Gemeinde Ahmadiyya Muslim Jamaat möchte mit Kampagne im Kreis Höxter für friedlichen Islam werben
»Liebe für alle, Hass für keinen«

Höxter (WB). Die Gemeinde Ahmadiyya Muslim Jamaat (AMJ) startet eine Kampagne im Kreis Höxter mit dem Titel »Wir sind alle Deutschland«. »Angesichts des im Namen des Islam verübten Terrors fühlen wir uns als Muslime dazu verpflichtet, die Bevölkerung über Loyalität gegenüber Deutschland als Teil des Islams aufzuklären«, betonten die Verantwortlichen.

Freitag, 08.02.2019, 13:22 Uhr aktualisiert: 08.02.2019, 14:42 Uhr
Werben für einen friedlichen Islam (von links): Mohammad Yousef Nasir (Präsident der Gemeinde im Kreis Höxter), Lugman Shahid (Imam), Talhah Ahmad (Kampagnen-Sprecher) sowie einige Gemeindemitglieder. Foto: Dennis Pape

»Durch die Kampagne erhoffen wir uns, dass die Bürgerinnen und Bürger von der klaren Differenzierung zwischen Muslimen und fanatischen Extremisten erfahren und nicht aus Unkenntnis zu voreiligen Schuldzuweisungen und Vorurteilen neigen. Das wird ansonsten zur Spaltung der Gesellschaft beitragen – und das spielt nur den Extremisten in die Hände«, teilte Kampagnen-Sprecher Talhah Ahmad mit.

»Wir möchten mit möglichst vielen ins Gespräch kommen – vor allem mit besorgten Bürgern. Uns ist bewusst, dass beispielsweise Ereignisse im nahen Osten sowie die Flüchtlingskrise Fragen aufwerfen«, erläuterte der Imam Lugman Shahid. Die Botschaft der Gemeinde, die nach eigenen Angaben etwa 50 Mitglieder im Kreis Höxter hat, sei für sie auch die Zusammenfassung des Korans: »Liebe für alle, Hass für keinen.«

Sie sei die meist verfolgte muslimische Gemeinde

Die AMJ sei eine Reformbewegung im Islam, die 1889 in Indien gegründet worden ist und mehrere zehn Millionen Anhänger in mehr als 200 Ländern habe. Sie werde angesichts dessen, dass sie ihren Gründer Hadhrat Mirza Ghulam Ahmad als Propheten ansieht, und wegen abweichenden Lehrmeinungen von vielen Muslimen als nicht-islamisch abgelehnt. Sie sei sogar die meist verfolgte muslimische Gemeinde und werde in einigen Ländern religiös benachteiligt beziehungsweise verfolgt. In Pakistan wurden laut verschiedenen Medien sogar eigens Parteien gegründet, die sich den Kampf gegen den so genannten Qadianismus als Hauptbestandteil ihres Parteiprogrammes gemacht haben. Die pakistanischen Blasphemie-Gesetze verbieten es ihnen, sich als Muslime zu bezeichnen. Im Jahr 2010 starben bei einem Anschlag pakistanischer Taliban auf zwei Moscheen in Lahore 86 Menschen. »Das tut sehr wehr – denn wir stehen für einen friedlichen Islam«, sagte Lugman Shahid.

»Es gibt keinen Zwang im Glauben«

Dies wiederum lebe die Gemeinde auch in Deutschland nach Angaben des Imams vor, wie er betont: »Wir stehen dafür, dass Loyalität und Liebe zu dem Land, in dem wir leben, ein Teil unseres Glaubens ist. Außerdem gibt es keinen Zwang im Glauben. Auch dürfen wir laut Koran niemanden daran hindern, seine Religion zu verlassen.« Die AMJ trenne darüber hinaus auch strikt Religion und Staat – ihre mehr als 50 Moscheen seien von den Gemeindemitgliedern finanziert. Als einen wichtigen Punkt nannte der Imam auch die Gleichwertigkeit von Mann und Frau: »Beide haben bei uns das gleiche Recht auf Bildung.« Er betont aber auch: »Mann und Frau haben verschiedene Kräfte und Eigenschaften. Die Frau ist beispielsweise im Bereich der Erziehung talentierter. Die Verantwortungsrolle für die Welt draußen trägt eher der Mann.« Auf den Hinweis, dass Deutschland derzeit von einer Frau regiert wird, sagte er: »Diese Regierungsstruktur wird von unserem Islam akzeptiert, so lange sie funktioniert. Und sie funktioniert in Deutschland.« Der Islam und der Koran seien nicht reformierbar – doch die Menschen, die den Islam praktizieren seien dies.

Friedensbäume: Gemeinsam ein Zeichen setzen

Im Rahmen einer bundesweiten Aktion soll es laut Sprecher Talhah Ahmad zunächst einen Info-Stand in Höxter am kommenden Samstag auf dem Marktplatz von etwa 10 bis 16 Uhr geben. Außerdem sollen Flyer in 123 Ortschaften am 16. Februar verteilt werden. Auf diesem Flyer weisen die Mitglieder der AMJ auch auf die kostenlose Hotline unter Telefon 0800/2107758 hin. »Hier können rund um die Uhr und sieben Tage die Woche Fragen gestellt werden«, berichtet Ahmad. Darüber hinaus seien in Zukunft noch Informationsveranstaltungen geplant, deren Termine noch bekannt gegeben werden. Angedacht ist auch eine in anderen Städten Deutschlands bereits durchgeführte Pflanzung von Friedensbäumen. »Damit sollen Menschen aller Konfessionen gemeinsam ein Zeichen für den Frieden und ein gutes Miteinander setzen«, sagte Imam Lugman Shahid.

Kommentar von Dennis Pape

»Der Islam gehört zu Deutschland. Auch, weil er eine friedliche Religion ist, die andersgläubige sowohl akzeptiert als auch respektiert« – das ist eine der zentralen Botschaften, die die Ahmadiyya Muslim Jamaat Deutschland in Zukunft auch im Kreis Höxter verbreiten möchte. Die Mitglieder der Gemeinde haben gestern während eines Gespräches mit dem WESTFALEN-BLATT glaubhaft deutlich gemacht, dass es ihnen um einen Dialog geht, der Vorurteile abbauen und das Zusammenleben verschiedener Konfessionen sowohl »einfacher« als auch fruchtbarer im Sinne des Friedens machen soll. Dementsprechend wirbt die Ahmadiyya Muslim Jamaat auch für eine klare Differenzierung zwischen Muslimen und fanatischen Extremisten.

Fakt ist auch: Die Gemeinde setzt sich nach eigener Aussage dafür ein, dass Frauen dem Mann gleichgestellt sind – das ist lobenswert und eine zumindest nicht für alle islamischen Gemeinden typische Entwicklung. Und dennoch wird im Laufe der Gespräche mit Vertretern der Bewegung auch deutlich, dass beispielsweise das Frauenbild nicht in allen Punkten mit den Werten des christlich geprägten Deutschlands konform geht. Dass Frauen unter anderem auch in Moscheen der Ahmadiyya Muslim Jamaat getrennt von Männern beten, wird mit Tradition und aus dem Koran abgeleiteten Vorgaben begründet. Passt das zu Deutschland? Die geplante Kampagne zeigt, dass Muslime sich durchaus zu Deutschland sowie deutschen Werten bekennen – einen ganzheitlich reformierten »deutschen« Islam wird es aber nicht geben. Die Gemeinde setzt dennoch ein Zeichen für Nächstenliebe sowie gegenseitiges Verständnis und geht einen wichtigen Schritt zu mehr Akzeptanz. Es ist aber lediglich ein Schritt auf einem langen Weg – und doch gebührt gerade denen Respekt und Anerkennung, die sich im Sinne des Weltfriedens bewegen wollen.

 

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