Ambulante Lesung der Märchengesellschaft bietet facettenreiches Erlebnis Bunter Strauß literarischer Leckerbissen

Höxter (WB). Ein lebendes Literaturhaus: Das ist die Volkshochschule in Höxter am Freitagabend wortwörtlich gewesen. Elf Autoren zahlreicher Genres gaben zeitgleich Lesungen, die Zuschauer hatten die freie Wahl und wanderten von Raum zu Raum – ähnlich wie bei einer Buchmesse. Ein ganz neues und experimentelles Format im Rahmen der Lit.Höxter 2, das auf Anklang stieß.

Von Greta Wiedemeier
Gelungener Abend: (hinten von links) Uwe Frenzel (Märchengesellschaft Höxter), Josef Schäfer, Norbert Radler, Werner Pfeil, Ute Aland, Ernst von Wegen, Rainer Schwiete (Leiter der VHS), (vorne von links) Gunda Mayer (Märchengesellschaft), Marie »RieCa« Methfessel, Wolfgang Bellmer, Christiane Höhmann, Anke Ostwald-Meier, Peter Wierichs und Lilu Sterzik (Märchengesellschaft).
Gelungener Abend: (hinten von links) Uwe Frenzel (Märchengesellschaft Höxter), Josef Schäfer, Norbert Radler, Werner Pfeil, Ute Aland, Ernst von Wegen, Rainer Schwiete (Leiter der VHS), (vorne von links) Gunda Mayer (Märchengesellschaft), Marie »RieCa« Methfessel, Wolfgang Bellmer, Christiane Höhmann, Anke Ostwald-Meier, Peter Wierichs und Lilu Sterzik (Märchengesellschaft). Foto: Greta Wiedemeier

Von verschiedenen Krimivarianten über gesellschaftskritische Romane bis zu Märchen: Die Veranstaltung hatte ein breit gefächertes Repertoire zu bieten. Jeweils 30 Minuten hatten die Veranstalter von der Märchengesellschaft Höxter für die einzelnen Lesungen veranschlagt. Anschließend konnte eine Viertelstunde munter diskutiert und verkauft werden, bevor ein Gong zum Aufbruch in einen der anderen Räume verleitete.

Autoren und ihre Krimis

Ernst von Wegen las aus seinem neuesten Werk »Maiglöckchen-Blues«. Der Holzmindener hat bereits mehrere Bücher veröffentlicht, mit diesem möchte er nun eine noch vorhandene Lücke schließen: »Es gibt schon einige Regionalkrimis, ein aktueller Roman, der sich die Gesellschaft genauer anguckt und noch dazu hier vor Ort spielt ist allerdings noch nicht vorhanden – bis jetzt.«

Das Krimigenre wurde, Ernst von Wegens Aussage bestätigend, gleich vierfach vertreten. Norbert Radler aus Steinheim gab Ausschnitte aus seinen drei Soko-Höxter-Krimis zum Besten, Werner Pfeil stellte seine Senne-Krimis vor, Peter Wierichs hatte Mosel-Krimis im Gepäck und Christiane Höhmann erzählte von einer ehemaligen Kriminalkommissarin aus Bielefeld, die immer wieder in Fälle mit Fahrradfahrern an der Weser verstrickt wird. Wolfgang Bellmer hat ebenfalls bereits drei Krimis verfasst, bei der ambulanten Lesung las er jedoch aus dem druckfrischen dritten Band seiner Trilogie »Elise«.

»Ich breche sehr gerne mit dem Happy End«

Bei Marie »RieCa« Methfessel, die als Überraschungsgast eingeplant war, gab es keine klassische Lesung. Da ihre »13 Märchen von Herz zu Herz« eher zum betrachtenden Lesen gedacht sind, las sie nicht vor, sondern ließ die Gäste selbst in ihre Bücher hineinschnuppern. Es handelt sich um kleine Gesamtkunstwerke, eine Mischung aus Text und Illustrationen, die individuell gestaltet sind. Eher untypisch für Märchen, gehen sie nicht immer gut aus. »Ich breche sehr gerne mit dem Happy End, meine Märchen haben oft einen bitter-süßen Nachgeschmack«, erklärt die junge Künstlerin, die sich selbst als ein »Bündel an Kreativität« bezeichnet.

Schülerin schreibt an ihrem Erstlingsroman

Eine bunte Mischung aus alteingesessenen Profis und ganz frischen Neulingen wurde dem Publikum geboten. Die Schülerin Ann-Christin Ehlers arbeitet noch an ihrem sehr persönlichen Erstlingsroman »Engelsgeflüster« über die Schicksalsschläge eines jungen Mädchens und präsentierte die ersten Kapitel daraus. Ute Aland hat hingegen schon viel Erfahrung sammeln können und fesselte ihre Zuhörer unter Anderem mit der »Pianistin«, einer modernen Auslegung der Hiobs-Geschichte. Mit dem »Weg zur Stille« von Josef Schäfer aus Bad Driburg war eine meditative Erzählung vertreten und Anke Ostwald-Maier las von den Abenteuern des Drachen Sigons vor – ein Kinderbuch, dass sie ursprünglich auf Anregung von ihrem eigenen Nachwuchs verfasst hat.

Gäste nutzen die Chance, Autoren näher kennenzulernen

Die Feedbackrunde am Ende des Abends machte deutlich, warum diese Art von Lesung so etwas Besonderes war. »Ich war total begeistert – auch weil ich gar nicht so viel lesen musste«, scherzte Werner Pfeil mit dennoch heiser gewordener Stimme. Die Größe der einzelnen Lesungen, die meist aus höchstens zehn Zuhörern auf einmal bestanden, sorgte tatsächlich dafür, dass ein sehr privater Rahmen entstand und auch viel diskutiert wurde. Ob über den Autor, den Hintergrund und die Entstehungsgeschichte des Buches oder über Kindheitserinnerungen, die durch die Texte geweckt wurden – viele Gäste nutzten die Chance, die Autoren näher kennen zu lernen und Widmungen zu erhalten. Eine Wiederholung können sich Autoren, Zuhörer und die Märchengesellschaft sehr gut vorstellen.

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