Ansgar-Vesper in Corvey: Generalleutnant Rieks hält fesselnde Ansprache zur Zukunft der Kirchen
Kirche: »Wandel oder Bedeutungslosigkeit«

Höxter (WB). »Werte sind wichtiger denn je. Das war für Ansgar so, und es gilt auch heute.« Mit dieser klaren Positionierung hat Generalleutnant Dr. Ansgar Rieks am Sterbetag seines Namenspatrons an dessen ehemaliger Wirkungsstätte, dem heutigen Welterbe Corvey, eine Wertediskussion und ein gemeinsames entschlossenes Handeln im Sinne des Missionsauftrags aus dem Matthäus-Evangelium gefordert.

Dienstag, 05.02.2019, 11:37 Uhr aktualisiert: 05.02.2019, 15:42 Uhr
Das prachtvolle barocke Ansgar-Reliquiar in Form einer Erzbischof-Büste wird nur am Namenstag des Corveyer Mönchs und Erzbischofs von Hamburg, St. Ansgar, am 3. Februar, auf dem Altar gezeigt. Foto: Michael Robrecht

Ansgar-Vesper in Corvey: Rede von General Rieks

1/26
  • Ansgar-Vesper in Corvey: Rede von General Rieks
Foto: Michael Robrecht
  • Foto: Michael Robrecht
  • Foto: Michael Robrecht
  • Foto: Michael Robrecht
  • Foto: Michael Robrecht
  • Foto: Michael Robrecht
  • Foto: Michael Robrecht
  • Foto: Michael Robrecht
  • Foto: Michael Robrecht
  • Foto: Michael Robrecht
  • Foto: Michael Robrecht
  • Foto: Michael Robrecht
  • Foto: Michael Robrecht
  • Foto: Michael Robrecht
  • Foto: Michael Robrecht
  • Foto: Michael Robrecht
  • Foto: Michael Robrecht
  • Foto: Michael Robrecht
  • Foto: Michael Robrecht
  • Foto: Michael Robrecht
  • Foto: Michael Robrecht
  • Foto: Michael Robrecht
  • Foto: Michael Robrecht
  • Foto: Michael Robrecht
  • Foto: Michael Robrecht
  • Foto: Michael Robrecht

Für den gebürtig aus Nieheim stammenden stellvertretenden Inspekteur der Deutschen Luftwaffe war es, wie er in der Abteikirche Corvey vor großem Auditorium bekundete, eine besondere Freude und Ehre, am Sterbetag des Heiligen und zugleich seinem Namenstag die Festansprache zur ökumenischen Ansgar-Vesper zu halten. Das Leitwort der Feierlichkeiten, »Wissen - Werte - Wandel«, fächerte der im Zentralkomitee der deutschen Katholiken engagierte Redner anhand des Wirkens St. Ansgars, der als Apostel des Nordens und als erster Hamburger Erzbischof Weltgeschichte geschrieben hat, mit Tiefgang und Leidenschaft auf.

Klarer Wertekompass

Der Heilige habe mit Mut, Entschlossenheit und einem klaren Wertekompass den Grundstein für den christlichen Glauben in Nordeuropa gelegt. Der Missionsauftrag Jesu, dem Ansgar sich verpflichtet sah, sei auch für uns heute eine zentrale Aufgabe, betonte Dr. Rieks. Allerdings fehle ihm, wie der 59-Jährige bekannte, an der Spitze der katholischen Kirche in Deutschland und auch bei den Gläubigen an der Basis der Bekennermut. Zaghaftigkeit allenthalben. Diese Vorsicht reiche sogar schon so weit, dass wir am Rande des missionarischen Engagements angekommen seien. »Nur dann geht der Same auf, wenn er manchmal auch gegossen wird. Und das muss bei weitem nicht nur die kirchliche Berieselungsanlage sein, sondern auch die private Gießkanne daheim, im Dienst oder privaten Umfeld«, rief der Bundeswehrgeneral zum Handeln auf.

Hier könne Ansgar ein Vorbild sein: »Seine Fundamente waren Glaube, Menschlichkeit und der Missionsauftrag – gepaart mit einer Portion Mut, Engagement und Gottvertrauen. Ich glaube, diese Mischung macht`’s.« Getragen von dieser festen Überzeugung legte einer der ranghöchsten Bundeswehroffiziere seinen Zuhörern eine zentrale Frage ans Herz: »Wollen wir unseren Kindern nicht so ein Fundament geben, um in der sich schnell verändernden Welt einen festen Punkt zu haben?« Für diesen Kompass sei eine politische, historische und ethische Bildung gefragt. Religion gelte es in die Bildungsabschnitte der Menschen einzufügen. Und: Erziehung und Führung tue not, um im Umgang der Menschen miteinander und bei den Wertmaßstäben eine gemeinsame gesellschaftliche Linie zu finden.

Um diesen Konsens zu erreichen, hätten auch die christlichen Kirchen einheitlich und ökumenisch ihre Hausaufgaben zu machen und Lösungen für die Themen dieser Zeit anzubieten. Angst vor der Ungewissheit der Zukunft führe zu Demonstrationen gegen Ausländer, gegen Fremde und manchmal gegen den Staat. »Geben wir den Menschen wieder eine Werte-Heimat und wieder Gewissheiten. Und bemühen wir uns um gemeinsame christliche, ethische und kirchliche Bewertungen in einer sich schnell entwickelnden Zeit im Wandel.«

Beim Blick in die eigene - katholische - Kirche forderte der Festredner angesichts der drängenden Grundfragen wie Priesterbild und Weiheamt, Mitbestimmunsgrechte, Zölibat, Frauenamt, Sexualmoral und Formen des Zusammenlebens eine grundlegende Diskussion. »Ich bin für eine starke Einbeziehung der Laien, für eine Ergebnissuche und dann für ein Mehrheitsprinzip in der Deutschen Bischofskonferenz.« Die tiefe moralische Krise angesichts des Missbrauchs könne nur durch das offene Aufgreifen eines jeden Falls geheilt werden. »Aber eine grundlegende innerkirchliche Reform muss damit einhergehen.« Sonst drohe die Gefahr, »dass unsere Kirchen als moralische Instanz ihre Daseinsberechtigung verlieren.«

Kirchen am Scheideweg

Unsere Kirchen seien am Scheideweg – Wandel oder Bedeutungslosigkeit, das sei die Wahl. Strukturen und Prozesse zu optimieren, reiche aber nicht aus. Ansgar Rieks brachte an dieser Stelle wieder den Missionsauftrag ins Spiel, als er einen eindringlichen Appell an seine Zuhörer richtete. »Menschen suchen heute mehr denn je nach Identität. Zeigen wir ihnen die unsrige und dazu das, was uns trägt. Bieten wir ihnen an, in unsere Christengemeinschaft zu kommen. Wir müssen sie dann allerdings auch leben und gestalten.« Hier sei jeder an seinem Platz – Hauptamtliche und Laien – gefragt. Jenseits von Trennung von Kirche und Staat gelte christliche Werte zu definieren und politisch einzubringen. Die mahnenden Worte klangen bei den Zuhörern lange nach.

Die musikalisch von den Instrumentalisten Helene Braun (Keyboard), Arne Kienzler (Cello) und Dominik Balduin (Orgel) sowie dem Kirchenchor St. Cäcilia Höxter würdevoll gestaltete Vesper zu Ehren von St. Ansgar stand im Zeichen der Ökumene.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6371701?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198395%2F2516020%2F
Aktivisten steigen Tönnies aufs Dach
Aktivisten vom „Bündnis Gemeinsam gegen die Tierindustrie” haben die Einfahrt der Firma Tönnies besetzt. Vier Aktivisten haben sich mit Fahrradschlössern um den Hals angekettet und sitzen vor den Transparenten. Foto: dpa
Nachrichten-Ticker