Uralte Weinsorte Orleans trägt in Höxter erstmals Trauben – Fallerslebens liebster Wein
Orleans: Altes Tröpfchen vom Hexenstieg

Höxter (WB). Der Orleans ist eine nahezu ausgestorbene sehr alte Weißweinsorte, die bis ins 19. Jahrhundert in Deutschland verbreitet war. In Höxter wachsen im neuen Weinberg am Hexenstieg ein Dutzend Reben – und die tragen jetzt erstmals Trauben.

Dienstag, 18.09.2018, 10:03 Uhr aktualisiert: 18.09.2018, 10:54 Uhr
Weinfachmann Michael Rindermann zeigt stolz die Trauben am Orleans-Weinstock im Räuschenberg-Weinberg. Foto: Michael Robrecht

Der Corveyer Weinhändler Michael Rindermann, der den Weinberg federführend betreut, ist sehr stolz, dass diese alte Sorte in Höxter wieder heimisch ist. Wohl wie vor 300 Jahren – als der barocke Weinberg des Corveyer Fürstabtes in voller Blüte stand. Der Orleans gedeiht neben fast 90 anderen Weinstöcken: der roten Regenttraube und dem weißen Phönix, die 2018 für eine Rekordernte sorgten (wir berichteten).

Nach drei Jahrhunderten schlägt die Corveyer Weingeschichte ein neues Kapitel auf. Michael Rindermann entdeckte im Rheingau die alte Rebsorte: Der weiße Orleans, im Mittelalter eine der beliebtesten Reben, erlebe in Deutschland zurzeit eine Renaissance, sagt er. »Ich habe lange nach einer Sorte gesucht, die den Geschmack des Mittelalters widerspiegelt«, freut sich der Händler über den Orleans.

Benediktiner- und Zisterziensermönche kultivierten den Wein

Kaiser Karl der Große, 797 und 797 mit seinem Heerlager in Herstelle, soll einst die Rebsorte von Frankreich an den Rhein gebracht haben. Benediktiner- und Zisterziensermönche kultivierten den Wein. Und so ist auch die Verbindung zum Welterbe Corvey hergestellt: Schließlich hat Ludwig der Fromme, fränkischer Kaiser und Sohn Karls des Großen, das Kloster 822 gegründet. »Es ist sehr gut möglich, dass dort schon mit einem guten Orleans angestoßen wurde«, ist Rindermann sicher.

Der Orleans galt seit Anfang des 20. Jahrhunderts als ausgestorben (1921 letzte Flasche gekeltert). Die Reblaus machte den historischen Weinsorten den Garaus, von einst 400 Sorten blieben nur zwei Dutzend übrig. Außerdem änderte sich der Geschmack, der beliebter werdende Riesling verdrängte den schweren Orleans. 1988 wurden die letzten Flaschen aus dem Klosters Eberbach versteigert.

Trauben gedeihen in sonniger Lage am Räuschenberg

Die weißen Orleans-Trauben gelten als frisch, elegant, säurereich und vor allem als deutlich länger haltbar. »Dieses Rebsorte entfaltet im Gegensatz zu heutigen Weinen ein neutrales Bukett und ist sehr lagerfähig, ohne dass sich das Aroma verändert«, betont Weinhändler Rindermann.

Aufgrund tief greifenden Wurzelwerks wachsen die Reben auch noch auf sehr trockenen Felspartien. »Der Orleans ist eine Traube der Warmzeit«, sagt Michael Rindermann, der zuversichtlich ist, dass die Trauben in sonniger Lage am Räuschenberg weiter gut gedeihen können. Denn der Klimawandel mache es möglich.

Und es gibt noch einen Bezug zum Orleans, der auch im Corveyer Weinhaus verkauft wird: Deutschlandlieddichter Hoffmann von Fallersleben, 1860 bis 1874 Bibliothekar in Corvey, trank gerne Orleans-Wein. In seinem Arbeitszimmer in der Fürstlichen Bibliothek im Schloss steht neben dem Hoffmann-Bild eine Original-Orleans-Weinflasche mit Etikett von 1857, dem Jahr, wo erstmals in Deutschland Etiketten auf Weinflaschen kamen. Michael Rindermann weiß, dass Fallersleben auch Etiketten sammelte.

Orleans ist ein Wein der Künstler: Komponist Beethoven hat ihn sich ans Totenbett bringen lassen. Ralf Pankoke von der Hochschule OWL in Höxter untersucht im Rahmen seiner Doktorarbeit, wann und wie am Räuschenberg in Höxter in der Vergangenheit Wein angebaut wurde. Auch da wird der Orleans zum Thema.

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