Party am Maifeiertag: Streit wird vor Amtsgericht aufgearbeitet - Verfahren eingestellt und Sozialstunden für 19-Jährigen Messerattacke bei Maisause am Godelheimer See

Höxter/Godelheim (WB). Am Godelheimer Freizeitsee ist es am 1. Mai zu einem Messerangriff gekommen. Das Opfer erlitt eine Stichwunde durch die Hand und eine Stichverletzung am Oberschenkel. Das Amtsgericht Höxter stellte jetzt das Verfahren gegen den Angeklagten jetzt ein.

Von Julia Heine
Maisause 2018: Hunderte junge Maiwanderer mit Bollerwagen feiern am 1. Mai jedes Jahr am Godelheimer See bei Höxter.
Maisause 2018: Hunderte junge Maiwanderer mit Bollerwagen feiern am 1. Mai jedes Jahr am Godelheimer See bei Höxter. Foto: M. Robrecht

»Der Angeklagte griff von hinten an. Zuerst packte er das Opfer an der Schulter – es sah ein wenig so aus, als würde er meinen Freund umarmen wollen. Erst im nächsten Moment haben wir bemerkt: Der Angreifer hat auf seine Hand und seinen Oberschenkel eingestochen«, schildert ein Zeuge den Tathergang am Rande der Maisause am See bei Höxter, wo jedes Jahr am Maifeiertag 1500 überwiegend junge Leute mit Bollerwagen feiern. Der junge Mann habe dabei lautstark »Ich bringe dich um« gerufen und sei anschließend geflüchtet. Der genaue Ablauf konnte in der Gerichtsverhandlung nicht geklärt werden, denn der Angeklagte schilderte die Tat ganz anders, als das Opfer und seine zwei Zeugen.

Laut Täter habe er das Opfer nur flüchtig gekannt, auf dem Weg zum See sei es dann zu Beleidigungen ihm gegenüber gekommen. Als er dann bemerkte, dass das Opfer ihn angreifen wollte, habe er zunächst die Flucht ergriffen. »Beim Weglaufen habe ich dann ein Messer gesehen, das zwischen Grillbesteck am Straßenrand lag«, schildert der Beverunger weiter. Das habe er sich gegriffen und in seiner Hand behalten. Als das Opfer ihn letztlich doch zu greifen bekam und zu Boden riss, habe er sich nicht anders befreien können, als zuzustechen. Anschließend sei er geflüchtet. Dass er das Opfer verletzte hatte, sei ihm nicht bewusst gewesen.

Flüchtiger Kontakt zur Schwester

Warum die Gruppe ihn zuvor beleidigt hatte, wüsste er nicht. Ihm sei lediglich bekannt, dass das Opfer flüchtigen Kontakt zu seiner Schwester gehabt habe und die Nachrichten bedrohlich gewirkt hätten.

Das 19-jährige Opfer, das in dem Prozess als Nebenkläger auftritt, konnte Licht ins Dunkel bringen. »Ich habe ein Jahr lang eine Beziehung mit der Schwester des Angeklagten geführt, Anfang des Jahres haben wir uns friedlich getrennt.« Der Grund der Trennung sei insbesondere die Familie seiner Exfreundin gewesen. Der Angeklagte habe von der Beziehung gewusst.

Staatsanwältin Franziska Haarig betitelte beide Varianten des Geschehens als »wenig überzeugend«. Insbesondere, weil das Opfer betonte, die geschädigte Hand »locker am Oberschenkel« gehalten zu haben. »Wie ein Stich, der die Hand durchstoßen hat, zugefügt werden konnte, wenn diese locker gehalten wird, ist mir rätselhaft«, betonte auch Richterin Christina Brüning. Sie verwies außerdem auf widersprüchliche Aussagen der beiden Zeugen.

Wenig glaubhafte Aussagen

Die Schilderungen des Täters, der auf Notwehr plädierte, sorgten ebenfalls für Zweifel. »Es ist schon reichlich komisch, dass man beim Weglaufen noch Zeit hat, ein Messer auf dem Boden zu suchen«, merkte die Staatsanwältin kritisch an. Ebenfalls sei es unglaubwürdig, dass der Täter das Opfer, trotz der einjährigen Beziehung mit seiner Schwester, nicht näher gekannt haben will.

Aufgrund der wenig glaubhaften Aussagen wurde das Verfahren schließlich eingestellt. »Damit bin ich selbstverständlich nicht zufrieden, wir sprechen hier schließlich von einer schweren Körperverletzung und einem angedrohten Verbrechen«, kritisiert Ralf Meyer, Vertreter des Opfers.

Der Angeklagte muss 120 Sozialstunden leisten und die Kosten des Verfahrens tragen. Der zivilrechtliche Prozess steht noch aus

Kommentare

Messerstecherei

Ist doch wohl ein Witz, mehrfach zugestochen und nicht mal 6 Monate Haft? Ansonsten ist unser Amtsgericht doch immer knallhart und verteilt Haftstrafen selbst für Lappalien. Die scheinen nie das rechte Maß zu finden.Wer überwacht diese Beamten eigentlich, haben die hier Narrenfreiheit?

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