1,5 Kilometer langer Abschnitt liegt im FFH-Schutzgebiet Felsbrocken und Schmetterlinge sorgen für jahrelange Sperrung der B83

Höxter/Holzminden (WB). Brüchige Felsen und seltene Tierarten wie der Schmetterling »Spanische Flagge« führen dazu, dass die vielbefahrene B83 zwischen Bodenwerder und Polle für bis zu sieben Jahre gesperrt wird.

Von Dietmar Kemper
Die B83 entlang der Weser ist idyllisch – aber auch gefährlich. Felsbrocken könnten auf die Straße stürzen. Stahlnetze und Schutzzäune scheiden als Lösung aus, weil sie in den Lebensraum des Schmetterlings »Spanische Flagge« eingreifen würden.
Die B83 entlang der Weser ist idyllisch – aber auch gefährlich. Felsbrocken könnten auf die Straße stürzen. Stahlnetze und Schutzzäune scheiden als Lösung aus, weil sie in den Lebensraum des Schmetterlings »Spanische Flagge« eingreifen würden.

Die »Spanische Flagge«. Foto: imago

Für Pendler und Lkw-Fahrer aus dem Kreis Höxter bedeutet die Sperrung, die noch vor Pfingsten vollzogen wird, Umwege und längere Fahrtzeiten von bis zu 45 Minuten. Höxters Bürgermeister Alexander Fischer sagte: »Die Sperrung der wichtigen Wesertalstrecke B83 für sieben Jahre ist eine Zumutung und Belastung.« Sie werde auch den Weserberglandtourismus behindern, wenn viele Urlauber mit Wohnmobil oder Motorradfahrer beispielsweise aus Hameln kommend weite Umwege akzeptieren müssten. Von der Sperrung wären seiner Meinung nach auch viele potenzielle Besucher der für 2023 in Höxter und Corvey geplanten Landesgartenschau betroffen.

Alles andere als glücklich ist auch die Werbegemeinschaft Höxter. »Wahnsinn. Das ist schon gravierend. Das ist eine wichtige Zufahrtstraße«, sagte Jens Klingemann. Er befürchtet, dass Besucher der Stadt fernbleiben.

Bis zu 50 Tonnen schwer

Die B83 führt an der Weser entlang. Bei den Felsen im Abschnitt Steinmühle zwischen Bodenwerder und Polle im Landkreis Holzminden besteht die Gefahr, dass sich Gesteinsbrocken lösen und auf die Straße fallen. Diese Brocken sind bis zu 50 Tonnen schwer. Im Herbst 2017 untersuchte ein Gutachter erneut die Steilwand und kam zu dem Ergebnis, dass sich das Risiko erhöht habe. »Wir können die Verkehrssicherheit nicht mehr garantieren«, sagte jetzt Markus Brockmann von der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr dem Sender NDR1 Niedersachsen.

Herkömmliche Sicherungsmethoden wie Stahlnetze, Schutzzäune und Felsanker sind aber nicht möglich, weil es sich bei dem Areal seit 2004 um ein FFH-Schutzgebiet handelt, in dem seltene Arten wie der Falter »Spanische Flagge« leben. Stahlnetze würden eine erhebliche Beeinträchtigung des Lebensraumes bedeuten. Angeblich favorisiert die Straßenbaubehörde zwei neue Brücken über die Weser, um die B83 mit bis zu 4000 Fahrzeugen am Tag zu verlegen. Alternativ könnte bei der EU-Kommission eine Ausnahmegenehmigung für die herkömmlichen Sicherungsmethoden beantragt werden. Die dann umzusetzen, würde nur einige Wochen oder Monate dauern. Bis die favorisierte Brückenlösung fertiggestellt ist, rechnen Experten mit sieben Jahren.

Vor vollendeten Tatsachen

In jedem Fall wird die B83 in dem gefährdeten Bereich jetzt erst einmal voll gesperrt. »Wir sind im Moment dabei, Notfallpläne zu erarbeiten, um zum Beispiel den Rettungsdienst zu gewährleisten«, sagte Peter Drews aus der Pressestelle des Landkreises Holzminden dem WESTFALEN-BLATT. Der Fernverkehr werde über die Bundesstraßen 64 und 240 umgeleitet. Drews: »Das können die Straßen verkraften.«

Vor vollendete Tatsachen gestellt sieht sich Höxters Bürgermeister Fischer. Für die Weseranrainer in NRW habe es im Vorfeld von niedersächsischer Seite keine Informationen über die Vollsperrung gegeben. In Niedersachsen plant Umweltminister Olaf Lies einen Runden Tisch. Am kommenden Donnerstag soll Holzmindens Landrätin Angela Schürzeberg (»Die Sperrung ist eine Katastrophe«) mit der Straßenbaubehörde zusammentreffen.

Kommentare

Schmetterlinge in Steinmühle

Ich selbst - aus Pegestorf kommend - bin wahrlich ein ein Tier- und Naturfreund aber es gibt Dinge, die ich nicht begreifen kann und will. Hat sich schon jemand Gedanken gemacht - abgesehen vom wirtschaftlichen Schaden unserer Region - über das Schaden/Nutzen Verhältnis Schmetterlinge bleiben Versus Umweltbelastung durch Hunderttausende von anfallenden PKW und LKW Kilometern durch die erforderlichen Umleitungen? Was passiert wenn es diesen Falter an der Weser nicht mehr gibt? Ist dann das ÖKsystem in Gefahr? Schulbusse, Pendler, leiden für diesen Falter den man wohl nur sehen kann wenn man in den Felsen herum klettert, was man aber tunlichst lassen soll. Verbietet man als Nächstes das Anlegen von Passgierschiffen auf Rhodos wo sich eine der größten Populationen dieses Schmetterlingsbefindet??? Es ist ja nicht so das es diesen Falter nur in Steinmühle gibt!!!!! Hat man schon mal geschaut ob es nicht auch auf der anderen Weserseite z. B. bei Rühle solche Falter gibt???
Heinz-Georg Maßenberg, Pegestorf

Der Sache nachgehen

Warum wurde die Bevölkerung nicht schon 2017 nach den Untersuchungen des Felsens informiert? Wer ist der Gutachter und wer hat das Ergebnis bekommen? Warum haben diese Leute das geheim gehalten? Hatten die das Recht das geheim zu halten und warum?

Das ist ja schon ein Sabotage-Akt gegen die Bevölkerung und Wirtschaft, die so darin gehindert wurde einen Widerstand in Form von Bürgerinitiativen rechtzeitig zu organisieren.

Wer sind die verantwortlichen Leute und was sagen die dazu. Wer hat die Ausweisung als FHH zu verantworten? War diesen Leuten bewusst das eine ganze Bundesstraße so nicht mehr vor Felssturz gesichert werden kann? Was sagen die Landesminister zu diesem Desaster?

Wir haben hier einen echten Skandal, liebes WB bitte dran bleiben und berichten! Das erwarten und wollen wir Leser.




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