Krisenkonferenzen geplant – Straßenbetrieb Niedersachsen informiert nicht ordentlich B83-Totalsperrung: Proteste aus dem Kreis Höxter

Höxter/Holzminden/Polle (WB). Dass die nördliche Lebensader ins Weserbergland für sieben Jahre gekappt werden soll, das empört nicht nur die Kommunen, Unternehmen und Tourismusbetriebe in den niedersächsischen Kreisen Holzminden und Hameln, sondern auch die Weseranrainerstädte auf der NRW-Seite.

Von Michael Robrecht
Das 1,8 Kilometer lange B83-Stück an den Klippen von Steinmühle zwischen Polle und Bodenwerder soll sieben Jahr total gesperrt werden. Die Folge: Riesenumwege für alle, die von Norden über die die wichtige Lebensader die Kreise Höxter und Holzminden fahren wollen. Besonders Touristen und Pendler sind betroffen – schon ab Pfingsten.
Das 1,8 Kilometer lange B83-Stück an den Klippen von Steinmühle zwischen Polle und Bodenwerder soll sieben Jahr total gesperrt werden. Die Folge: Riesenumwege für alle, die von Norden über die die wichtige Lebensader die Kreise Höxter und Holzminden fahren wollen. Besonders Touristen und Pendler sind betroffen – schon ab Pfingsten. Foto: WB-Archiv

Wie berichtet, soll schon ab der Woche vor Pfingsten (20. bis 22. Mai) die B83 zwischen Polle und Bodenwerder für jeden Verkehr gesperrt werden. Das trifft auch den Kreis Höxter voll und wird als Katastrophe für den Pfingstreiseverkehr im Weserbergland bewertet. Höxters Bürgermeister Alexander Fischer nannte das Vorhaben »nicht zumutbar« und wandte sich gegen die bei allen Behörden unangekündigte Straßenschließung. Er hat sich mit seinem Holzmindener Kollegen Bürgermeister Jürgen Daul abgesprochen und möchte sich mit den Landräten aus Höxter und Holzminden zu einer kurzfristigen Krisenkonferenz treffen.

Die Bundesstraße 83 ist die Hauptverkehrsader im Weserbergland. An vielen Stellen führt sie direkt an der Weser entlang, so in Steinmühle zwischen Bodenwerder und Holzminden – an einer Seite die Weser, an der anderen 80 Meter hohe Felsen. Dass die brüchigen Muschelkalkfelsen gesichert werden müssen, ist seit langem klar. Jetzt macht den Straßenplanern aber der Naturschutz Probleme: Der Schmetterling »Spanische Flagge« darf nicht mehr gestört werden.

Bürgermeister Fischer kritisiert, dass der Landesbetrieb Straßen Niedersachsen hinter verschlossenen Türen so eine so viele Anrainer dauerhaft betreffende Sperrung ausarbeite, verfüge und die Nachricht dann nur scheibchenweise durchsickere. Wie zu hören war, will das Landesumweltministerium in Hannover wegen der Unruhe einen »Runden Tisch« für betroffene niedersächsische Kommunen einrichten.

Mit Sorge schauen die Gastronomie- und Hoteleriebetriebe im Weserbergland auf Pfingsten, wo tausende Touristen (Biker, Bootfahrer, Camper, Wohnmobilisten) zu einem Kurzurlaub kommen und die Sperrung genau zu den Feiertagen eingerichtet werden soll. Viele Wirte und Beherbergungsbetriebe sprechen von einer »Unverschämtheit« und befürchten Einbußen, zumal sich niemand auf eine solche Situation zwischen Polle und Höxter und Hameln einstellen konnte. Auch über Umleitungsstrecken ist nichts vom Landesbetrieb kommuniziert.

B83-Ärger: Abgeordnete Goeken und Haase wollen Druck machen

Eine jahrelange Sperrung der wichtigen Verkehrsader B83 ist für den CDU- Landtagsabgeordneten Matthias Goeken und den CDU-Bundestagsabgeordneten Christian Haase nicht hinnehmbar. Die heimischen Politiker sind sich einig, dass dies der Region erheblich schaden würde. Matthias Goeken führte am Freitag Gespräche mit den zuständigen Kollegen aus dem niedersächsischen Landtag. Ebenso traf er sich mit der Vorsitzenden des Ausschusses für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung des Landes Niedersachsen, Sabine Tippelt, um für eine geeignetere Lösung zu plädieren.

»Umleitungen und damit eine Verlängerung der Fahrtzeit von bis zu 45 Minuten sind eine Belastung für die Menschen, die täglich diese Strecke passieren. Natürlich muss etwas getan werden, denn das Gefahrenpotenzial ist zu groß und wir möchten nicht, dass Menschen zu Schaden kommen. Dennoch plädiere ich für eine pendler- und unternehmensfreundlichere Lösung. Die Straßenbaubehörde muss bei der EU-Kommission eine Ausnahmegenehmigung beantragen, sodass herkömmliche Sicherungsmaßnahmen zum Zuge kommen können und eine Sperrung nur über einen kurzen Zeitraum notwendig ist«, so Goeken. Die Belastung für Unternehmen und Pendler müsse so gering wie möglich gehalten werden. »Auch im Hinblick auf die geplante Landesgartenschau 2023, die hoffentlich in Höxter stattfindet, halte ich eine langfristige Sperrung der B83 für untragbar«, sagte Goeken.

Die Gespräche auf Landes-, Bundes- und europäischer Ebene werden fortgeführt. Gemeinsam wollen sich die Abgeordneten partei- und länderübergreifend dafür einsetzen, dass zunächst Sicherungsmaßnahmen vorgenommen werden und anschließend Lösungen, wie der Bau einer Fahrbahnüberdachung erarbeitet werden. Die jetzige favorisierte Lösung ist für die Abgeordneten sowie für viele weitere Nutzer der Strecke nicht hinnehmbar.

Auch Christian Haase betont: »Die Empörung über die Sperrung der B83 kann ich absolut nachvollziehen. Es kann nicht sein, dass unsere Region aus dem Raum Hannover für sieben Jahre lang komplett abgeschnitten wird. Wir können uns nicht so isolieren lassen – denn über den Ith kommt man derzeit auch nicht. Das bringt Nachteile für den jetzt anrollenden Sommertourismus, den Einzelhandel und im schlimmsten Fall behindert es die Vorbereitungen und Besucher für die Landesgartenschau 2023. Ich werde jetzt das Bundesverkehrsministerium anschreiben und bitten, dass von Bundesebene auf den Landesbetrieb eingewirkt wird. Wir müssen auf allen Ebenen Druck machen.«

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