Nato probt Ernstfall: In Lettland üben 27 Soldaten aus Höxter die Abwehr russischer Truppen
Angst vor Invasion: Säbelrasseln im Baltikum

Höxter (WB). In Lettland läuft eine internationale Militärübung mit Beteiligung von Bundeswehr-Soldaten aus Höxter. Truppenteile aus zwölf Ländern zeigen in der Militärbasis in Adazi beim Manöver »Summer Shield«, dass sie die baltischen Alliierten im Ernstfall gegen mögliche russische Angreifer unterstützen können. Aus Höxter nehmen 27 Soldaten am Manöver teil.

Mittwoch, 20.06.2018, 18:37 Uhr aktualisiert: 20.06.2018, 18:40 Uhr
Durchgespielt wird bei den aktuellen NATO-Manövern in Lettland die Abwehr einer möglichen russischen Invasion des Baltikums. Auch die Höxteraner ABC-Abwehrsoldaten sind Teil des Manövers bis 20. Juni. Die westlichen Truppen (Foto) sind stark verstärkt worden.

Außergewöhnlicher Einsatz

Neben Einheiten aus Deutschland, den USA, Großbritannien und Kanada sind nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Riga auch Einheiten aus Estland, Litauen, Bulgarien, Rumänien, Luxemburg, der Slowakei und Schweden nach Lettland gekommen. Das Manöver findet seit 2004 jährlich statt. Die Bundeswehr stellt rund 100 Kräfte ihrer ABC-Abwehrtruppe. Vom 30. Mai bis 20. Juni sind darunter fast drei Dutzend Soldaten des ABC-Abwehrbataillons 7 aus Höxter, wie ein Sprecher des Bataillons gestern dem WESTFALEN-BLATT bestätigte.

Die Höxteraner sind mit ihrer persönlichen Ausrüstung nach Lettland geflogen, Fahrzeuge wurden nicht verschifft. Für die Truppen aus der General-Weber-Kaserne, die schon in Kuwait, auf dem Balkan, in Mali, an der syrisch-türkischen Grenze oder in Afghanistan im Einsatz sind und waren, ist ein Einsatz nahe der russischen Grenze zu diesen Zeiten etwas Außergewöhnliches, wie aus der Kaserne zu hören ist.

Höxter leistet Beitrag

Höxters Kommandeur, Oberstleutnant Marc Michalek, hatte schon im Januar für 2018 Auslandseinsätze mit Höxteraner Personal in den baltischen Staaten im Rahmen der Nato-Verstärkung angekündigt. Die Bundeswehr wird sich 2018 mit dreimal so vielen Soldaten an Militärmanövern zur Abschreckung Russlands beteiligen wie im vergangenen Jahr, und Höxter leistet seinen Beitrag.

Bei »Summer Shield« trainierten NATO-Soldaten mit Kameraden aus Finnland, Lettland und Litauen schwerpunktmäßig die integrierte und koordinierte Feuerunterstützung im Rahmen von militärischen Bodenoperationen. Gefordert sind vor allem die Kampfunterstützungselemente. Die etwa 7950 Hektar große Ādaži Training Area liegt in der Nähe des lettischen Distriktzentrums Ādaži (deutsch: Neuermühlen). Die Hauptstadt Riga ist ungefähr 25 Kilometer entfernt.

Großaufgebot im Baltikum

Fast zeitgleich läuft auch das NATO-Großmanöver »Saber Strike« (Säbelschlag). Dort trainieren 18.000 Soldaten aus 19 Nato-Staaten einen Monat lang in Polen, Litauen, Lettland und Estland. Die NATO-Manöver seien eine Provokation während Russland die Fußball-WM ausrichte, kritisierte der russische Generalleutnant Juri Netkatschew. Laut westlichen Medien werden für die Manöver 3000 US-Soldaten samt 1500 Ketten- und Radfahrzeugen aus der Bundesrepublik nach Litauen und Lettland verlegt. Zum einen werden etwa 2000 Fahrzeuge für ein Nato-Manöver im Baltikum aus den südlichen Bundesländern durch Ostdeutschland geführt. Parallel dazu werden 1400 US-Fahrzeuge, die im belgischen Antwerpen eingetroffen sind, nach Polen verlegt. Die Kaserne Augustdorf diente als Zwischenstopp für einen Großkonvoi.

Tag der offenen Tür bei Abwehrbataillon

Dass westliche Militäreinheiten unweit der russischen Grenze stationiert sind, ist inzwischen zu einem Dauerzustand geworden – obwohl dies gegen alle Vereinbarungen zwischen Russland und der Nato verstößt. Die baltischen Staaten haben Angst, dass Russland bei einem Angriff binnen weniger Stunden die Länder besetzt und die Ostsee erreicht. 2017 hatte die russische Militärübung »Der Westen-2017« mit 100.000 Soldaten die Bevölkerung im Baltikum verunsichert.

Das ABC-Abwehrbataillon 7 ist dieses Jahr 25 Jahre in Höxter stationiert. Das will die Truppe feiern. Im Herbst ist ein Tag der offenen Tür geplant. 16 Millionen Euro werden in Um- und Neubauten in der Kaserne gesteckt.

 

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