Schlag gegen Onlinehandel – Razzia – 58-Jähriger geht ins Netz Bande verkauft Designer-Drogen: Mann in Dalhausen festgenommen

Beverungen (WB/rob). Schwerer Schlag gegen den Onlinehandel mit Designer-Drogen: Vier mutmaßliche Händler sitzen in Untersuchungshaft. Auch im Kreis Höxter gab es eine Razzia. Ein 58-Jähriger wurde in Beverungen-Dalhausen festgenommen.

In solchen Tüten oder Röhrchen werden Designer-Drogen abgepackt.
In solchen Tüten oder Röhrchen werden Designer-Drogen abgepackt. Foto: dpa

Um genauer zu sein, war die Festnahme in Beverungen, wie am Dienstag von der Polizei mitgeteilt worden war.

Die Beschuldigten produzierten und vertrieben als »Kräutermischungen«, »Badesalze«, »Liquids« oder »Pflanzendünger« bezeichnete neuartige psychoaktive Stoffe. Diese als Rauschmittel genutzten Substanzen enthalten Inhaltsstoffe, insbesondere synthetische Cannabinoide und amphetaminähnliche Stoffe, die dem Betäubungsmittelgesetz oder dem Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz unterfallen, berichtet die Polizei. Die Bestellungen wurden über eine Vielzahl eigens hierfür erstellten und betriebenen Online-Shops abgewickelt.

Ermittler haben durch ihre Zugriffe ein Netzwerk von 13 Online-Shops für Designer-Drogen mit einem mutmaßlichen Millionengewinn zerschlagen! Bei der Razzia mit 139 Polizisten in Rheinland-Pfalz, Hessen und NRW wurden mehrere Männer festgenommen, wie die Generalstaatsanwaltschaft Koblenz und die Kripo Betzdorf am Montag mitteilten. Die Bande soll mehrere tausend Kunden gehabt haben.

In den zwölf durchsuchten Objekten der zehn Beschuldigten stellten die Ermittler große Mengen verbotener psychoaktiver Substanzen sowie Computer, Handys und Datenträger sicher. Beschlagnahmt wurde Vermögen in Höhe von fast 2,5 Millionen Euro, unter anderem in Form von Grundstücken und mehreren, teils teuren Autos. Hinzu kamen Bargeld und Bankkonten.

Im Rahmen der Ermittlungen wurde bekannt, dass eine der Personen, ein 58-jähriger Mann aus Oberhausen, sich in Beverungen-Dalhausen aufhalte und dort Renovierungsarbeiten an einem Haus durchführen würde. Der Beschuldigte konnte von Kriminalbeamten der Kreispolizeibehörde Höxter an dem Haus angetroffen und festgenommen werden. Beweiserhebliche Gegenstände wurden in Dalhausen nicht vorgefunden. Ein von dem Mann benutzter Lieferwagen wurde sichergestellt. Die Razzia überraschte weitere Beschuldigte im Kreis Altenkirchen sowie im Raum Duisburg, Oberhausen und Gießen. Die vier geschnappten Männer im Alter von 29, 39, 48 und 58 Jahren schwiegen vor dem Haftrichter.

Die Bande soll ihre Designer-Drogen in großem Stil über das offen zugängliche Internet vertrieben haben. Der Koblenzer Generalstaatsanwalt Jürgen Brauer bezeichnete dies als »besonders perfide und dreist«. Andere Drogengeschäfte werden oft über das sogenannte Darknet abgewickelt.

Die per Mausklick bestellte Ware wurde auf dem Postweg ausgeliefert - zuletzt jeden Tag mit weit mehr als 100 Päckchen und Paketen. Die Kunden zahlten per Vorkasse oder Nachnahme. Die Dealer sollen dafür zahlreiche Bankkonten im In- und Ausland eingerichtet haben. Ihre Grammpreise für »Kräutermischungen« und andere Designer-Drogen reichten von 12 bis 30 Euro. Allein an einem Durchsuchungsort in NRW 50 Umzugskartons mit fast 30.000 zum Abverkauf vorbereiteter Verpackungseinheiten mit jeweils mehreren Gramm »Kräutermischungen« sichergestellt werden.

Künstlich hergestellte psychoaktive Substanzen können laut der Landeszentrale Cybercrime der Generalstaatsanwaltschaft Koblenz überaus gefährlich sein. Mangels klinischer Studien seien die Folgen oft unklar. Der Wirkstoffgehalt synthetischer Rauschmittel sei um ein Vielfaches höher als bei herkömmlichem Cannabis. Die Zahl der Todesfälle nach ihrem Konsum sei in Deutschland in der jüngeren Vergangenheit auf 98 im Jahr 2016 hoch geschnellt, berichtete die Polizei.

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