen und Vorgaben aus den in den vergangenen Wochen und Monaten geführten Gesprächen werden aktuell zusammengestellt und dienen als fundierte Grundlage für den in diesem Jahr auszulobenden Realisierungswettbewerb. Aufgrund der gründlichen Abstimmung im Vorfeld, können wir den Planern detaillierte Vorgaben an die Hand geben, so dass die Wettbewerbsergebnisse nachher auch genehmigungsfähig und umsetzbar sind.«

Die Ergebnisse und Vorgaben aus umfangreichen Gesprächen wurden den Aufsichtsratsmitgliedern in der Sitzung erläutert. Auf dieser Grundlage haben die Mitglieder einstimmig der Vorbereitung des Realisierungswettbewerbs zugestimmt. Koch: »Gerne möchten wir die Bürger genauso, wie die Mitglieder des Aufsichtsrates, über die Ergebnisse der Abstimmungsgespräche informieren, die nächsten Schritte aufzeigen und als Ansprechpartner für Befürchtungen und Anregungen zur Verfügung stehen. Hierfür haben wir uns ein spezielles Dialogformat überlegt und laden ein, unseren Infomarkt Landesgartenschau zu besuchen. Der Infomarkt wird beginnend im April jeweils einmal im Monat an wechselnden Orten innerhalb des gesamten Stadtgebietes durchgeführt.«

Wie auf einem richtigen Markt können Besucher einfach nur gucken und schnuppern und sich über den aktuellen Stand des Projektes informieren oder mit Besuchern, die man zufällig auf dem Markt trifft über das Projekt ins Gespräch kommen. Zudem steht die Geschäftsführung, Mitglieder des Fördervereins und Mitarbeiter der Stadtverwaltung, wie bei einer Verabredung auf dem Wochenmarkt, zur Verfügung um individuelle Fragen gezielt zu beantworten oder abhängig vom Planungsstand an Themeninseln auch in Kleingruppen zu diskutieren. Nähere Informationen zu den Veranstaltungsterminen, -zeiten und -orten werden die Verantwortlichen Ende nächster Woche bekannt geben.

 

DIESE WOCHE

Debatte um Landesgartenschau: Höxter muss Kurs halten

Was ist denn plötzlich in Höxter in Sachen Landesgartenschau los? Warum wird eine irritierende Debatte losgetreten und geführt, die eher zum Grundsatzbeschluss des Rates im Frühjahr 2018 gepasst hätte. Mit viel Elan sind die Höxteraner vor einem Jahr in dieses Projekt gestartet: »Wir sind Landesgartenschau 2023«, frohlockten Politik, Verwaltung und Teile der Bürgerschaft enthusiastisch. Die LGS soll ein Motor für die Entwicklung der Stadt sein und Fördertöpfe öffnen, an die Höxter sonst nicht herangekommen wäre. Endlich fand sich ein Thema, bei dem alle gemeinsam an einem Strang ziehen. Innenstadt, Hotellerie, Gastronomie und auch die Nachbarorte dürften – wenn man nach Bad Lippspringe blickt – von den vielen Besuchern profitieren. Die Schau soll die Kreisstadt und auch das Welterbe Corvey aufblühen lassen. Das sind Aussichten. Doch der Burgfrieden hielt genau ein Jahr.

Niemand weiß, wie die Bürgerschaft votieren würde, wenn man über die LGS 2018 oder heute hätte abstimmen lassen. Gefühlt haben bislang die meisten Höxteraner in dem Millionenvorhaben eine zwar nicht billige, aber aus Wirtschaftsförderungsgründen für Höxter dringend notwendige Investition gesehen.

Und jetzt hört man von der SPD: »LGS – aber nicht um jeden Preis«. Das ist neu. Nur die BfH hatte 2018 wegen des fehlenden Finanzierungsplanes gegen die LGS gestimmt, unterstützt das Projekt aber heute. Es ist auch zu beobachten, dass an Stammtischen, in einigen Parteien und Vereinen hinter vorgehaltener Hand Zweifel an der LGS geäußert werden. Warum erst jetzt? Hat das wirklich mit sinkenden Gewerbesteuereinnahmen und vielen Millionenprojekten wie Bäder, Sport und Schule zu tun?

Erstaunlich viele LGS-Mitstreiter haben sich – nach den kritischen Äußerungen des SPD-Ratsfraktionsvorsitzenden Werner Böhler – öffentlich für die Gartenschau positioniert, sind bewusst in den Förderverein eingetreten und kündigten ihr Engagement an. Sie sehen, anders als der Urheber der Debatte, sehrwohl einen Tabubruch im großen Konsens pro LGS, der zum jetzigen Zeitpunkt ohne Not vom Zaun gebrochen worden ist und mehr Schaden anrichtet als Nutzen für die demokratische Debatte bringt. Auf viele – besonders in der NRW-Landesregierung, in Höxters Nachbarstädten und auch auf etliche Bürger – wirkt die Debatte zum jetzigen Zeitpunkt verwirrend und führt schnell zur Frage: Was wollen die Höxteraner eigentlich? Steht die Mehrheit noch zur LGS? Über die Heftigkeit der Reaktionen dürfte auch Werner Böhler überrascht gewesen sein.

Man fragt sich zudem, warum es bisher – wie bei den Bädern – kein Bürgerbegehren, eine Unterschriftenaktion oder politische Ratsanträge gegeben hat, wenn es doch angeblich so viel Skepsis oder offene Ablehnung gegenüber der LGS geben soll. Es gibt sogar einige, die spekulieren, was denn der strategisch tiefere Sinn der aufkeimenden Distanz von Teilen der SPD gegenüber dem Zukunftsprojekt Nr.1 in Höxter ist. Es werden doch wohl keine wahltaktischen Überlegungen für 2020 sein? Die SPD als Staubsauger für kritische LGS-Stimmen?

Wichtig ist, dass die LGS-Befürworter die aufkeimenden kritischen Positionen ernst nehmen und permanent informieren. Rat, Bürgermeister und Verwaltung müssen noch einmal unmissverständlich ihre Position für die LGS bestärken. Man hat sich übrigens 2018 politisch eindeutig für die Schau entschieden, immer im Wissen, dass andere Projekte dahinter zurückstehen könnten. Was geht und was nicht, muss frühzeitig entschieden werden. Zusammen mit dem Förderverein ist jetzt eine nachhaltige Informationskampagne zu starten. Die neue Internetseite ist ein attraktives Angebot, ebenso der geplante Infomarkt der gGmbH. Es muss eine LGS-Task-Force, ein Steuerungskreis, bei der Stadt endlich loslegen.

LGS: Das wird in Höxter eine »Dauerwerbesendung« bis 2023 werden müssen, um die Akzeptanz zu erhalten. Es darf kein Zweifel an der Ernsthaftigkeit der Pläne aufkommen. Sonst wird das nichts. Michael Robrecht

 

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