Zehn Jahre Forum Jacob Pins: Zukunft und Vergangenheit der Einrichtung Wenn Kunst Geschichte schreibt

Höxter (WB). Was als Freundeskreis begann, konnte zu Höxters kulturellem Hotspot avancieren: Das Forum Jacob Pins vereint seit nunmehr zehn Jahren Kunst und Geschichte.

Von Timo Gemmeke
Hoffen auf weitere erfolgreiche aber vor allem interessante Jahre im Forum Jacob Pins (von links): Museumskuratorin Julia Diekmann, Dieter Schuler (ehemals Vorsitzender), Fritz Ostkämper (Vorsitzender), Bärbel Werzmirzowsky (zweite Vorsitzende) und Johanna Thedieck (ehemals zweite Vorsitzende).
Hoffen auf weitere erfolgreiche aber vor allem interessante Jahre im Forum Jacob Pins (von links): Museumskuratorin Julia Diekmann, Dieter Schuler (ehemals Vorsitzender), Fritz Ostkämper (Vorsitzender), Bärbel Werzmirzowsky (zweite Vorsitzende) und Johanna Thedieck (ehemals zweite Vorsitzende). Foto: Timo Gemmeke

Damals Freundeskreis, heute 330 Mitglieder

Dass aus einem Künstlernachlass einmal ein vielseitiges Kulturzentrum entstehen sollte, daran hätten die Gründungsmitglieder der Jacob Pins Gesellschaft nicht geglaubt. »Es war eine Idee, ein Traum«, erzählt Dieter Schuler, ehemals erster Vereinsvorsitzender. Am Anfang, so Schulter, stand ein kleiner Freundeskreis – heute finden sich mehr als 330 Namen auf der Mitgliederliste.

Den entscheidenden Anstoß dazu gab es schon vor der Gründung vor zehn Jahren. 1988 kam Jacob Pins aus Israel nach Höxter, wo er bei einer Ausstellung seinen Vater auf alten Dokumentarfotos entdeckte – am Bahnhof, während seiner Deportation. Mit anderen Höxteraner Juden wurden sie 1941 nach Riga ins Getto geschickt und dort 1944 ermordet. Trotz seiner Erfahrungen zeigte sich Pins in den Nachkriegsjahrzehnten versöhnlich mit seiner Geburtsstadt. 1967 kam es zur ersten Ausstellung seiner Werke im Kunstkabinett Henze. Heute – mehr als 50 Jahre später – »hat Jacob Pins in Höxter ein Zuhause gefunden«, so Schuler. »Die Rückkehr war ein Akt der Versöhnung.«

»Wir wollten verfolgten Juden ein Gesicht geben«

Im Mittelpunkt sollte jedoch nicht nur die Kunst, sondern auch die Geschichte stehen. Als Ort der Erinnerung hält das Forum Jacob Pins mit einer Dauerausstellung die Erinnerung an die Juden wach, die 400 Jahre mitten in Höxter gelebt haben – bis sie im Dritten Reich in die Konzentrations- und Vernichtungslager der Nazis deportiert und dort ermordet wurden. »Wir wollten den verfolgten Juden ein Gesicht geben«, erklärt Fritz Ostkämper, derzeitiger Vorsitzender.

Wie geschätzt die Rückbesinnung auch außerhalb der Kreis- und sogar der Landesgrenzen ist, zeigt die Resonanz, die in Form von Briefen oder E-Mails ihren Weg ins Forum findet. »Wir haben Kontakt in mehr als 13 Länder. Jeder, der sich auf die Suche nach seinen jüdischen Vorfahren aus Höxter macht, landet bei uns«, so Ostkämper.

Pläne für die Zukunft

Trotz steigender Reputation wollen die Gründungsmitglieder um Dieter Schuler, Johanna Thedieck, Fritz Ostkämper und Bärbel Werzmirzowsky an der Eigenregie im Museum festhalten. »Wir sind aus einer Bürgerbewegung entstanden. Das soll auch so bleiben«, sagt Ostkämper. »Angestellte und bezuschusste Ausstellungen wird es im Pins Forum nicht geben«.

Mit der Zeit gehen muss aber auch das Forum Jacob Pins – das sieht selbst der alte Freundeskreis ein. »Wir wollen uns in Zukunft auch der Digitalisierung widmen«, schildert Bärbel Werzmirzowsky. Wie genau, steht noch nicht fest, aber: »Eine komplett digitale Ausstellung wird es nicht geben«.

Generell wollen die Schaffenden des Forums an ihrem bisherigen Erfolgsrezept festhalten, sprich: Kontakte knüpfen und Netzwerke ausbauen.

Wichtiger ist den Mitgliedern aber noch ein bevorstehender und unumgänglicher Generationswechsel. »Wir wollen eine Brücke schlagen zwischen uns und denen, die Jacob Pins nur als Teil der Geschichte kennen«, so Werzmirzowsky.

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