Weihnachtspost und Geschenkpakete: Die Post hat vor den Feiertagen Hochkonjunktur Arbeiten am Limit

Höxter (WB). »Es ist der pure Stress«, erzählt Dennis Pollmeier, bremst und hüpft aus dem Wagen. Gemeinsam mit seinen Kollegen verteilt er die Päckchen, die es noch bis Heiligabend zu den 20.000 Haushalten im Kreis Höxter schaffen sollen.

Von Timo Gemmeke
Sortiert derzeit Unmengen an Weihnachtspost: Norbert Neumann arbeitet seit 36 Jahren bei der Post.
Sortiert derzeit Unmengen an Weihnachtspost: Norbert Neumann arbeitet seit 36 Jahren bei der Post. Foto: Timo Gemmeke

Wer keinen der überfüllten Paketwagen vor sich herschiebt, kann in der Frachthalle der Deutschen Post eigentlich nur im Weg stehen. Hier herrscht Weihnachtsstimmung, die weniger besinnlich kaum sein könnte. Das »Fest der Liebe« wird zwischen den mannshohen Paketstapeln und engen Zustellfristen zum »Stress-Fest«.

»Es ist auf jeden Fall die härteste Zeit des Jahres«, sagt Norbert Neumann, Teamleiter am Höxteraner Standort der Post in der Uferstraße. Seit 36 Jahren arbeitet er dort, fast durchgehend auch als Zusteller. Was die Arbeit in der Vorweihnachtszeit so hart macht? »Auf Wind und Wetter kann man sich einstellen, aber die Pakete werden einfach immer mehr.«

Routine ist alles

Mehr als 100 davon hat Dennis Pollmeier seit Dienstbeginn in seinen Transporter verladen, von der schmalen Parfumschachtel bis zum übergroßen Paket ist alles dabei. Die erste Route beginnt im Stop-and-Go: 50 Meter fahren, Zustellung suchen, klingeln, abgeben oder wieder zurück packen. »Wenn alles drunter und drüber geht, dann gibt man auch schon mal das falsche Paket ab«, erzählt er.

Das sei eine »Sache der Routine«, würde ihm nach mittlerweile zwei Jahren im Dienst kaum noch passieren. Falls doch, kommt die Tagesplanung durcheinander; die Gangfolge nach der auch die Pakete im Laderraum geordnet sind, stimmt dann nicht mehr. »Es ist der pure Stress«, sagt Pollmeier, bremst und springt aus dem Wagen. »Aber irgendwie macht es auch Spaß.«

Der Postboten-Stolz

Diesen »Spaß« haben vielleicht nicht alle Boten, massenhafte Kündigungen gehen in der Zeit bis Heiligabend jedoch auch nicht raus. »Es gibt bestimmt einige, die unter dem Stress leiden, aber kaum einer hört deswegen mit dem Austragen auf«, erklärt Rainer Ernzer, Pressesprecher der Post in Nordrhein-Westfalen.

»Da geht es auch um den Postboten-Stolz.« Finanzielle Motive stecken meist nicht hinter dem akzeptierten Mehraufwand, wie Ernzer schildert: »Es gibt keinen Aufschlag, nur die Überstunden gelten wie sonst auch.«

Trotz Überstunden immer höflich

Überstunden fallen auch bei Dennis Pollmeyer an, jeden Tag wird die tägliche Überzeit bis 18.15 Uhr genutzt. »Danach ist man zwar echt geschafft, aber es geht eben nicht anders«, sagt er.

Etwas Hilfe bekommt der Bosseborner derzeit von Christoph Lapsin, der seit einer Woche bei der Post lernt. Für ihn als Neuling sei die Weihnachtszeit der »beste Einstieg überhaupt«, meint Pollmeyer schmunzelnd. Trotz des straffen Zeitplans geht es kollegial zwischen beiden zu; auch das Verhältnis zu Kunden scheint stets entspannt, immer höflich, aber nie verkrampft.

Briefe und Karten zu Weihnachten

Apropos verkrampft: Nicht jedes Paket kommt mit dem normalen Boten. »Wir haben eine Lastgrenze für Pakete bis 31,5 Kilo, alles darüber macht ein Sonderdienst«, erklärt Pollmeyer. »Manchmal schleppt man zwei davon am Morgen rum. Fitnesstraining braucht hier niemand.«

Aber auch leichtere Fracht hält – gerade zur Adventszeit – wieder Einzug in die Postboxen. »Briefe und Karten werden wieder häufiger verschickt, besonders zu Weihnachten«, weiß Ernzer. Erfreulich, nicht nur für die Empfänger, sondern auch die Boten: Die müssen umso weniger tragen.

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