Barbara Engel schreibt ein Buch über Heimatliebe und Familie Poetin aus Leidenschaft

Höxter (WB). 207 Seiten gereimte Geschichten, 207 Seiten Leben in Ovenhausen (Stadt Höxter), 207 Seiten Barbara Engel. Die 70-Jährige hat ihre Erlebnisse in lyrischer Form zu Papier gebracht und daraus ein Buch gemacht: »Im Schutz der dicken Eiche und der Heiligenberger Kapelle«.

Von Sarah Schünemann
Barbara »Bärbel« Engel hat ihr Buch »Im Schutz der dicken Eiche und der Heiligenberger Kapelle« in Reimform innerhalb von 15 Monaten verfasst. Es handelt über sie, ihre Familie und ihren Heimatort Ovenhausen.
Barbara »Bärbel« Engel hat ihr Buch »Im Schutz der dicken Eiche und der Heiligenberger Kapelle« in Reimform innerhalb von 15 Monaten verfasst. Es handelt über sie, ihre Familie und ihren Heimatort Ovenhausen. Foto: Sarah Schünemann

Es ist Autobiografie, Familiengeschichte und damit immer auch ein Stück weit Ortsgeschichte. 15 Monate lang hat Barbara Engel, die von allen nur Bärbel genannt wird, an dem Werk gearbeitet. Ihre fünf Kinder fanden in dem Haus der Ovenhäuserin immer wieder verstreut Zettel vor, auf denen sie Gedichte geschrieben hatte. Deshalb entschieden sie sich, ihr einen Computer zu Weihnachten zu schenken. »Dann kannst du daraus endlich ein Buch machen«, sagten sie – und das tat sie auch.

Fotos bringen Erinnerungen zurück

Ihre eigenen Erinnerungen und die ihrer Eltern brachte sie Stück für Stück zu Papier. Häufig nahm sie dazu ein Foto in die Hände. »Dann konnte ich mich wieder in die Situation hineinversetzen«, erklärt die 70-Jährige. Ihre Geschichten haben auch deshalb fast alle ein Foto – auf der gegenüberliegenden Seite. Einige bekam sie auch von Helfern aus dem Dorf.

Aufgewachsen ist Barbara Engel in Ovenhausen, im »Schutz der dicken Eiche«, die auf dem Kapenberg in Richtung Bremerberg steht. Dort entlang ist sie häufig mit ihrer Familie zu ihrer Tante Maria gewandert. »Da oben hat man einen schönen Blick auf das Tal«, erinnert sie sich. Von diesem Weg erzählt auch ihre erste Ausführung in ihrem Buch. »Den Berg hinauf geht es – vor’m Wald eine Rast, Die Bank der ›Dicken Eiche‹ trägt eine liebe Last«, schreibt sie.

Reh lebte in der Diele

Auf 207 Seiten – in sieben Kapitel unterteilt – stehen ihre Geschichten. Von ihrer Kindheit über die Familiengeschichte und das neue Haus bis hin zu Dorf-Geschichten, Vereinen und Pilgerwegen. Gerne erinnert sie sich dabei besonders an die Tiergeschichten. In Engels Kindheit beispielsweise gab es ein Reh in Ovenhausen, das in der Diele der Familie Möller lebte. Das Nest lag am Treppenabsatz. Morgens wurde das Reh rausgelassen und wanderte durch das Dorf. »Am Abend dann lag es und wartete und wacht – gab’s doch von allen Streicheleinheiten als ›Gute Nacht‹! «, führt sie weiter aus. Jeden Tag kam das Tier kam zu der Familie zurück. Auch die Geschichten ihres Vaters behandelt sie in ihrem Buch.

So handelt »Sechs verlorene Jahre« von seiner Zeit als Soldat im Zweiten Weltkrieg und schließt mit den Worten: »Im Elternhaus und Dorf beginnt nun ein neues Leben. Nun endlich ist Frieden – fürwahr ein groß Segen!«.

»Alle meine Entchen« auf der Melodica gelernt

Neben der Leidenschaft für das Verfassen von Texten spielt die Ovenhäuserin mittlerweile 55 Jahre Orgel. Angefangen hat sie mit Klavierunterricht. Nachdem sie sich selber auf der Melodica einer Familienfreundin »Alle meine Entchen« beigebracht hatte, riet ihr Vater ihr zu diesem Schritt, den sie bis heute nicht bereut hat: »Ich spiele immer noch bis zu zehn Mal die Woche Orgel«, sagt sie mit einem Lächeln.

Das half ihr auch beim Dichten. Durch das Mitsingen der Kirchenlieder, die häufig gereimt sind und das jahrelange Schreiben von Liedern und Gedichten zu Geburtstagen, erlangte Barbara Engel große Sicherheit in der Lyrik.

Erlös ist für die KIndernothilfe

Den Erlös der verkauften Bücher spendet die Großmutter von derzeit sechs Enkelkindern der Kindernothilfe. Seit 1974 unterstützen Jürgen und Barbara Engel die Organisation mit bis zu drei Patenschaften. »Zu Weihnachten versenden wir zusätzlich Geschenke. Jürgen und ich stehen in regem Briefkontakt mit unseren Schützlingen«, meint sie. Biti Mirandi aus Indien ist die 26. Patenschaft der Beiden. Und auch in der Heimat hilft das Ehepaar: Seit 1981 hatten sie immer wieder ein Pflegekind in ihrer Obhut. Eines dieser Kinder, Michael Atli, kommt sie heute noch regelmäßig besuchen. Er lebt mittlerweile in Hamburg, kommt aber zum Fest immer zurück in das kleine Örtchen Ovenhausen. Von den 100 gedruckten Büchern sind noch wenige übrig. Mit dem Erlös konnte Engel eine Summe von 1300 Euro an die Kindernothilfe überweisen.

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