Die 19-jährige Höxteranerin Janette Tesche wird Friedhofsgärtnerin »Der Tod gehört dazu«

Höxter/Paderborn (WB). Ist das nicht ein komisches Gefühl, auf dem Friedhof zu arbeiten? Diese Frage ist Janette Tesche aus Höxter gewohnt, denn sie ist in ihrem ersten Ausbildungsjahr zur Friedhofsgärtnerin – und damit ist sie die einzige in den Kreisen Höxter und Paderborn.

Von Marlene Groffmann
Janette Tesche ist in ihrem ersten Ausbildungsjahr zur Friedhofsgärtnerin. Obwohl sie an sich zunächst Floristin werden wollte, ist sie froh, Flexibilität gezeigt zu haben. Sie ist die einzige Auszubildende zur Friedhofsgärtnerin.
Janette Tesche ist in ihrem ersten Ausbildungsjahr zur Friedhofsgärtnerin. Obwohl sie an sich zunächst Floristin werden wollte, ist sie froh, Flexibilität gezeigt zu haben. Sie ist die einzige Auszubildende zur Friedhofsgärtnerin. Foto: Sarah Schünemann

Die Pflanzen, die sie gerade in die lockere Erde einpflanzt, sehen auf den ersten Blick aus wie Stiefmütterchen – »Irrtum! Das sind Hornveilchen, die sind momentan viel beliebter«, erklärt die 19-Jährige. Ein Praktikum in der Friedhofsgärtnerei Fahle, ihrem jetzigen Ausbildungsbetrieb, hatte sie bereits in der siebten Klasse gemacht. Daran, den Beruf irgendwann einmal zu erlernen, dachte sie zunächst nicht. Viel lieber wollte sie Floristin werden. Als dann aber kein Ausbildungsplatz in Sicht war und sie erfuhr, dass bei Fahle eine Stelle frei war, schwenkte sie um – und hat das nicht bereut. »Draußen sein und in der Erde wühlen, auch bei schlechtem Wetter, macht mir unglaublichen Spaß«, sagt Janette schmunzelnd und gräbt noch eines der Hornveilchen in die Erde ein.

Keine Angst vor Schmutz

Die Höxteranerin hat keine Angst sich schmutzig zu machen. Ein Bürojob hätte sie wohl kaum glücklich gemacht. Wetterbeständigkeit ist eine der Grundvoraussetzungen für den Beruf. »Ein langer Winter kann die Saisonarbeit ganz schön in Verzug bringen«, erzählt die Höxteranerin. Durch Dauerfrost und Kälte konnten sie in diesem Jahr erst spät mit der Bepflanzung der Gräber beginnen.

»In der Zwischenzeit haben wir im Gewächshaus das aufgeräumt, was den Sommer über liegen geblieben ist«, sagt sie und macht einen Schritt auf die gegenüberliegende Seite, um weiter pflanzen zu können. Als angehende Friedhofsgärtnerin ist sie besonders für die Grabpflege zuständig. Das bedeutet Unkraut jäten, Laub fegen und meist auch das Grab zu bepflanzen, so dass ein schönes Gesamtbild entsteht. Diese Dienstleistung nehmen meist ältere Leute in Anspruch, die selber nicht mehr in der Lage sind für die Ruhestätte zu sorgen.

Echter Balance-Akt

Das Ausheben der Gräber gehört nicht zu ihren Aufgaben. »Wenn Beerdigungen stattfinden und man die Trauernden sieht, kriegt man schon ein flaues Gefühl in der Magengrube«, erzählt Tesche. »Allerdings gewöhnt man sich an die Umgebung. Der Tod gehört nun mal zum Leben dazu.« Auch der Kundenkontakt ist ein Teil ihres Alltags. Das kann manchmal ein Balance-Akt sein. »Viele unserer Kunden sind natürlich in einem aufgewühlten Zustand. Der Umgang mit Trauernden erfordert viel Einfühlungsvermögen und Fingerspitzengefühl«, weiß die 19-Jährige.

Einzige Friedhofsgärtnerin in den Kreisen Paderborn und Höxter

Im ersten Lehrjahr fährt sie zweimal die Woche nach Paderborn für den schulischen Teil ihrer Ausbildung. Dort lernt sie am Georg-Mendel-Berufskolleg alles über Flora, Fauna und deren Biologie. Zwischen Gärtnern der Fachrichtung Baumschule und der Fachrichtung Zierpflanzenbau ist sie die einzige Friedhofsgärtnerin. Das scheint auf den ersten Blick etwas Besonderes zu sein. Für Reinhold Fahle, Inhaber des Unternehmens in zweiter Generation, ist es aber ganz normal. Er hält das Berufsfeld für neutral gemischt. »Wir bilden seit den 70ern aus und haben schon immer viele Frauen dabei gehabt«, erzählt der 56-jährige im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT.

Sport außerhalb ihrer Arbeitszeit braucht Janette Tesche nicht mehr. Die Höxteranerin ist den ganzen Tag mit vollem Körpereinsatz dabei. »Manchmal bin ich doch ganz froh, wenn die Männer beim Anpacken helfen. So ein 50-Liter-Sack Erde ist ganz schön schwer!«, sagt die 19-Jährige, zeigt auf einen der großen Erdsäcke und lacht.

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