Jürgen Schlenke aus Bosseborn kauft sich ein ganzes Gotteshaus – Umbau angelaufen Aus Petrikirche wird Trauerzentrum

Höxter (WB). Das hat es im Kreis Höxter noch nicht gegeben: Jürgen Schlenke aus Bosseborn hat sich eine ganze Kirche gekauft. Der 48-Jährige machte sich als Beerdigungsunternehmer selbstständig und richtet nun in der kürzlich entweihten evangelischen Petrikirche in der Siedlung ein großes Trauerzentrum ein.

Von Michael Robrecht und Timo Gemmeke
Der neue Kircheneigentümer Jürgen Schlenke (links) hat mit dem Umbau des Gotteshauses begonnen: neben ihm Michael Kordisch und Ghani Khan vom Zimmereibetrieb Kordisch Bosseborn an der Baustelle in der Schlesischen Straße.
Der neue Kircheneigentümer Jürgen Schlenke (links) hat mit dem Umbau des Gotteshauses begonnen: neben ihm Michael Kordisch und Ghani Khan vom Zimmereibetrieb Kordisch Bosseborn an der Baustelle in der Schlesischen Straße. Foto: Michael Robrecht

Die evangelische Weser-Nethe-Kirchengemeinde hatte die fast 60 Jahre Petrikirche in der Schlesischen Straße im Spätsommer an den Bosseborner verkauft. Mit Ausräumen und Umbauarbeiten konnte aber erst im November begonnen werden, weil noch die formelle Zustimmung des Landeskirchenamtes Bielefeld zum Verkauf fehlte.

In diesem Herbst hat die evangelische Kirche Höxter das Gotteshaus komplett von allen sakralen Gegenständen geräumt. »Bis auf zwei Dutzend Stühle und die Glocken ist alles weg«, berichtete Jürgen Schlenke, der mit einigen Handwerkern mitten in den Sanierungsarbeiten steckt. »Wir haben alles, was an eine Kirche erinnert, herausgeräumt«, beschrieb Dieter Maletz, Pfarrer der evangelischen Weser-Nethe-Gemeinde, dass es doch etwas Ungewöhnliches ist, eine Kirche aufzugeben.

Seit 2014 keine Gottesdienste mehr

Schon seit 2014 gab es in der Petrikirche keine Gottesdienste mehr: Abendmahlkelch, Taufkanne und andere sakrale Gegenstände wie Gewänder waren vor drei Jahren schon in die Kilianikirche gebracht worden. Jetzt mussten Altar und Bestuhlung demontiert werden. Der Altar, Kreuz und Kerzenständer stehen inzwischen in der Marienkirche. Der Wandteppich kommt ins Beckhausheim. Die gut erhaltene Orgel wird laut Kirche eingelagert. Die vier Glocken aus Stahl, die noch im weißen Kirchturm hängen, sollen als Ensemble verkauft werden.

Auch das Jahrzehnte als Jugendtreff genutzte große Untergeschoss mit mehr als 200 Quadratmetern Fläche wurde komplett geräumt: Die Kirchengemeinde hat einige Möbel zwischengelagert. Vielleicht, so Pfarrer Maletz, könne ein neuer Jugendtreff im Bereich des evangelischen Gemeindezentrums Brüderstraße entstehen.

Glockenturm soll bleiben

Beim Ausräumen der Kirche hatte so manches Gemeindemitglied eine Träne im Auge, denn die Kirche war ein Zeugnis der Aufbaujahre in Höxters Siedlung, wo auch besonders viele Ostvertrieben eine neue Heimat gefunden hatten. Nur noch der benachbarte evangelische Kindergarten wird demnächst noch an die Präsenz der Protestanten in diesem Wohnquartier erinnern.

Den Glockenturm möchte der neue Eigentümer Jürgen Schlenke als Erinnerung an die Petrikirche stehen lassen, auch wenn die Glocken bald herausgebaut sind.

Renovierung läuft noch

Derzeit versperren Bauzäune den Blick ins Innere der ehemaligen Kirche. »Hier muss noch viel renoviert werden«, sagt Jürgen Schlenke. Firma Kordisch aus Bosseborn nimmt zurzeit die Sanierung der hölzernen Südfassade vor. Neue Fenster wurden auch eingebaut.

Für das Beerdigungsinstitut werden Kühlräume, Gesprächszimmer und im alten Kirchenraum Platz für Trauerfeiern geschaffen. Wände und Böden werden saniert, und auch im Untergeschoss wird der Platz laut Jürgen Schlenke zum Beispiel für Kühlräume gebraucht.

Bräuche ändern sich

Schlenke, der viele Jahre schon in der Beerdigungsbranche in Höxter tätig war, sieht in seinem Angebot eines Trauerzentrums in Höxter und Umgebung eine Marktlücke, die er jetzt fülle. Er reagiere auch auf die sich schnell ändernden Gebräuche und das Kundenverhalten bei Trauerkultur- und feiern sowie Beerdigungen. Die Zahl kirchlicher Trauerfeiern sinke, immer mehr würden Trauerredner verlangt.

Bis 2014 wurden in der Kirche Gottesdienste gefeiert, später boten die Räumlichkeiten Platz für Ferienaktionen und Veranstaltungen. Für den 60er-Jahre-Bau hatte sich im Frühjahr der Höxteraner Handball- und Leichtathletikklub (HLC) interessiert, dort ein Sportzentrum einzurichten. Das Presbyterium verkaufte das Gebäude dann aber an Jürgen Schlenke.

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