Lüchtringer erstach Mutter mit Forke – Prozess in Paderborn Mutter getötet: 42-Jähriger muss in die Psychiatrie

Höxter/Paderborn (WB). Schläge mit einem Hammer, Schnitte mit einem Messer, ein Stich mit einer Forke: Der Tod einer 73-jährigen Frau aus Lüchtringen war ein Verbrechen, ausgeführt mit fast unvorstellbarer Brutalität. Ebenso schlimm: Der Täter war der eigene Sohn. Er wurde am Freitag vom Landgericht Paderborn zu einer Freiheitsstrafe und der Einweisung in die Psychiatrie verurteilt.

Von Ulrich Pfaff
Am Landgericht in Paderborn ist der 42-Jährige verurteilt worden.
Am Landgericht in Paderborn ist der 42-Jährige verurteilt worden. Foto: dpa

Es ist die Geschichte einer Krankheit, einer falsch wahrgenommenen Realität und einer Eskalation, die tragischer nicht hätte enden können: Die Mutter wird vom eigenen Sohn getötet, auf bestialische Weise und ohne jede Reue. Am 7. Juni geschah die schreckliche Tat in einem Einfamilienhaus in Lüchtringen, als der jetzt 42-Jährige in einer offensichtlichen Explosion von Gewalt seine Mutter tötete.

Streit um Kleidung

Die Ausführungen einer Gerichtsmedizinerin dazu waren an schonungsloser Offenheit nicht zu übertreffen. Das Geständnis des 42-Jährigen auch nicht: »Ich tötete meine Mutter im Affekt«, begann seine Einlassung.

Am Tattag sei es zu einem Streit gekommen über seine Bekleidung. Er sei über Jahre von seinen Eltern und nach dem Tode des Vaters von der Mutter weiter drangsaliert, beleidigt und ausgenutzt worden, schilderte der Angeklagte. »Die Tötung meiner Mutter ließ sich aus meiner Sicht nicht vermeiden«, erklärte der 42-Jährige. Schließlich habe er davon ausgehen müssen, dass sie noch bestimmt zehn Jahre leben werde.

Eine inhaltlich vergleichbare Niederschrift hatte er bereits vor dem Auffinden der Leiche angefertigt: Das Schreiben »an die Polizei« lag im Wohnzimmer, im Flur die Leiche der Mutter, als die Polizei eintraf. Wie einer der Beamten noch erinnerte: Der 42-Jährige hatte einen Koffer gepackt und bat sofort darum, in Einzelhaft zu kommen, da er sehr menschenscheu sei.

Verschobene Realitätswahrnehmung

Darin liegt auch der Schlüssel zu der Tat: Der 42-Jährige leidet am Asperger-Syndrom, einer Unterform des Autismus. Seine Wahrnehmung, er werde von seiner Umwelt beleidigt, verhöhnt, ausgenutzt und ungerecht behandelt, liegt in seiner Krankheit begründet.

Tatsächlich, so schilderte der gesetzliche Betreuer, habe die 73-Jährige sich um alles selbst kümmern wollen, obwohl der Sohn ein eigenes Wohnumfeld mit fachmännischer Betreuung gebraucht hätte. Zu einem ähnlichen Ergebnis kam auch der psychiatrische Gutachter: Verschobene Realitätswahrnehmung, eine hohe Kränkbarkeit und Reizbarkeit habe er beim Angeklagten vorgefunden. Jahrelange aufgebaute seelische Anspannung habe sich explosionsartig gelöst und zu dem Gewaltausbruch geführt.

Wegen der verminderten Schuldfähigkeit verurteilte das Schwurgericht den Lüchtringer zu neun Jahren Freiheitsstrafe – die muss er nicht absitzen, da er sofort in die Psychiatrie eingewiesen wird.

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