Kalligrafie immer beliebter – Jutta Wiesner eröffnet Atelier in Nieheim-Holzhausen Liebe Grüße mit eigener Handschrift

Höxter/Nieheim (WB). Es braucht nicht viel, um einer lieben Freundin oder einem Angehörigen einen ganz persönlichen, herzlichen Gruß zu übermitteln, der so einzigartig ist wie die eigene Handschrift. Mit der »Kunst des Schönschreibens«, der Kalligrafie, befasst sich Jutta Wiesner bereits seit 30 Jahren. Jetzt hat sie ihr eigenes Atelier im Kreis Höxter eröffnet – rund um ­Feder, Tinte und Papier.

Von Harald Iding
»Leporello« heißen die bunten Werke, die Schreib- und Buchbinderkunst vereinen.
»Leporello« heißen die bunten Werke, die Schreib- und Buchbinderkunst vereinen. Foto: Harald Iding

Jeder Buchstabe wird einzeln gemalt, die Feder mit viel Gefühl gezogen und nicht geschoben – daher auch der Begriff »Bandzugfeder«. Es sind schon fast kleine Kunstwerke, fern ab der heutigen digitalen Tastatur-Welt. Und sie können sogar jedem gelingen, nach einer gewissen Übungsphase. Die 50-jährige Jutta Wiesner, die aus Remscheid stammt und hier in der Region ihren Ehemann Andreas kennengelernt hat, lebt heute mit ihrer Familie in Melle (Kreis Osnabrück).

Leidenschaft für das Schreiben

»Aber der Bezug zur Nieheimer Ortschaft Holzhausen ist uns geblieben. Dort habe ich ›Im Oberndorf 10‹ Räumlichkeiten angemietet, um meine Leidenschaft für das Schreiben auf unterschiedlichen Materialien und das geschriebene Wort an interessierte Seminarteilnehmer und Gruppen weiterzugeben.« Ein erster sechsstündiger Einführungskurs ist am Samstag 13. Januar 2018, ab 10 Uhr im Atelier geplant. Unter Telefon 05422/926661 oder auf der Homepage (www. reachingletters.de) nimmt sie Anmeldungen entgegen. »Es geht darum, in die Welt der Kalligrafie einzutauchen, eine klassische Schrift zu erlernen und einmal ungewöhnliche Schreibwerkzeuge auszuprobieren.«

Meditativer Prozess

Jutta Wiesner hat die Erfahrung gemacht, dass das kalligrafische Schreiben ein meditativer Prozess sein kann, kreativ und »entschleunigend« zugleich. Übrigens: Mit jedem Alter oder jeder größeren Veränderung im Leben eines Menschen ändere sich auch dessen Handschrift deutlich.

Jutta Wiesner liebt und lebt die Kalligrafie seit 30 Jahren. Foto: Harald Iding

Schon als junge Frau im Alter von 19 Jahren, als sie in den Vereinigten Staaten als »Au-pair« arbeitete, entwarf sie dort für Hochzeitsgesellschaften nebenbei ganz besondere, individuelle gestaltete Karten. Die Auftragsarbeiten der talentierten Deutschen kam bei den Amerikanern bestens an. Aktuell hat sie in einer Grundschule eine 30 Quadratmeter große Hauswand beschriftet – mit »Regeln« für den Schulalltag.

Spannende Lebensgeschichte

Zu ihrer spannenden Lebensgeschichte gehören unter anderem: die Ausbildung zur Buchhändlerin; die Zeit in San Diego, als sie dort als 25-Jährige Leistungsschwimmer trainierte sowie die mehrjährige Arbeit in einem Redaktionsteam eines der größten Schulbuch-Verlage. »Eigentlich wollte ich ja Buchbinderin werden«, verrät sie im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT. Aber das sei damals nur Männern vorbehalten gewesen. »Und so brachte ich mir mein erstes Wissen später selbst über Kurse bei, die ich besucht habe.« Das komme ihr heute zugute, denn eines der kunstvollen Dinge, die sie mit viel Liebe zum Detail entstehen lässt und die erlernten Klebe- und Faltfähigkeiten einbringen kann, sind so genannte Leporellos.

Faltbücher im Miniformat

Das sind »Faltbücher« in Form eines langen Papier- oder Kartonstreifens, der wie bei einer Ziehharmonika zusammengefaltet ist. Der Name basiert auf der Geschichte des Opern-Frauenhelden »Don Giovanni«. Dessen Diener »Leporello« musste die vielen Amouren seines Herrn akribisch aufschreiben – in Form einer ziemlich langen Liste.

Die Höxteraner Buchhändlerin Andrea Duurland hat in ihrem Fachgeschäft »Bücher Brandt« einige Neuheiten zum Thema »Kalligrafie« und dem immer beliebteren »Handlettering« mit drucksensitiven Stiftspitzen und Aquarellfarben in den Regalen. Je fester man damit auf das Papier drückt, desto dicker wird beispielsweise der Strich. »Es gibt Übungshefte und CDs mit Videos zur Anleitung. Es geht um das kunstvolle, schwungvolle Schreiben«, so Duurland, die selbst eine erfolgreiche Malerin ist. »Ich möchte meine Bilder zukünftig gerne mit passenden Sprüchen versehen.« Das würde ihr jedoch nicht leicht fallen. Vor allem Verzierungen, so wie es Jutta Wiesner gerne praktiziert, seien sehr anspruchsvoll.

Der handgeschriebene Brief ist vielen Handybesitzern längst abhandengekommen. Um so schöner können doch die Zeilen sein, für die man sich richtig Zeit nimmt.

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